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City2City : Erster großer Fernbusanbieter gibt auf

Aufgabe: Das Frankfurter Fernbusunternehmen City2City stellt seinen Betrieb zu Mitte Oktober ein - hier ein Foto vom März 2013 vor dem Start Bild: dpa

Das Frankfurter Fernbusunternehmen City2City stellt seinen Betrieb zu Mitte Oktober ein. Es ist der erste große Branchenvertreter, der aufgibt.

          Im hart umkämpften deutschen Fernbusmarkt gibt der erste große Anbieter auf. Das Frankfurter Unternehmen City2City bestätigte einen Bericht der „Berliner Zeitung“, dass es seinen Betrieb zum 13. Oktober einstellt. „Wir sind unter den derzeitigen Marktbedingungen in Deutschland nicht in der Lage, ausreichend zu wachsen und ein zukunftsfähiges Geschäft aufzubauen“, teilte das Unternehmen dieser Zeitung mit. Fahrgäste, die bereits ein Ticket für eine spätere Fahrt erworben haben, würden vom Unternehmen kontaktiert und erhielten den gesamten Fahrpreis erstattet.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Hinter City2City steht der britische Branchenriese National Express. Das Unternehmen war nach Daten des Branchenverbandes BDO bislang die Nummer 5 im deutschen Markt. Doch im umkämpften deutschen Markt mit den führenden Konkurrenten Flixbus und MeinFernbus sieht der britische Mutterkonzern keine Zukunft für seinen Ableger. „Uns hat das Marktpotenzial in Deutschland gereizt“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der F.A.Z.

          Der Grund für das Scheitern sei aber „die vorherrschende Preisstruktur“ im Fernbusmarkt. Für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahrs weist die Bilanz von National Express einen Verlust von 1,4 Millionen Pfund (rund 1,75 Millionen Euro) für seine deutsche Tochter aus. Im vergangenen Jahr machte City2City umgerechnet 3 Millionen Euro Verlust.

          City2City schreibt schon länger Verluste

          Nach der Freigabe des Linienbus-Fernverkehrs in Deutschland 2013 hatte es eine Vielzahl von Neugründungen gegeben, die sich einen harten Preiskampf liefern. Marktführer ist derzeit Meinfernbus. Die britische National Express als Europas größter Fernbusbetreiber hatte sich zum Ziel gesetzt, Marktführer in Deutschland zu werden. Man trete mit einer langfristigen Vision an und wolle ein komplettes Netzwerk aufbauen, hatte das Unternehmen im Frühjahr 2013 versprochen.

          Im vorigen Jahr waren 8,3 Millionen Menschen mit dem Fernbus unterwegs, dieses Jahr werden es deutlich mehr sein. Vor allem Rentner und Studenten nutzen die Fernbusse, für sie spielt Zeit eine geringere Rolle als Geld. Mit Tickets für 8 Euro auf kurzen und 20 Euro auf längeren Strecken locken die Anbieter mit Kampfpreisen – der Branchenverband BDO kritisiert die niedrigen Preise und kündigt an, dass Kunden in Zukunft mit höheren Preisen rechnen müssten. City2City wurden die eigenen Kampfpreise zum Verhängnis: „Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird.“

          Die Bundesregierung hatte Anfang vergangenen Jahres den Fernbusmarkt freigegeben, der über Jahrzehnte zum Schutz der Bahn stark eingeschränkt war. Die Deutsche Bahn, die selber Busse betreibt, hatte die Konkurrenz zunächst unterschätzt, leidet aber inzwischen spürbar unter den neuen Angeboten. Fernbusse gelten als vergleichbar umweltfreundlich wie die Bahn, die Tickets sind aber deutlich billiger.

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