https://www.faz.net/-gzg-x5b8

China-Reise mit Minister Rhiel : Mit Joint Venture im Gepäck nach Hause - oder mit nichts

Mittelständische Unternehmer aus Hessen haben Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) bei seiner China-Reise begleitet. Jene, die einen Fuß in den riesigen Markt setzen konnten, sind in der Minderheit.

          2 Min.

          Auf dem Weg zum Empfang der Deutschen Börse im Hotel Intercontinental in Shenzhen lehnt sich Udo Pauly im Bus vergnügt zurück. Der Chef der Eko-Plant GmbH aus Neu-Eichenberg hat bei der Delegationsreise mit Alois Rhiel in China mehr erreicht als die übrigen Unternehmer, die Hessens Wirtschaftsminister begleitet haben. Der auf Abwasser- und Klärschlammbehandlung spezialisierte Unternehmer aus dem Werra-Meißner-Kreis hat eine Absichtserklärung (“Letter of Intent“) im Gepäck, nach der er mit einem chinesischen Geschäftsmann ein Joint Venture gründen wird. „Das Gemeinschaftsunternehmen soll bis zum 1. Juli stehen“, erzählt er. Es wird als sogenanntes Limited angemeldet, also als eine Art Gesellschaft mit beschränkter Haftung, und soll umgehend die Geschäfte aufnehmen. „Unser Unternehmen wird Kläranlagen planen und bauen, aber auch finanzieren und betreiben.“

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bedarf für solche Anlagen gibt es in China mehr als genug: Offiziell ist nur gut ein Viertel der Menschen an Kläranlagen angeschlossen. Pauly sagt: „In vielen Städten ist der Oberlauf des Flusses, der durch den Ort führt, trocken und erst im Verlauf wirklich ein Fluss - aber total verdreckt.“ Nämlich voller Fäkalien. Zu dem Geschäftspartner ist Pauly indes nicht erst im Verlauf der Delegationsreise gekommen, obwohl bei zwei Treffen mit chinesischen Unternehmern in den Städten Tianjin und Changcha reichlich einheimische Interessenten aufgetreten sind. Vielmehr hat der Nordhesse zuvor zweimal mit dem Mann verhandelt, zuletzt vor ein paar Wochen in China - mit einem chinesischen Vertrauten, der für ihn als Mitarbeiter im Export arbeitet, an seiner Seite. Über diesen Mitarbeiter, der von Bonn aus tätig ist, sei auch der Kontakt entstanden.

          Doch längst nicht jeder Unternehmer zieht eine so positive Bilanz der China-Reise wie Pauly. Alexander Jung etwa sagt unumwunden: „Wenn ich wieder einmal eine solche Einladung erhalte, werde ich sie nicht wahrnehmen.“ Der geschäftsführende Gesellschafter der HB Gleisbautechnik GmbH & Co. KG in Jesberg hat sich einiges von der Visite versprochen. Sein Unternehmen verfügt über eine eigene Technik, mit der sich Gleise und Weichen überwachen lassen - und zwar mit einem Laser, der die Anlagen abtastet. Die Daten werden von einem Computerprogramm ausgewertet. „Die Software gebe ich nicht aus der Hand“, sagt Jung. Doch hatte er darauf gehofft, die Laser in China einkaufen zu können. Nur wartete er vergebens auf Ansprechpartner.

          Dagegen hatte Ralf Petto einen raschen Geschäftsabschluss nicht erhofft. Vielmehr ist der Geschäftsführer der Ibacon GmbH in Rossdorf im Schlepptau von Rhiel mitgereist, um sich ein eigenes Bild von dem „Wachstumswunder“ China zu machen. Diesem Anspruch ist die Reise gerecht geworden, wie der Chef einer Firma, die Studien für die Zulassung von Chemikalien ausarbeitet, sagt. Davon abgesehen hat er „jede Menge“ Ansprechpartner gefunden. Und aus dem einen oder anderen könnte noch ein Kunde werden. Denn künftig müssen auch Chemiefirmen aus China, die einen Stoff nach Deutschland exportieren wollen, den Vorgaben der neuen europäischen Chemikalien-Richtlinie gemäß der Lieferung ein Zertifikat beifügen, nach dem das Produkt zugelassen ist. Das hat sich in China noch nicht herumgesprochen, wie Petto aus den Gesprächen gefolgert hat.

          Auch Peter Knapp vom Frankfurter Unternehmen Interxion, das den Internetknoten betreibt, hat keine allzu großen Erwartungen an die Reise gehabt. Er lobt die Organisation als fast perfekt. Doch hätte er sich eine mehr auf das Profil der Unternehmer zugeschnittene Auswahl der chinesischen Geschäftspartner gewünscht: „Da kann und muss man mehr rausholen.“

          Weitere Themen

          Als Erzieherin ungeeignet

          Mitarbeitermangel in Kitas : Als Erzieherin ungeeignet

          Kitas finden oft nicht das Personal, das sie sich eigentlich wünschen – dabei könnten sie selbst etwas daran ändern. Geeignete Kandidaten haben bei der Arbeitsstätte die freie Wahl.

          Zeichen der Erholung am Frankfurter Flughafen

          Fraport : Zeichen der Erholung am Frankfurter Flughafen

          Noch ist es vergleichbar leer an Frankfurts Himmel: Der Flughafenbetreiber Fraport erkennt in den Maizahlen aber konkrete Indizien für eine Erholung des Flugverkehrs.

          Topmeldungen

          Vor dem NATO-Gipfel am Montag landet die Air Force One am Sonntagabend mit US-Präsident Joe Biden an Bord auf dem Militärflughafen in Melsbroek.

          NATO-Gipfel in Brüssel : Schlussstrich unter die Ära Trump

          Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der NATO an diesem Montag in Brüssel treffen, wollen sie das Ende der Ära Trump besiegeln. Und neue Energie in die transatlantischen Beziehungen bringen.
          Fränzi Kühne, 1983 in Berlin-Pankow geboren, wurde 2017 als damals jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands in ein börsennotiertes Unternehmen gewählt.

          Freenet-Aufsichtsrätin : Sind Sie jungen Männern ein Vorbild?

          Fränzi Kühne, Aufsichtsrätin bei Freenet, hat in ihrem Buch viele der Fragen, die ihr in Interviews gerne gestellt werden, anderen Aufsichtsräten gestellt: Männern. Die allerdings fanden diese Fragen oft völlig absurd. Ein Gespräch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.