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Chemiekonzern Clariant : Forschung an Treibstoffen und Duschgels

Offene Decken sollen beim Denken helfen: Das Chemieunternehmen Clariant eröffnet sein neues Forschungszentrum. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Im Industriepark Höchst eröffnet Clariant einen 100-Millionen-Neubau für seine Forschung. Dort sollen neue Spezialchemikalien entwickelt werden - zum Beispiel Duschgels auf Zuckerbasis.

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          Vom Industriepark Höchst aus steuert der Chemiekonzern Clariant fortan seine Forschung. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen dort ein neues Forschungszentrum für vorerst 500 Mitarbeiter errichten lassen. Der Bau steht für die seit Jahren geplante Neuausrichtung der Forschung des Konzerns. Er verkauft bisher vor allem seit langem eingeführte Chemikalien, will sich jedoch zu einem weltweit führenden Anbieter von Spezialchemikalien entwickeln. 100 Millionen Euro hat Clariant für das Gebäude ausgegeben – die bisher größte Einzelinvestition in seine Forschung. Das entspreche mehr als einem Drittel des Investitionsbudgets eines Jahres, sagte Vorstandschef Hariolf Kottmann gestern bei der Inbetriebnahme des Gebäudes.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf Nachfrage teilte er mit, dass Clariant die 2006 in Betrieb genommene Anlage zur Produktion spezieller Wachse in Frankfurt erweitern werde. Die Fabrik war damals mit Kosten von 20 Millionen Euro die größte Einzelinvestition von Clariant überhaupt und ist laut Kottmann ausgelastet. Die Wachse würden Clariant „aus den Händen gerissen“, nicht zuletzt von Kunden im arabischen Raum und in Asien. Weil Clariant in diesen Regionen aber nicht rasch genug eine weitere Wachs-Anlage habe errichten können, werde die Kapazität in Frankfurt nun um ein Fünftel ausgebaut – obwohl dies angesichts der hohen Stromkosten nicht ideal sei.

          Forschen für Buntstifte und Shampoos

          Ideal sei Frankfurt allerdings als Standort für das Forschungszentrum, sagte Kottmann, der einst in Diensten der Hoechst AG stand. Der Neubau sei auch deshalb im Industriepark Höchst entstanden, weil dort schon ein Großteil der 500Forscher gearbeitet habe. Andere hat der Konzern etwa aus der Schweiz an den Main geholt. Kottmann verwies außerdem auf die Hochschulen und Forschungsinstitute im Großraum Frankfurt, mit denen das Unternehmen zusammenarbeite. Frankfurt ist mit rund 1300 Mitarbeitern der größte Standort des Konzerns. Zudem hält Clariant 30 Prozent am Industriepark-Betreiber Infraserv.

          Das Forschungszentrum soll den Zielen dienen, die Wünsche der Clariant-Kunden zu erfüllen und die Profitabilität weiter zu steigern. Um Innovationen hervorzubringen, sei eine „Kultur des offenen Denkens“ notwendig, sagte Kottmann. Die könne ein Unternehmen nicht verordnen, aber es könne dafür die Voraussetzungen schaffen. Die gläserne Front des Neubaus soll Transparenz signalisieren, zahlreiche Büros sind mit Glaswänden versehen. Viele Mitarbeiter sitzen im Großraumbüros, können sich jedoch in sogenannte Sofa-Alkoven zurückziehen, um nachzudenken oder sich mit Kollegen anderer Abteilungen auszutauschen. Im gesamten Gebäude sind die Decken durchbrochen, sodass natürliches Licht das Gebäude durchflutet. Entworfen worden ist der Neubau vom Architektenbüro Hentrich-Petschnigg&Partner aus Düsseldorf.

          Bisher gehen 60 Prozent der Produkte von Clariant auf Hoechst zurück. Dies ändert sich aber durch die Neuausrichtung der Forschung schrittweise. So hat Clariant etwa Kraftstoffe aus Stroh und biologisch abbaubare Pflanzenschutz-Hilfsmittel aus nachwachsenden Rohstoffen entwickelt. In Frankfurt geht es um Zusätze für Duschgels auf Zuckerbasis, Kunststoffe als Shampooverdicker, umweltfreundliche Hilfsstoffe für Ölbohrungen, Seifen und neuartige Buntstiftminen. Liefen die Geschäfte wie erhofft, könnten im Forschungszentrum mittelfristig bis zu 100 weitere Stellen geschaffen werden, sagte Kottmann.

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