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Christoph Kulenkampff : „Ich galt als der Bürgersohn“

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Über ihm wohnt ein anderer Überflieger: Kulenkampff in seiner Frankfurter Wohnung. Bild: Wolfgang Eilmes

Gelobt, gefördert, in Ungnade gefallen: Christoph Kulenkampff, einst der jüngste Generalstaatsanwalt der Republik, hat viele Jobs gehabt und tut noch immer viel. Er ist schlagfertig und scharfzüngig wie eh und je.

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          Das Frankfurter Nordend ist bekannt dafür, dass es viele Häuser aus der Gründerzeit hat, nicht mehr billig ist und es nahe an der Innenstadt liegt. Aber dass dort Palmen wachsen? Lassen wir den Klimawandel außer Acht. Bei Kulenkampffs stehen im Hinterhof Palmen, keine hohen, sondern niedrige, das Palmen-Schraubstock-Modell. Wenn Christoph Kulenkampff eine rauchen geht, kann er sie sehen. Er raucht nur in einem Raum weit hinter der Küche, der zum Hinterhofgarten rausgeht und große Fenster hat. Und dieser Hinterhofgarten ist schön.

          Überhaupt ist das Haus denkwürdig. Siegfried Kracauer, der große Philosoph und Schriftsteller, wohnte hier von 1919 bis 1930, bevor er im Februar 1933 ins Exil ging. Eine Bronzetafel mit seinem Porträt erinnert an den berühmten Bewohner. In seiner Wohnung lebt jetzt Rupert von Plottnitz, ehedem der erste Grüne mit einem klassischen Ministerressort, dem der Justiz in Hessen. Darunter die Kulenkampffs, und wenn Christoph Kulenkampff in dem Raum, der nach hinten rausgeht und große Fenster hat, eine raucht, denkt er vielleicht über die Schnittstellen des Lebens nach. Über seins schreibt er gerade einen Bericht, der nur für ihn bestimmt ist, und ist erstaunt, wie viel er nicht vergessen hat.

          Scharfzüngig wie eh und je

          Oder er liest. Christoph Kulenkampff, schlank, schlagfertig und scharfzüngig wie eh und je, liest so viel wie in seinem ganzen Leben noch nie. Sagt er jedenfalls. Vor allem Historisches, im Moment ist das 19. Jahrhundert dran, weil er an der Universität des dritten Lebensalters die Revolution von 1848/49 durchnimmt, mit Schwerpunkt Frankfurt. Er ist ganz brav eingeschrieben, hat im vergangenen Semester schon eine Vorlesung über die Frankfurter Geschichte gehört, fand sie sehr gut, nennt seine Alma Mater kurz und bündig: „die Alte-Knacker-Uni“. Juristen lernen ja bekanntlich, alles auf den Punkt zu bringen.

          Alter Knacker! Christoph Kulenkampff war einmal der jüngste Generalstaatsanwalt, den diese Republik je hatte und Hessen sowieso. Das war 1986, er zählte gerade einmal 39 Jahre, der Marsch durch die Institutionen lag schon hinter ihm. Wobei er im Prinzip nichts anderes machte als in Wiesbaden zwischen dem Justiz- und Innenministerium hin- und herzupendeln, aber jedes Mal war damit eine Stufe nach oben genommen. Oberstaatsanwalt hier, Leiter des Ministerbüros dort. Ersparen wir uns die Einzelheiten. Aber nicht, dass er ganz am Anfang in Frankfurt kommissarisch das Frauengefängnis leitete, er, der wegen Unbotmäßigkeit zwei Frankfurter Gymnasien und ein bayerisches Internat verlassen musste. So stand es in der Zeitung. Das ist hübsch.

          Enges Verhältnis zu Karl-Heinz Koch

          Als er im Oktober 1986 zum hessischen Generalstaatsanwalt ernannt wurde, regierte die SPD in Hessen. Ein halbes Jahr später kam die CDU ans Ruder, die hätte den SPD-Mann Kulenkampff rausschmeißen können. Tat sie aber nicht. Stattdessen waltete er seines Amtes unter Karl-Heinz Koch, dem Vater von Roland Koch, der Sohn war zu dem Zeitpunkt noch längst nicht hessischer Ministerpräsident, sondern nur CDU-Fraktionsvorsitzender. Vater Koch „war ein perfekter Justizminister“, sagt Kulenkampff, „er hatte keinen Ehrgeiz mehr“.

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