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Amateurfußball in Hessen : „Wir leben von der Hand in den Mund“

  • -Aktualisiert am

Noch rollt der Ball. Doch es herrscht Angst vor dem Stillstand beim hessischen Amateurfußball. Bild: Picture-Alliance

Die Hessenliga kommt an ihre Belastungsgrenze. Denn die steigenden Corona-Infektionszahlen bremsen den Amateurfußball aus.

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          Am kommenden Freitag will die Hessenliga mit dem Eröffnungsspiel KSV Baunatal gegen den SV Steinbach von 20 Uhr an loslegen. „Hessens höchste Spielklasse feiert ihr Comeback“ – das war die Botschaft des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) vom zurückliegenden Freitag, in der der Hinweis nicht fehlte, dass es mit 20 teilnehmenden Vereinen eine Saison im „XXL“-Format werde.

          Nur: Beim Start in die Runde werden zwei Klubs nicht mit von der Partie sein können – der 1. Hanauer FC 1893 und der Aufsteiger 1. FC Erlensee. Schuld am abgespeckten Spielprogramm ist die Corona-Pandemie, weil der Main-Kinzig-Kreis aufgrund der gestiegenen Infektionszahlen per Allgemeinverfügung den Wettkampfbetrieb aller Sportvereine vom 26. August an für vier Wochen ausgesetzt hat. Betroffen sind die Kommunen Hanau, Bruchköbel, Maintal, Erlensee, Neuberg und Nidderau. Insgesamt bis zu zehn Begegnungen müssen von Hanau und Erlensee daher nach heutigem Stand in der fünfthöchsten Klasse zu einem späteren Zeitpunkt ausgetragen werden. Trotz des ohnehin dichtgedrängten Spielplans könnten diese Spiele unter der Woche nachgeholt werden, sagt Matthias Bausch, der Klassenleiter der Hessenliga.

          Training ohne Körperkontakt

          „Wir leben von der Hand in den Mund“ – so beschreibt Jürgen Radeck die aktuelle Lage. Ein Terminchaos im hessischen Fußball angesichts der vielen Unwägbarkeiten befürchtet der Vorsitzende des Verbandsausschusses für Spielbetrieb und Fußballentwicklung aber nicht. „Im März sind wir ins Dunkel geschickt worden, als wir den Fußball einstellen mussten“, sagte er dieser Zeitung. Mittlerweile sei der Verband durch getroffene Maßnahmen viel besser auf die Herausforderungen eingestellt. Stark gefordert fühlt sich Radeck dennoch: „Es ist extrem schwierig und sehr zeitaufwendig für den, der das Ganze im Ehrenamt macht. Von der Belastung her ist es sehr heftig.“

          Was die Sache für die betroffenen Fußballtrainer zusätzlich erschwert: Trainiert werden darf nur ohne Körperkontakt, der Mindestabstand von 1,50 Metern muss auch auf dem Platz eingehalten werden. Nach mehreren Wochen ohne Pflichtspiel und ohne Zweikampftraining wartet auf Hanau und Erlensee also ein Kaltstart, bei dem beide Mannschaften von fast null auf hundert aufdrehen müssen – und durch den wiederum das Verletzungsrisiko für die Spieler dementsprechend hoch ist. Von gleichen Wettkampfvoraussetzungen kann nicht die Rede sein. Immerhin kündigte Radeck an, dass beiden Vereinen „eine komplette Trainingswoche“ vor deren Start eingeräumt werde.

          Im Fußballkreis Hanau hingegen wird der Saisonstart mit großer Wahrscheinlichkeit auf den 27. September verschoben werden. Einzelne Spiele anzusetzen hätte nämlich kaum etwas gebracht, sind doch zu viele Vereine vom Wettkampfverbot betroffen. „Der Kreis Hanau hängt in den Seilen“, sagte Radeck. An den ersten beiden Spieltagen der Kreisoberliga hätte nur eine Partie stattfinden können, beim dritten Durchgang wären lediglich zwei dazugekommen. „Es hat keinen Sinn, die Kreisoberliga mit einem Spiel von zehn anzufangen“, sagt der Hanauer Kreisfußballwart Dirk Vereeken und spricht von einer Blockade des Spielbetriebs.

          Was tun jetzt?

          Neben dem Fußballkreis Hanau haben die behördlichen Maßnahmen momentan den größten Einfluss auf die Gruppenliga Frankfurt Ost. Dort ist es den Vereinen 1. FC Hanau 93 II, Türk Gücü Hanau, Germania Dörnigheim, SG Bruchköbel und der SVG Steinheim untersagt, bis zum 24. September Fußballspiele zu Hause und auswärts auszutragen.

          Ebenfalls auf dem eigenen Fußballplatz nicht antreten dürfen in dieser Liga der VfB Offenbach, die SG Rosenhöhe und Bayern Alzenau II. Angesetzt für die Runde sind 38 Spieltage. Was tun jetzt? Eine Lösung könnte sein, auch diese Spielklasse erst Ende September beginnen zu lassen. Oder es treten die Vereine gegeneinander an, die nicht von den behördlichen Maßnahmen betroffen sind. Im Gegensatz zum Fußballkreis Hanau könnten pro Spieltag wohl bis zur Hälfte der Begegnungen über die Bühne gebracht werden.

          Als ein Ergebnis der Videokonferenz von Radeck mit den Kreisfußballwarten bündelt der HFV nun kreisübergreifend in einer internen Übersicht das Infektionsgeschehen und die jeweiligen Folgen für den Spielbetrieb in Hessen. Damit der Verband als Schnittstelle die entsprechenden Daten sammeln kann, ist dieser auf die Zulieferung der Informationen aus den Kreisen angewiesen. Die Übersicht ist auch deshalb sinnvoll, weil die politischen Kreise mit den Fußballkreisen nicht zwingend übereinstimmen.

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