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Citypassage in Wiesbaden : Wieder einmal alles unklar

  • -Aktualisiert am

Langwierig: Seit 2016 steht die Citypassage in Wiesbaden mittlerweile leer. Bild: Cornelia Sick

Die Vermarktung des leer stehenden Ensembles in Wiesbaden ist abermals gescheitert. Es wird Kritik laut: Der Preis sei zu hoch, die Rechtslage unklar.

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          Die Hängepartie um die seit vielen Jahren leer stehende Citypassage in der Wiesbadener Innenstadt geht in die nächste Runde. Nachdem auch die Verhandlungen mit dem Projektentwickler Hines erfolglos blieben, hat die Stadttochter WVV Holding ein neues europaweites Vergabeverfahren für die ehemalige Einkaufspassage gestartet. Experten befürchten jedoch, dass die Vermarktung abermals scheitern wird, allein weil der von der Stadt festgesetzte Kaufpreis zu hoch sei und es rechtliche Probleme mit einem Nachbarn geben könnte.

          Wiesbadens Oberbürgermeister und WVV-Aufsichtsratsvorsitzender Gert-Uwe Mende (SPD) hatte das neue Vergabeverfahren als notwendig bezeichnet, weil das vorherige Verfahren mit den Bietern aus „wirtschaftlichen und vergaberechtlichen Gründen“ zu keinem Abschluss gebracht werden konnte. In der Tat war der Verkauf der Passage an den Projektentwickler Development Partner trotz einer Änderung des Konzepts gescheitert. 27,5 Millionen Euro hätte der Investor für die Passage zahlen sollen, die die Schwalbacher Straße mit der Fußgängerzone verbindet. 150 Millionen Euro sollten in das rund 7000 Quadratmeter große Areal investiert werden und unter dem Namen „Fünf Gassen“ eine Mischung aus Geschäften, Restaurants, Hotel und einem Fitnessstudio entstehen. Schon Anfang des Jahres wurde allerdings deutlich, dass die Corona-Pandemie die ehrgeizigen Pläne durchkreuzen könnte, denn die Düsseldorfer änderten das Konzept und statt eines Hotels war von Büros die Rede.

          „Wir wollen keine Zeit verlieren“

          Die Verhandlungen mit Development Partner hatten sich jedoch zerschlagen, die Stadt nahm Verhandlungen mit dem zuvor unterlegenen Bieter Hines auf, die ebenfalls ohne Ergebnis endeten. Damit setzt sich eine unglückliche Serie fort, denn die Stadt hatte schon 2015 bei der Zusammenarbeit mit einem irischen Investor Schiffbruch erlitten und wartete vergeblich auf den Umbau, dessen Preis auf rund 50 Millionen Euro geschätzt worden war. Im Gegenteil: Jetzt wird es erst einmal teurer, weil die marode Bausubstanz des verfallenden Ensembles mit rund zwei Millionen Euro gesichert werden muss (F.A.Z. vom 12. März).

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          „Die zeitnahe Umsetzung eines Nachfolgeprojektes für die Citypassage ist eines der zentralen Kernelemente zur Erhöhung und Belebung der Wiesbadener Fußgängerzone“, kommentierte Mende das neue Vergabeverfahren. Ein neuer Investor müsse folgende Eckpunkte beachten: Es soll kein geschlossenes Einkaufscenter geben, die Wege von der Schwalbacher Straße zur Kirchgasse sollen offen bleiben. Damit will die Stadt erreichen, dass das Quartier belebt wird. Im Erdgeschoss soll es Einzelhandel und Gastronomie geben, und der Investor verpflichtet sich, entsprechend des Konzepts auch tatsächlich zu bauen. „Wir wollen keine Zeit verlieren“, sagte Mende, und die WVV-Geschäftsführung zeigte sich in einer Mitteilung überzeugt, dass schon von September an konkret mit Interessenten verhandelt werden könnte.

          Massive Kritik am Vorgehen der Stadt

          Massive Kritik am Vorgehen der Stadt in Sachen Citypassage kommt aus der Wiesbadener Immobilienwirtschaft. Der avisierte Kaufpreis von 27,5 Millionen Euro sei zu hoch, da die Stadt dem Investor sehr viele Bedingungen auferlege. Teilweise seien die Gebäude denkmalgeschützt und die Bausubstanz mittlerweile stark angegriffen. Die Stadt habe die Passage ebenso wie das Walhalla in der Mauritiusstraße verfallen lassen, heißt es. Das größte Manko, so ist zu hören, seien jedoch ungeklärte rechtliche Verhältnisse. So habe ein Nachbar-Eigentümer eingetragene Rechte, sogenannte Grunddienstbarkeiten und Wegerechte, auf einem Teil des Areals. „Der kann das Ding jederzeit zum Kippen bringen, zumal mit ihm bisher nicht einmal gesprochen worden ist“, mahnt ein Experte, der namentlich nicht genannt werden möchte.

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          Die Lage der Citypassage sei „top“. Dass das Areal nach so langer Zeit immer noch nicht entwickelt wurde, sei unter anderem auf Fehler der Stadt bei Verhandlungen mit Investoren zurückzuführen. Ob die Stadt dieses Mal erfolgreich sein werde, müsse auch deshalb bezweifelt werden, weil bei dem avisierten Kaufpreis und den zu erwartenden Abriss- und Neubaukosten der Quadratmeter für durchschnittlich rund 20 bis 25 Euro vermietet werden müsse, um eine Mindestrendite von vier Prozent zu erzielen. „Das ist am Markt derzeit kaum darstellbar“, lautet die Befürchtung des Experten.

          Kein Konzept für die oberen Stockwerke

          Dafür spricht, dass vermutlich große Teile der Bruttogeschossfläche von rund 20.000 Quadratmetern vor allem in den oberen Stockwerken für Wohnungen und Büros verwendet werden könnten. Laut WVV-Geschäftsführer Rainer Emmel gibt es derzeit noch kein neues Konzept für die oberen Stockwerke, aber es deute vieles auf Wohnungen und Büros hin. Frühere Pläne für ein Fitnessstudio, Kino oder ein Hotel seien mittlerweile aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr realisierbar, sagte Emmel am Dienstag und ergänzte, dass dies aber von der Entscheidung künftiger Investoren abhänge. Eine Wohnungsmiete von rund 20 Euro pro Quadratmeter ließe sich nach Einschätzung von Experten allerdings auch in einer begehrten Innenstadtlage nur schwer durchsetzen.

          Der WVV-Geschäftsführer bestätigte, dass der Mindestverkaufspreis der Stadt für das Gebäudeensemble weiterhin 27,5 Millionen Euro betrage und dass ein Nachbar in der Tat Wegerechte auf dem Areal habe. Diese seien für das Projekt jedoch nur von untergeordneter Bedeutung und Investoren bisher immer frühzeitig mitgeteilt worden. Erledigt werde die neue Vergabe von der Stadttochter SEG, die einen Vergabeanwalt als Berater eingeschaltet habe. Laut Emmel hätten sich schon mehrere Interessenten bei der Stadt gemeldet.

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