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Im Gespräch: Condor-Chef Ralf Teckentrup : „Es ist klar, dass das dritte Terminal kommen muss“

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Sieht die deutsche Fliegerei im Nachteil: Ralf Teckentrup, Vorsitzender der Geschäftsführung der Condor Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Erweiterung des Frankfurter Flughafens hält Ralf Teckentrup für unbedingt notwendig. Dabei bringt sie der Fluggesellschaft Condor, die er leitet, nicht nur Vorteile.

          Was sagen Sie zu der aktuellen Diskussion in Hessen um Terminal 3 am Frankfurter Flughafen?

          Ich kann die Diskussion politisch nachvollziehen. Wenn man sich jedoch die Fakten anschaut, ergibt sich ein eindeutiges Bild. Frankfurt ist der Flughafen in der Gruppe der internationalen Top-Airports, der die wenigsten Gate-Positionen anbietet. Die Gebäudepositionen sind aber ein Qualitätskriterium für die Kunden. Frankfurt braucht also das Terminal. Abgesehen davon, ist die Luftverkehrswirtschaft nach wie vor eine Wachstumsindustrie. Man kann nun streiten, ob Frankfurt um zwei, drei oder vier Prozent pro Jahr wachsen wird. Es ist also klar, dass das dritte Terminal kommen muss. Es kann bei der Fraport nur darum gehen, zu schauen, wann man baut, nicht ob.

          Das sehen die Ausbaukritiker anders. Sie hoffen, über eine Verhinderung des Terminals 3 die Verkehrszahlen deckeln zu können.

          Die Flughafengegner, man muss sie als Gegner beschreiben, sägen an dem Ast, auf dem ganz viele Menschen in unserer Region Frankfurt und darüber hinaus sitzen. Man kann das im Einzelfall mit Blick auf die persönliche Interessenlage nachvollziehen. Wenn man aber das Gemeinwohl im Auge hat, darf man sich dem Ausbauprojekt nicht so entgegenstellen.

          Profitiert auch Condor von mehr Gate-Positionen am Terminal 3?

          Wenn das Terminal 3 eröffnet wird, kommt es natürlich zu einer gewissen Entlastung von Terminal 1 und 2. Das bringt Qualitätsvorteile für alle Kunden der dort ansässigen Fluggesellschaften, auch für Condor. Aber es wird dadurch auch wieder teurer.

          Der Preis für den Ausbau ist das Nachtflugverbot. Die Grünen und auch der Frankfurter Oberbürgermeister wollen das Verbot sogar für 22 bis 6 Uhr. Wäre das für sie hinnehmbar?

          Das Problem ist doch, dass solche Politiker etwas fordern, von dem sie glauben, dass es ihnen kurzfristig in Teilen der Bevölkerung Beifall sichert. Und vor allem auch, etwas fordern und selber die Verantwortung nicht tragen. Sie haben aber viel zu wenig im Blick, wie wichtig der Ausbau für die Arbeitsplätze und den Wohlstand in der Region auf lange Sicht ist. Es ist immer sehr einfach, etwas zu fordern, dessen negative Wirkung erst sehr viel später zutage tritt.

          Was meinen Sie konkret?

          Wenn Sie heute sagen, wir schließen den Flughafen von 22 bis 6 Uhr, dann verschwinden nicht gleich morgen viele Arbeitsplätze. Das passiert schleichend, aber es würde passieren. Man merkt es dann erst in zwei bis drei Jahren. Und welcher Bürger oder Politiker merkt denn beispielsweise derzeit schon persönlich, dass Condor und Lufthansa Cargo erhebliche Nachteile durch die Schließung von 23 bis 5 Uhr haben.

          Der Lärm belastet aber tatsächlich.

          Das ist richtig, und wir arbeiten mit allen Partnern daran, ihn so gering wie möglich zu halten mit innovativen Anflugverfahren und neuem, leiseren Fluggerät. Dennoch diskutieren wir hier in Deutschland die Dinge auf einem absolut abgehobenen Luxusniveau. Weil unsere wirtschaftliche Situation in Deutschland so gut ist, gibt es Einzelne, die meinen, der Luftfahrtindustrie und vielen anderen Industrien auch, immer mehr an Auflagen und Einschränkungen zumuten zu können. Man fragt sich schon, was wir hier denn tatsächlich so heftig diskutieren. Die tatsächliche Zahl an Lärmgeplagten liegt weiter unterhalb dessen, was man durch die ständige Berichterstattung vermutet. Tatsächlich ist es so, dass sich auch im Frankfurter Raum die Menschen viel stärker vom Straßen- und vom Schienenlärm belästigt fühlen als vom Fluglärm. Das hat doch auch die neueste Bürgerumfrage der Stadt Frankfurt gezeigt, wo nur sieben Prozent der Befragten Fluglärm für das wichtigste Thema halten. Da stimmt die Gewichtung nicht.

          Zumindest hatte das Thema bei der Landtagswahl in Hessen geringe Auswirkungen – auch im Frankfurter Süden.

          Eben. Und wenn Sie auf der anderen Seite andere deutsche Industrien und Wirtschaftszweige fragen, welche Infrastruktur für sie besonders wichtig ist, dann wird da natürlich die gute Anbindung per Flugzeug genannt.

          Was hat Condor die vierte Piste eigentlich gebracht?

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