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„Chess Tigers“ : Längst besser als der Vater

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Glückskinder: Die Zwillinge Andreas und Christian haben nicht nur bei den „Chess Tigers“ immer einen Trainingspartner. Bild: Lukas Kreibig

Sie sind eine lebhafte Truppe, sportlich, ehrgeizig und ganz schön selbstbewusst: die „Chess Tigers“. In Bad Soden trainieren viele Jungs und ein Mädchen Schachspielen auf hohem Niveau.

          Sie reden viel und auch mal alle durcheinander: Boris ist zwölf Jahre alt und amtierender Main-Taunus-Meister. Sein Bruder Boyan ist zehn und will einmal Schach-Großmeister wie Garri Kasparow werden. Sein ganzes Zimmer hängt voller Poster von den Schach-Größen dieser Welt. Auch die achtjährige Frieda, das einzige Mädchen in der Trainingsgruppe U12 bei den „Chess Tigers“ in Bad Soden, verschafft sich Gehör: „Alle denken, ich wäre ein kleines Mädchen, aber ich bin ziemlich gut“, sagt die amtierende U10 Hessenmeisterin und baumelt fröhlich mit den Beinen. „Es gibt aber auch nicht so viele Mädchen, die Schach spielen“, ruft Christian dazwischen. Und die anderen stimmen ihm zu. „Deshalb spiele ich aber auch oft gegen Jungs“, erwidert Frieda selbstbewusst.

          „Wer Schach gut spielen will, der muss auch viel trainieren.“

          Schach ist eine Konzentrationsfrage, heißt es. Strategisches Denken sei gefragt. Aber wie eine Gruppe von streberhaften Stubenhockern wirken diese Schach-Kinder wirklich nicht: Edwin spielt neben Schach auch Handball, alle spielen auch mal Fußball mit ihren Freunden, hängen an ihren Handys und PCs. „Klar,“ sagt Pawel, „viele nennen Schach einen Strebersport, aber wir sind eben einfach meistens auch gut in der Schule. Und wer Schach gut spielen will, der muss auch viel trainieren.“ Wie bei jedem anderen Sport auch. Und wie bei anderen Sportarten auch lieben die Kinder es, sich mit anderen zu messen: „Wir spielen am Wochenende Turniere im ganzen Rhein-Main-Gebiet“, erzählt Georg.

          Bezirksmeisterschaften, Schul-Schachturniere, das Frankfurter Turnier „Hibbdebach-Dribbdebach“, „Chess Tigers“-Gründer und -Trainer Hans Walter Schmitt weiß seine Schachschüler zu fordern und zu fördern. Vor zwölf Jahren hat er mit dem privaten „Chess Tigers“-Trainingszentrum begonnen - mit Erfolg. Inzwischen hat er rund 300 Kinder unterrichtet. „Schach war lange zu elitär, es gab zu wenig guten Nachwuchs“, erzählt er. Mit anderen, international erfahrenen Schachlehrern hat er ein neues Trainingskonzept entwickelt und die Kooperation mit Schulen in Form von Schach-AGs begonnen: „Wir suchten nach Talenten, wollten mehr in die Breite gehen.“ Herausgekommen sind allein 14 SchachAGs an der Anna-Schmidt-Schule in Frankfurt, viele weitere an der Geschwister-Scholl-Schule Bad Schwalbach, der Phorms-Schule Frankfurt oder dem Albert-Einstein-Gymnasium Schwalbach. Wer sein Schachspiel weiter verbessern will, spielt in Vereinen oder kommt zum privaten Training nach Bad Soden.

          „Man muss lernen, sich nichts anmerken zu lassen“

          Eröffnungen, Doppelangriff, Bauernendspiel - in jeder Trainingseinheit bekommen die Kinder zuerst Aufgaben am Bildschirm gezeigt, die sie im Kopf und um die Wette lösen müssen. Anschließend spielen sie die Situationen am Brett nach. „Das ist gut“, findet Boris, „so können wir das, was wir eben gelernt haben, dann auch gleich anwenden.“ Fast alle jungen „Chess Tigers“ haben durch die Schul-AGs den Weg nach Bad Soden gefunden. „Zuerst habe ich zu Hause mit meinem Vater Schach gespielt“, erinnert sich Daniel. „Jetzt bin ich besser als er.“

          So lebhaft die kleine Gruppe ist - muss man für Schach nicht endlos stillsitzen können? „O ja“, sagt Schachlehrer Mike Rosa schmunzelnd, „das Sitzfleisch mussten wir uns fast härter erarbeiten als das Schachspiel selbst.“ Auch ein bisschen Schauspielerei gehört dazu: „Man muss lernen, sich nichts anmerken zu lassen“, erzählt Edwin. „Aber man darf auch mal aufstehen und rumgehen, wenn man gerade nicht weiterweiß“, wirft der zehnjährige Andreas ein. „Für mich ist Schachspielen wie Ferien, wie ein Besuch im Freizeitpark“, sagt sein Zwillingsbruder Christian. Und schaut schon wieder sehnsüchtig auf die vielen schwarz-weißen Bretter im Trainingscenter.

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