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PVA Tepla : Auftragsbücher voll: Profiteur des Chip-Mangels mit Kurssprung

Mittelständler: Das Firmenschild von PVA Tepla am Stammsitz zeigt die Vielfalt des Unternehmens Bild: thwi.

Im Herbst nach einem starken Kursauftrieb erst in den SDax aufgestiegen, hat die Aktie von PVA Tepla seitdem erheblich verloren. Nun aber sorgt der Auftragseingang für gute Stimmung.

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          Manfred Bender hat mit PVA Tepla wilde 15 Monate hinter sich. Zunächst erlebte der Vorstandsvorsitzende eine steile Bergfahrt des Aktienkurses. Zunächst stieg dieser von 20 Euro zu Beginn des vergangenen Jahres bis auf fast 50 Euro. Der bisherige Rekord datiert von November. Der Lohn des Höhenflugs war, dass der Anlagenbauer und Halbleiter-Zulieferer aus Wettenberg in Mittelhessen seit September dem SDax angehört. Der Kursauftrieb führt allerdings zu einem enorm hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 80.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieses Niveau war vielen Investoren nach einer ersten Begeisterung doch offenbar zu viel – trotz einer stimmigen „Investment-Story“: PVA Tepla liefert Produkte, die Hersteller von Computerchips benötigen. An solchen Teilen mangelt es seit Monaten etwa in der Autobranche, das spielt den Mittelhessen in die Karten. Gleichwohl kannte die Notierung nun seit Jahresbeginn fast nur eine Richtung: abwärts. Doch an diesem Donnerstag ist der Kurs kräftig nach oben gesprungen - um bis zu 18 Prozent in der Spitze. Der Grund: Das Unternehmen meldet einen Rekordauftragsbestand und bekräftigt seine von Analysten als zurückhaltend bewertete Prognose.

          Kristalle für Halbleiter

          Das Unternehmen baut Anlagen, mit denen sogenannte Einkristalle entstehen. Gezogen werden solch kerzenartige Gebilde in einem Vakuum. Kunden ziehen Einkristalle auf 4,50 Meter Länge, schneiden davon dünne Scheiben ab. Das Ergebnis ist ein Wafer, aus dem Halbleiter wie etwa Chips werden.

          Wie das Unternehmen berichtet, hat es im vergangenen Jahr einen Auftragseingang von 312,5 Millionen Euro verzeichnet. Das war demnach so viel wie niemals zuvor. Der Auftragsbestand habe sich zum Jahresende auf gut 283 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich: PVA Tepla setzte 2021 knapp 156 Millionen Euro um, wobei ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 23 Millionen Euro hängen blieb. „Der Auftragsbestand hat eine Reichweite bis in das Jahr 2025“, so die Firma.

          „Wir rechnen in der Halbleiterindustrie auch weiterhin mit einem deutlichen Wachstum“, wird Bender zitiert. Eine „Herausforderung“ könnten Lieferengpässe sein. PVA komme das Geschäftsmodell zu Gute, über langfristige Aufträge zu verfügen. So könne das Unternehmen seine Aufträge frühzeitig plazieren. Wie Bender weiter ausführt, soll der Umsatz 2024 bei 250 Millionen Euro liegen. Für dieses Jahr rechnet er mit 170 bis 180 Millionen Euro bei steigendem Gewinn.

          Mehrheitlich Kaufempfehlungen

          Mit einem KGV von 38 ist die Aktie weiterhin eher sportlich bewertet. Dazu passt ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 3,7. Analysten zeigten sich gleichwohl zuletzt mehrheitlich zuversichtlich. Hauck & Aufhäuser (Kursziel 46 Euro), Jeffries (39 Euro), Matelan und SMC Research (38 Euro) gaben Kaufempfehlungen heraus. Stifel votiert mit Halten und Oddo BHF mit „Underperform“, was einer Verkaufsempfehlung ähnelt. Berenberg hält das Papier mit 27 Euro für gut bezahlt. Etwas oberhalb dieses Niveaus bewegt sich die Aktie derzeit. Am Freitag kommt er nach dem starken Auftrieb etwas zurück.

          Das durchschnittliche Kursziel legt ein ordentliches Aufwärtspotenzial nahe. Wer es mit Charttechnik hält, dürfte Honig aus dem Blick auf die 38-Tage-Linie saugen. Die Aktie hat die Linie von unten nach oben durchstoßen. Bis zur aussagekräftigeren 200-Tage-Linie bleibt aber noch ein gutes Stück.

          Chef: Manfred Bender führt PVA Tepla in Wettenberg nahe Gießen
          Chef: Manfred Bender führt PVA Tepla in Wettenberg nahe Gießen : Bild: Brain AG

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