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Christopher Street Day in Frankfurt : Parade, Party und Politik

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Als Schmetterling verkleidet für Toleranz werben: Ein Teilnehmer des dem Christopher Street Day in Frankfurt. Bild: dpa

Selbstbewusst haben sich tausende Schwule und Lesben in Frankfurt in die bunte Parade zum Christopher Street Day eingereiht. Stundenlang herrschte Feierlaune, doch den Veranstaltern ging es auch um Politik.

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          Muskulöse Kerle in knappen Höschen und die Federboa als politische Botschaft: Rund 2000 Schwule und Lesben haben am Samstag in Frankfurt mit einer Parade zum Christopher Street Day (CSD) auf sich aufmerksam gemacht. Discomusik und schrille Typen sorgten für Partylaune bei den Zuschauern am Straßenrand - und für die gewünschte Aufmerksamkeit in der belebten City. „Aber wir wollen auch das politische Statement“, sagte Joachim Letschert vom Verein „Zukunft Spenden“, der den 20. Frankfurter CSD organisiert hat.

          In die dreistündige Parade quer durch die Innenstadt reihte sich eine Gruppe des US-Generalkonsulats ebenso ein wie eine Vereinigung homosexueller Soldaten. Auch Mütter mit Kinderwagen liefen mit. Auf die Mitglieder der Linkspartei mit Anti-Fiskalpakt-Plakat folgte die Gruppe homosexueller Mitarbeiter der Deutschen Bank samt Firmenlogo.

          „Beim Steuerrecht werden wir immer noch wie Fremde behandelt“

          Zentrale politische Forderung war die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe. An einem der vielen Infostände von Parteien und Organisationen kritisierte der Vorstand des Lesben- und Schwulenverbandes in Hessen, Marwin Merkel-Zurek: „Beim Steuerrecht werden wir immer noch wie Fremde behandelt und wie ledig.“ Einige Zuschauer zeigten dem Paradewagen der „Lesben und Schwulen in der Union“ in die Höhe gestreckte Schuhe als Zeichen der Kritik - schließlich sperren sich CDU und CSU gegen diese Gleichstellung.

          Anderswo gehören Homosexuelle längst dazu: Der CSD in der Mainmetropole ist fester Bestandteil des Frankfurter Festkalenders. Mit mehreren zehntausend Besuchern rechnete Joachim Letschert bis zum Abschluss am Sonntagabend. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) eröffnete das Spektakel zwischen Party und Politik auf der CSD-Bühne im Herzen der Innenstadt. Die Ausnahme blieb ein Passant, der „Wo sind wir denn da reingeraten“ rief, als die Parade die katholische Liebfrauenkirche passierte. Ansonsten standen Schaulustige dicht gedrängt am Umzugsweg. Es wurde gelacht und munter fotografiert.

          Einen Anstoß geben und einfach mal man selbst sein

          Doch der fröhliche Schein kann auch hier trügen: „30 Kilometer weiter ist es schon wesentlich schwerer, sich zu outen und seinen Partner zu heiraten“, sagte Letschert. Auch am Arbeitsplatz redeten viele Homosexuelle noch immer nicht über ihre Sexualität. Das Parade-Motto „Eckstein, Eckstein, musst Du noch versteckt sein?“ zielte darum auf jene Bereiche, in denen Homosexualität häufig noch ein Tabu ist: auf dem Land, im Sport und in manchen Unternehmen.

          Für Diskussionen hatte gesorgt, dass das Motto auch die Frage beinhaltet, ob man sich inzwischen nicht zur Homosexualität bekennen solle. „Wir wollen einen Anstoß geben“, erklärte Letschert, „aber das muss jeder für sich entscheiden.“ Denn trotz Feierlaune wissen die Organisatoren, dass der CSD - der an Schwulenproteste in der New Yorker Christopher Street 1969 erinnert - für viele Homosexuelle immer noch eine Oase der Toleranz ist: „Gerade Leute, die aus den ländlichen Gebieten kommen, sagen, hier kann ich mal ich selbst sein.“

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