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Frankfurter Nachtleben : Kleine Clubs, große Nöte

Der letzte Tanz: Wie sieht die Zukunft der Frankfurter Clubszene aus? Bild: Henner Rosenkranz

Spielt hier überhaupt noch die Musik? Die Frankfurter Clubszene ist im Wandel begriffen. Ein Fördermodell nach Hamburger Vorbild könnte die notwendige Hilfe bringen.

          Vogue, Monza, Omen, Uno, Mackie Messer, Negativ, O25, Cocoon, Stereobar, Spritzehaus, Final Destination – wer kennt noch all diese Namen, wer kann sich an diese Lokalitäten erinnern? Vermutlich nur Historiker oder Veteranen des Frankfurter Nachtlebens mit intaktem Gedächtnis, wobei die Erinnerung an Spritzehaus und Final Destination noch sehr frisch sein dürfte. Diese beiden sehr unterschiedlichen Musiklokale sind nämlich die jüngsten Vertreter auf der langen Liste mittlerweile geschlossener Clubs in Frankfurt.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Musste das Spritzehaus in Sachsenhausen Ende vergangenen Jahres schließen, weil der Pachtvertrag des Lokals, das jahrzehntelang vor allem Cover-Bands eine Bühne geboten hatte, nicht verlängert wurde, führte Harald Jakob, Betreiber des Final Destination, vor allem persönliche Gründe an, als er im Januar auf seiner Facebook-Seite die Schließung seines Clubs im Holzgraben verkündete, der viele Jahre lang Anlaufstelle für die Metal- und Gothic-Szene in der Rhein-Main-Region war. In beiden Fällen war das Bedauern unter den Stammgästen wie auch unter ehemaligen Gästen groß, wie immer eigentlich, wenn ein mit Erinnerungen behafteter Ort plötzlich nicht mehr zugänglich ist. Und wie häufiger schon erklingt wieder einmal die Ballade von der sterbenden Clubszene am Main, die auch deshalb aufgelegt wird, weil im vergangenen Jahr bei einigen Frankfurter Clubs und Musiklokalen wie Das Bett in der Schmidtstraße oder dem Orange Peel in der Kaiserstraße die Inhaber gewechselt haben. Ob und, wenn ja, welche Auswirkungen dies im Hinblick auf Veranstaltungsangebote, die programmatische Ausrichtung oder gar die Zukunft der Clubs hat, wird sich aber erst noch zeigen. Dies gilt auch für den am Main gelegenen Yachtklub, dessen Gründer Hans Romanov und die übrigen Betreiber im vergangenen Herbst im Unfrieden auseinandergegangen sind.

          Besserer Schallschutz

          Ob der Yachtklub auch noch in diesem Sommer so heißen wird, ist ungewiss, pocht doch Romanov auf sein Recht an diesem Namen. Gewiss sind jedoch auch im nächsten Sommer wieder die Beschwerden von Anwohnern, die meinen, von über den Fluss dringenden Schallwellen belästigt zu werden und damit stellvertretend ein grundsätzliches Problem für Musiklokale in dichtbebauten Innenstädten wie in Frankfurt aufzeigen. Bedrohlich für ihre Existenz sind nicht nur auslaufende Pachtverträge oder das ständig wechselnde Freizeitverhalten potentieller Gäste, sondern auch das geänderte Lärmempfinden der Gesellschaft.

          Zur Befriedung könnte unter anderem ein besserer Schallschutz beitragen, der allerdings Investitionen erfordert, die gerade von kleinen Clubs kaum zu leisten sind. Auf eine institutionalisierte öffentliche Förderung können sie dabei nicht hoffen. Die Stadt Frankfurt zeigt sich zwar aufgeschlossen und entgegenkommend, wenn die Geschichte ihrer (Techno-)Clubs musealisiert werden soll, doch ihr Interesse an der aktuellen Szene der Musikclubs ist gering. Daran wird sich auch im Haushalt 2019 nichts ändern, lehnt die Römer-Koalition doch einen von der Fraktion Die Linke eingebrachten Etatantrag ab, der Mittel für ein Förder- und Sanierungsprogramm für die lokale Clubszene vorsieht, die etwa auch für den Lärmschutz eingesetzt werden könnten.

          „Clubs am Main“

          In ihrem Antrag bezieht sich Die Linke, die eine Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Clubs am Main“ propagiert, auf ein Fördermodell, wie es mit dem Live Concert Account in Hamburg schon ein bewährtes Modell in einer Großstadt gibt. Das Hamburger Programm, für das derzeit pro Jahr 250 000 Euro zur Verfügung stehen, soll vor allem die Livemusik in der Hansestadt stärken und bemisst die Höhe der jeweiligen Förderung auf Grundlage der Vergütungen, die der einzelne Club im Vorjahr an die Gema zu entrichten hatte. Je mehr Veranstaltungen die Musikbühnen also nachweisen können, desto höher fällt ihre Förderung aus.

          Der Verband der Musikspielstätten in Deutschland, genannt LiveKomm, hat dieses Hamburger Modell im vergangenen Jahr beim Agenda-Musikwirtschaftsgipfel in Berlin als beispielhaft gerade für kleine Clubs genannt und eine flächendeckende Einführung in Deutschland gefordert, um das Überleben der sogenannten Grassrootclubs zu sichern, in denen sich neue musikalischen Trends und Künstler entwickeln können. Etwa 1500 dieser Grasrootclubs soll es im Land geben, die laut der 2015 veröffentlichten Musikwirtschaftsstudie etwa 223 Millionen Euro im Jahr umsetzen. Das klingt im Vergleich zum geschätzten Jahresumsatz der gesamten Musikwirtschaftsbranche in Höhe von elf Milliarden Euro bescheiden, sagt aber nichts über die Bedeutung als Nährboden für eine vitale Musikszene aus. Deren Heger und Pfleger sind nicht in den großen Hallen, sondern vor allem in den kleinen Läden zu finden. So lange jedenfalls, wie jemand sie finden mag. Sonst wächst die Liste der bald schon verblassenden Namen einfach weiter.

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