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Cocoon Club : Die Party ist aus - und geht weiter

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Väth, 1964 geboren, kam im Alter von 21 Jahren mit seiner zweiten Single „Electrica Salsa“ bereits europaweit in die Charts. In Frankfurt legte er zunächst in der Flughafen-Disko „Dorian Gray“ auf, 1988 gründete er in der Innenstadt das „Omen“, einer der ersten Technoclubs in Deutschland. Ganz anders als im Cocoon Club war es dort, düster und dreckig, immer wieder war das Omen wegen Drogen im Gespräch. Das Parkhaus an der Junghofstraße, in dem der Club beheimatet war, wurde 1998 abgerissen, 2004 eröffnete Väth an der Carl-Benz-Straße den Cocoon Club. Väth, damals 40 Jahre alt, erklärte vor der Eröffnung auf einer Pressekonferenz, er wolle einen schicken Club für Menschen in seinem Alter schaffen. Auch unter ihnen gebe es Leute, die feiern wollten und nicht spießig seien. Und die können sich in der Regel auch höhere Preise bei Eintritt und Getränken leisten.

Auch am letzten Abend harrten Technofans vor dem Eingang des Cocoon Club aus - bei minus 4 Grad
Auch am letzten Abend harrten Technofans vor dem Eingang des Cocoon Club aus - bei minus 4 Grad : Bild: Eilmes, Wolfgang

Das Cocoon-Konzept war edel und ist es noch. Ein Wiesbadener Designbüro entwarf die Inneneinrichtung, die wabenförmigen Sitznischen in den Wänden, die hohe, biomorph geformte DJ-Empore, die Ledersessel. Außerdem befanden sich zwei Restaurants im Gebäude. In einem, dem „Silk“, wurde im Liegen auf weißen Polstern gegessen, es gab Gourmetküche vom Koch Mario Lohninger, einem Freund Sven Väths, der bis dato in Amerika gelebt hatte. Freitags und samstags war der Club zum Tanzen geöffnet, unter der Woche das Restaurant, und es fanden Unternehmensfeiern statt, Galadiners und Modenschauen. Das Veranstaltungsgeschäft brach mit der Wirtschaftskrise ein, die Kosten blieben. Die Musik entwickelte sich weiter, junge Technofans kamen nach, passten aber nicht mehr zum Luxusambiente. Die Restaurants litten darunter, keine Terrasse zu haben, im Sommer blieben sie so gut wie leer. Im vergangenen Frühjahr gab Lohninger auf, im September dann meldete der Club Insolvenz an.

Musik hat sich gewandelt - Publikum auch

An der Wirtschaftskrise alleine wird es wohl nicht liegen. Techno boomt wieder, in kleineren Kellerclubs, jüngere DJs sind am Start. Ein Nutzer des Homepage-Forums des Cocoon Club bemängelt, dass das Haus sich nicht umstellte: „Hätten se mal die New Generation of Techno dort spielen lassen wäre alles gut“, schreibt „Michi TechNoize“.

Die Musik hat sich gewandelt, und auch das Publikum: „Die jungen Leute sind nicht mehr bereit, zehn Euro für einen Longdrink und 20 Euro Eintritt im Cocoon zu bezahlen, wenn derselbe DJ für einen Bruchteil in einem anderen Club zu sehen ist.“ Das sagt in der letzten Nacht in Fechenheim an der Bar ein 25 Jahre alter Hobby-DJ und Minimal-Fan. Der in der Szene hochgelobte Ricardo Villalobos zum Beispiel sei dieser Tage im „Club der Visionäre“ in Berlin gewesen, fünf Euro Eintritt, ein Bruchteil dessen, was in im Cocoon immer zu zahlen war. Der Luxusclub verabschiedet sich, „für immer und ohne geplantes Comeback“, so steht es auf seiner Internetseite. Der Techno aber verabschiedet sich nicht. Die Musik ersteht auf, wie sie begonnen hatte: in den kleinen Kellern der Städte, in Frankfurt zum Beispiel im Tanzhaus West. Und Sven Väth? Vielleicht will er dabei sein. „Es wird weitergehen in Frankfurt, für mich, mit euch!“ Das schreibt er auf der Cocoon-Homepage. Gestern war sie noch im Netz.

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