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Cirque Bouffon in Wiesbaden : Reise in das Land von Traum und Poesie

  • -Aktualisiert am

Körperbeherrschung: Emma Laule scheint die Schwerkraft zu überwinden. Bild: Michael Kretzer

Der Cirque Bouffon feiert in Wiesbaden mit der neuen Show „Lunatique“ eine gelungene Premiere. Akrobatische Höchstleistungen und skurrile Situationskomik sorgen für einen unterhaltsamen Abend.

          Es ist ein kaum beschreibbares Fest poetischer Schönheit und artistischer Höchstleistungen, das der Cirque Bouffon seinen Gästen bietet. Eine traumhafte Reise in ein Land voller Magie und Mystik, spektakulärer Akrobatik und wunderschöner Bilder. „Lunatique“ heißt die neueste Kreation der französischen Zirkuskompagnie, deren Wiesbadener Premiere das Publikum fasziniert und zu tosenden Beifallsstürmen animiert.

          „Lunatique“ ist die Geschichte eines Schlafwandlers (Sasha Koblikov), dessen traumwandlerische Reise durch die Nacht den roten Faden bildet. Die verschiedenen Stationen dieser Reise bilden zugleich die akrobatischen Höhepunkte des Abends – und von diesen gibt es einige. Das internationale Ensemble des Cirque Bouffon demonstriert eindrucksvoll, dass es zur Spitzenklasse gehört. Koblikov zählt zur Elite internationaler Artisten. Der Jongleur ist Gewinner der Goldmedaille beim Festival Cirque de Demain Paris und gewann 2013 den silbernen Clown beim internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo.

          Körperbeherrschung, die eigentlich unmöglich erscheint

          Der Norweger Chris Pettersen ist ebenfalls einer der Großen in der Zirkuswelt. Er schlägt Salti auf der Slackline, macht einen Handstand auf dem Schlappseil, während dieses wild hin und her schwingt, und demonstriert dabei eine Körperbeherrschung, die eigentlich unmöglich erscheint. Gemeinsam mit seiner Schweizer Partnerin Mara Aline Zoe zeigt er waghalsige Kunststücke auf einer rotierenden Leiter. Die beiden Artisten wirbeln durch die Manege, wobei es im Zelt auf dem Kulturpark des Schlachthofs für einen kurzen Augenblick sehr still wird – bevor das Publikum begeistert applaudiert.

          Ein runder Vorhang aus Seilen dient Emma Laule (Deutschland) und Charlotte de la Bretèque (Frankreich) als Gerät, um meisterliche Körperbeherrschung zu demonstrieren: Die Gesetze der Schwerkraft scheinen ausgehebelt. In luftiger Höhe verschmelzen die beiden Artistinnen miteinander und halten sich mit purer Muskelkraft.

          Liebevoll choreographierte Elemente im Stil des Nouveau Cirque

          Es sind jedoch nicht nur die artistischen Höchstleistungen, die die Show so einzigartig machen. Es ist die Summe liebevoll choreographierter Elemente im Stil des Nouveau Cirque, die „Lunatique“ Zauber verleiht. Die Musik wurde von Sergej Sweschinski (Ukraine) eigens für die Show komponiert. Er selbst spielt den Kontrabass und wird von Ewa Timingeriu (Polen) an der Klarinette, Adam Tomaszewski (Polen) am Schlagzeug und Sergey Lukashov (Ukraine) am Akkordeon unterstützt. Die Livemusik ist ein wesentlicher Bestandteil der Aufführung und wird immer wieder in den Handlungsstrang eingebunden.

          Ebenso wie der Clown und Pantomime Gregor Wollny (Deutschland), dessen skurrile, freche und absurd witzige Einlagen der Show die Schwere nehmen. Seine Situationskomik sorgt während der Premiere immer wieder für regelrechte Lachsalven im Publikum. Urkomisch persifliert er mit elektrisch watschelnden Plüschenten die klassische Domptage traditioneller Zirkusse, lässt eine Plastikgiraffe von einem Tablett auf ein anderes springen und sägt schlussendlich als versagender Magier eine Barbie-Puppe in einer Kiste durch – einfach zum Brüllen.

          Entführung in eine surreale Parallelwelt

          Diese Kombination absurder Komik und akrobatischer Ästhetik erzeugt eine dichte Atmosphäre. Das Zelt ist eng bestuhlt. Die Zuschauer in den vorderen Reihen sehen die Artisten schwitzen, bemerken ihre Erleichterung, wenn eine besonders schwere Nummer geglückt ist, und fühlen die Konzentration, die für solch eine Perfektion unerlässlich ist. All dies erzeugt eine Nähe, die den Gast in eine Art Bann zieht. Frédéric Zipperlin (Frankreich), Gründer des Cirque Bouffon, ist eine Show gelungen, die Erwachsene und Kinder für zwei Stunden in eine surreale Parallelwelt entführt.

          Die Aufführung soll die „Zeit entschleunigen und das Herz berühren“, sagt Sängerin und Zirkusdirektorin Anja Krips (Deutschland) am Ende der Premiere. Das ist gelungen. So lautet das Fazit der Premiere: Wer auch nur ein bisschen Freude an unkonventionellem und tierfreiem Zirkus hat, wer gerne lacht, träumt und staunt, dem sei „Lunatique“ ans Herz gelegt.

          Der Cirque Bouffon gastiert noch bis zum 10. Juni in Wiesbaden. Karten gibt es im Vorverkauf bei Wiesbaden Marketing und an der Abendkasse am Zirkuszelt. Weitere Informationen zur Show unter http://www.cirque-bouffon.com.

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