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Die drei ??? : Düsterer war es in Rocky Beach noch nie

Geschichte über das Älterwerden: Seiten aus dem Comic „Rocky Beach“ des Frankfurter Autors Christopher Tauber. Bild: Hanna Wenzel

Christopher Tauber zeichnet die Comics zur Detektivserie „Die drei ???“. Nun hat er einen Band veröffentlicht, in dem die ewig jugendlichen Ermittler als von der Midlife-Crisis geplagte Männer auftreten.

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          Erster Detektiv, Justus Jonas: führt „Nightmare Town“, ein Antiquariat vollgestopft mit alten Krimis, in dem er sich die Nächte um die Ohren schlägt. Zweiter Detektiv, Peter Shaw: arbeitet für eine Versicherung. Seine Aufgabe ist es, zu überprüfen, ob die, die einen Schaden melden, nicht eigentlich Betrüger sind. Den Job und den Wohnort hat er schon mehrmals gewechselt, die Beziehung zur Jugendliebe ist längst in die Brüche gegangen. Recherche und Archiv, Bob Andrews: erfolgreicher Krimiserienschreiber in Los Angeles, geplagt von einer Midlife-Crisis und nachlassender Potenz.

          Alexander Jürgs
          (ajue.), Rhein-Main-Zeitung

          Seine Serie „Crime Watch“, für deren siebte Staffel die Verträge frisch unterzeichnet sind, hängt ihm eigentlich fürchterlich zum Hals raus. Und der Schrottplatz von Onkel Titus? Ist seit Ewigkeiten verkauft. Nicht alter Tinnef wird dort nun gehandelt, sondern Drogen. Selbst die Polizei traut sich nicht mehr auf das verwahrloste Grundstück. Bis auf jene korrupten Polizisten, die am Geschäft mit der Sucht und dem Elend ordentlich mitverdienen. Und die auch in das spurlose Verschwinden eines schwarzen Aktivisten, der sich gegen Polizeigewalt engagiert, verwickelt sind. „Miese Bullen“ haben in der Stadt das Sagen, so flüstern die Leute es sich zu.

          Mit den kindlichen Abenteuergeschichten der „drei ???“, mit der Leichtigkeit des fiktiven Surfer-Paradieses Rocky Beach, in dem sich so viel Rätselhaftes und Mysteriöses, am Ende meist aber doch Harmloses ereignet, hat diese Welt nicht mehr viel gemein. Statt auf drei jugendliche Hobbydetektive stößt man auf desillusionierte Mittvierziger, denen das Leben schon vor einiger Zeit entglitten ist. Die sich vor Jahren schon voneinander entfremdet haben und nun, durch Zufall, plötzlich doch wieder gemeinsam in einem Fall ermitteln.

          Vom Leben frustrierte Männer

          Düster ist die Geschichte, melancholisch, wie das Drehbuch zu einem „Film noir“. Geschrieben hat sie der Frankfurter Zeichner und Autor Christopher Tauber, „Rocky Beach“ heißt sein Comic. Dass noch niemand vor ihm auf die Idee gekommen ist, sich auszumalen, wie es den Juniordetektiven, die sich „Die drei ???“ nennen, als mittelalten Männern ergeht, ist eigentlich erstaunlich.

          Illustrationen aus dem Buch „Frankfurt 1918 – Heraus aus der Finsternis“.
          Illustrationen aus dem Buch „Frankfurt 1918 – Heraus aus der Finsternis“. : Bild: Annelie Wagner

          Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass man sich die drei Jungs, deren erstes Abenteuer 1964 in den Vereinigten Staaten in Buchform erschienen ist, einfach nicht als Erwachsene vorstellen will. Dass man sich wünscht, dass der rätselhafte und zur Schlaumeierei neigende Justus, der sportliche Peter und der noch jede Nuss durch emsige Recherche knackende Bob ihr Leben lang jung bleiben. Doch hat man erst einmal ein paar Seiten in Taubers Comic, den er „eine Interpretation“ genannt hat, gelesen, dann ist man ganz gefesselt von diesen gealterten Hobbydetektiven und will hinter die Geheimnisse kommen, die sie zu vom Leben frustrierten Männern gemacht haben. Vor allem dann, wenn man mit den kalifornischen Jungdetektiven gealtert ist, wenn man die Abenteuer, ob als Bücher oder Hörspiele, zu Schulzeiten selbst verschlungen hat.

          Für „Die drei ???“ zu zartbesaitet: Christopher Tauber fand erst spät zu Detektivgeschichten.
          Für „Die drei ???“ zu zartbesaitet: Christopher Tauber fand erst spät zu Detektivgeschichten. : Bild: Frank Röth

          Bei Christopher Tauber, Jahrgang 1979, war das nicht so. Das erzählt er an einem sonnigen Nachmittag auf einer Bank im Frankfurter Ostpark. „Viel zu zartbesaitet“ sei er für „Die drei ???“-Geschichten gewesen. „Asterix“, „Garfield“ oder der „Pumuckl“ waren ihm näher und vertrauter, vor allem aber waren sie „weniger gruselig“. Erst als Zivildienstleistender entdeckte Tauber die Jungdetektive aus Rocky Beach für sich. In dem Wohnheim für Menschen mit Behinderung, in dem er damals arbeitete, gab es im Aufenthaltsraum eine Kiste voller alter „Die drei ???“-Kassetten. Hatte Tauber Pause, hörte er die Geschichten, eine nach der anderen, und war gefesselt. Er mochte, so sagt er es heute, die Charaktere, weil sie „gute Jungs“ waren, weil die Geschichten, anders als bei „TKKG“ oder den „Fünf Freunden“ etwa, ohne jeden Standesdünkel geschrieben waren. Und er war begeistert von der Musik der Hörspiele, eine Mischung aus Krautrock und Funk, vom nüchternen Stil der Geschichten, von ihrer Nähe zur „Pulp“-Literatur.

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