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Clubs in Zeiten von Corona : Ausgetanzt bis nächstes Jahr?

Derzeit kein Einlass: Die Batschkapp in Frankfurt im vergangenen Jahr, als noch Gäste kommen durften. Bild: Lucas Bäuml

Kein Umsatz möglich: Clubs wie die Batschkapp und das Gibson in Frankfurt dürfen nicht öffnen. Die Betreiber kritisieren die Landesregierung.

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          Ralf Scheffler hat in Frankfurt schon viel erlebt, am Tag und wenn die Sonne längst untergegangen ist. Seit mehr als 40 Jahren betreibt er die Batschkapp, ein legendäres Musik- und Konzertlokal, und seit 1993 das Nachtleben an der Konstabler Wache. Seit einem halben Jahr sind seine Betriebe pandemiebedingt geschlossen, lediglich ein paar Konzertabende unter freiem Himmel und mit maximal 250 Besuchern waren in den vergangenen Wochen möglich, als die Stadt Frankfurt die sogenannten Kultursommergärten genehmigt und gefördert hatte. Jeden Monat seit dem Lockdown im März habe er mindestens 20.000 Euro Schulden aufgehäuft, sagt Scheffler, eine gute halbe Million Euro fehle zudem an Einnahmen. Gleichzeitig sei den ganzen Sommer über in Parks und auf Plätzen gefeiert worden. Ob dabei die vorgeschriebenen Abstände eingehalten wurden, sei oft nicht kontrolliert worden, genau so wenig wie in den Bars, und es gebe etliche, in denen das Publikum sich dicht an dicht aufhalte.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“, sagt Scheffler. Er glaubt, dass die Ordnungsbehörden in Frankfurt Verhalten, das nicht den Corona-Auflagen entspricht, mehr oder minder unausgesprochen tolerieren: Wenn sich vor allem junge Leute vor einem Lokal oder drinnen gedrängt aufhielten, wenn, als es noch warm war, in den Parks Party gewesen sei. Will ausgerechnet ein Szene-Veteran, ein Unternehmer, der sein Geld mit Musik und Musikkonsum gemacht hat und auch dem Willen zum Exzess, für radikale Kontrolle des öffentlichen Lebens plädieren? „Das Bedürfnis der Jugend, sich zu treffen, lässt sich nicht unterdrücken“, sagt Scheffler. „Aber wenn man das laufen lässt, dann muss man auch bei uns offen lassen.“

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