https://www.faz.net/-gzg-824d1

Chefärztin Elke Jäger : „Krebs ist kein Todesurteil“

  • Aktualisiert am

Medizinische Wunder: Gibt es nicht jeden Tag, aber Elke Jäger hat schon einige erlebt. Bild: Wolfgang Eilmes

Obwohl sich bösartige Zellen ziemlich gut tarnen, erwartet die Chefärztin für Onkologie am Nordwestkrankenhaus ein „Feuerwerk“ an neuen Behandlungsmethoden. Elke Jäger über rothaarige Tumorzellen und Sport als Therapie.

          Wie reagiere ich richtig, wenn mir ein Freund berichtet, dass er Krebs hat?

          Angemessen ist, das als sehr ernste Nachricht aufzunehmen. Wenn der Betroffene sehr mutlos ist, sollte man vermitteln, dass es zunächst darum geht, die Erkrankung richtig aufzuarbeiten und dass es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten gibt, die den Schrecken der Chemotherapie verloren haben. Die Diagnose Krebs ist heute kein Todesurteil mehr.

          Und der wiederkehrende Krebs?

          Wenn Krebs nach einer Operation zurückkehrt und dann nicht mehr operabel ist, muss auch das kein zwingendes Todesurteil sein. Mit dem Arsenal der in den letzten Jahren neu entwickelten Medikamente sind heute Krankheiten gut behandelbar geworden, für die es noch vor fünf, sechs Jahren überhaupt keine Therapie-Option gab, zum Beispiel Nierenkrebs. Inzwischen haben wir etwa acht sehr gut wirkende Medikamente. Die Patienten werden in der Regel nicht geheilt, aber die Krankheit bleibt kontrollierbar, oft über viele Jahre.

          Und wenn der Krebs schon metastasiert?

          Das ist eine Variante des fortgeschrittenen Krankheitsstadiums, auch das ist eine Situation, die wir heute dank neu entwickelter Medikamente meist gut und langfristig behandeln können.

          Wenn man schon Krebs kriegen muss, welcher ist der am wenigsten bösartige?

          Die Auffassung dazu ändert sich. Vor zwanzig Jahren waren fast alle Krebsformen sehr schlimm, weil kaum Behandlungsmöglichkeiten für fortgeschrittene Stadien verfügbar waren. Heutzutage gibt es verfeinerte Operations- und Bestrahlungsverfahren und viele neue Medikamente. Gute Chancen haben zum Beispiel Patienten mit Prostatakrebs oder Brustkrebs, Krankheiten, die sich auch bei Vorliegen von Metastasen langfristig sehr gut behandeln lassen.

          Was alle Männer interessiert: Was sagt der PSA-Wert?

          Man denkt, der Wert zeige das Ausmaß der Krankheit an, das stimmt aber nicht. Zwar deutet ein sehr hoher PSA-Wert schon auf Prostatakrebs hin, aber ein Normalwert schließt die Erkrankung nicht aus.

          In Deutschland bekommt jährlich eine halbe Million Menschen die Diagnose Krebs. Könnten es weniger sein, wenn die Vorsorge ernster genommen würde?

          Ja. Vorsorge verhindert zwar nicht das Auftreten von Krebs, aber sie führt doch dazu, dass die Krankheit früher festgestellt wird und dann mit größerer Aussicht auf Heilung behandelbar ist. Das gilt besonders für Dickdarm-, für Brust- und für Lungenkrebs.

          Ist irgendwann eine Impfung gegen Krebs vorstellbar?

          Ja, mein Forschungsgebiet ist ja die Tumor-Immunologie. Das heißt, ich beschäftige mich seit zwanzig Jahren mit der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Immunsystem und Krebs. In internationalen Forschungsprojekten haben wir gelernt, dass es Krebszellen gibt, die vom Immunsystem erkannt und attackiert werden. Damit ist vorstellbar, dass man einen Menschen gegen diese Krebs-Merkmale impfen, also das Immunsystem speziell sensibilisieren kann.

          Wie kamen Sie darauf?

          Wir hatten Anfang der achtziger Jahre eine Patientin, die an Schwarzem Hautkrebs erkrankt war und die auf die damals verfügbaren Medikamente nicht mehr ansprach. Von operierten Tumor-Metastasen wurden Zellkulturen angelegt, und man konnte sehen, dass die Tumorzellen von einer bestimmten Sorte Abwehrzellen der Patientin, den sogenannten T-Lymphozyten, zerstört wurden. Daraus schlossen wir, dass die Abwehrzelle an der Tumorzelle etwas erkennt, das sie als attackierenswert erscheinen lässt. So wurde in enger Kooperation mit Forschungsinstituten in Mainz, Brüssel und New York das erste menschliche Tumor-Antigen identifiziert. In der Folge konnten wir zeigen, dass etliche Krebsarten auf eine Impftherapie ansprechen oder langfristig stabil gehalten werden können. Außer dem Schwarzen Hautkrebs sind das auch der Nieren- und der Eierstockskrebs und bestimmte Formen des Lungenkrebses.

          Leider sind Krebszellen intelligent und tarnen sich.

          Man muss sich das so vorstellen: Eine Tumorzelle trägt als Merkmal rote Haare. Dann teilt sie sich, der Tumor wird größer und bildet vielleicht Metastasen. Auf diesem Weg verändern sich viele Merkmale und Eigenschaften der ursprünglichen Tumorzelle, und die Kinder, Enkel und Urenkel haben nicht mehr nur rote Haare, sondern gelbe und blaue, und die ursprünglich Rothaarigen verlieren vielleicht ihre Haare. Wenn ich jetzt gegen Rot impfe, beginnt das Immunsystem alle Rothaarigen abzuräumen. Es bleiben aber die Gelben und die Blauen, und die bekommen womöglich sogar einen Wachstumsvorteil, weil die Roten weg sind.

          Also alles für die Katz’?

          Nein, im Gegenteil, wir haben aus den Impfstudien und der Entwicklung von Haarfarben viel über Flucht- und Resistenzmechanismen von Tumorzellen gelernt. So erscheint es heute günstig, gleichzeitig gegen mehrere Zellmerkmale, also gegen rot, gelb und blau, zu impfen. Damit soll die Entwicklung von bestimmten Krebszelllinien überhaupt verhindert werden. Wir haben Patienten, die wir über viele Jahre hinweg impfen. Das ist ungewöhnlich, weil in der Onkologie eine Behandlung vom Typ Chemotherapie normalerweise nur so kurz wie nötig gegeben wird, das liegt an ihren Nebenwirkungen. Eine Impfung hingegen büßt ihren Effekt ein, wenn sie nicht wiederholt wird, am besten alle vier Wochen. Die Impfung selbst ist frei von Nebenwirkungen. Es ist klar, dass eine Immunantwort nach Impfung nicht alle Krebszellen abräumt, aber sie kann ein stabiles Gleichgewicht herstellen zwischen Krankheitskontrolle und -wachstum. Das findet sich im Übrigen auch spontan im Körper, denn wir alle entwickeln jeden Tag Tumorzellen und sind froh, dass unser Immunsystem sie erkennt und beseitigt.

          Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit: Ärztin, Forscherin, Dozentin, Krankenhausmanagerin, Stiftungsvorstand?

          Ich bin in erster Linie Ärztin – mit kurzem Draht zur Wissenschaft – und jeden Tag auf der Station. Das Gespräch mit den Patienten ist mir wichtig, denn ich habe gelernt, dass Patienten mit ein- und derselben Krankheit ganz unterschiedlich darauf reagieren. Vielleicht lernt man das erst mit den Jahren, sich nicht nur auf die Therapie des Tumors zu konzentrieren, sondern die konkrete Person mit ihren Ängsten und Wünschen in den Blick zu nehmen. Es geht nicht nur darum, die Last der Krankheit zu verkleinern, sondern auf dem Weg dahin den Patienten so zu begleiten, dass er das aushält und nicht seinen Lebensmut verliert. Das rein Medizinische ist gar nicht so schwer, dafür gibt es Regeln und Medikamente.

          Was empfinden Sie, wenn trotz aller ärztlichen Kunst ein Patient stirbt?

          Der Tod eines Patienten wird oft als Niederlage empfunden – der Tod hat gesiegt. Ich sehe das anders, denn der Tod ist ein Teil jedes Lebens, in meinem Fachgebiet oft ein Endpunkt nach einer langen und in den letzten Jahren zunehmend befriedigenden Behandlungsgeschichte. Den Sterbeprozess versuche ich professionell zu begleiten, weil ich auch in dieser Phase nur dann dem Patienten als Ärztin helfen kann, wenn ich mich nicht auf die persönliche Ebene begebe. Natürlich berühren mich Schicksale auch persönlich, aber wenn ich meine Position als Ärztin verlasse, kann ich ihm nicht mehr helfen.

          Wie stehen Sie zur Sterbehilfe?

          Die ärztliche Betreuung hört nicht auf, wenn ich keine ursächliche Therapie mehr für den Patienten weiß. Er ist noch da, vielleicht sterbend, und es ist meine Aufgabe, ihm in jeder Lebensphase zu helfen und Symptome zu lindern. Ich bin eine starke Gegnerin der Sterbehilfe, weil die Möglichkeiten der Palliativmedizin so gut sind, dass ich in den 23 Jahren, in denen ich als Onkologin tätig bin, nur einen einzigen Patienten getroffen habe, der mich ganz explizit um Sterbehilfe bat. Nach einem relativ kurzen Gespräch über palliativmedizinische Behandlungsmöglichkeiten nahm er diese Bitte zurück.

          Kann man sagen, dass heute niemand Schmerzen aushalten muss?

          Ja, das kann man sagen. Es gibt Schmerzen, die schwer zu therapieren sind, aber es gibt Möglichkeiten, die Schmerzverarbeitung zu beeinflussen, so dass wirklich niemand Angst vor Schmerzen haben muss. Das gelingt übrigens auch zuhause zunehmend gut.

          Manche empfinden die Diagnose Krebs als Makel, über den man am liebsten nicht spricht. Raten Sie Ihren Patienten grundsätzlich, darüber zu sprechen?

          Das hängt sehr von der Einbindung und der Umgebung des Patienten ab, von seiner Persönlichkeit und tatsächlich auch von der Art des Krebses. Es fällt leichter, über Lungenkrebs zu sprechen als über Prostata- oder über Brustkrebs. Wer daran erkrankt, betrachtet sich möglicherweise nicht mehr als vollwertiger Mann oder als vollwertige Frau. In aller Regel ist es aber für einen Patienten eine große Erleichterung, wenn seine Umgebung von der Erkrankung weiß. Hier wirkt übrigens unser Sportprogramm Wunder.

          Worauf zielt es?

          Der Appell lautet: „Leute, bewegt euch, treibt Sport.“ Zunächst bieten wir Gruppentraining an, bei dem Patienten unter sich sind und ihre Leidensgeschichten austauschen können. So gewinnen sie Vertrauen, dass man darüber überhaupt reden kann. Bei unserer Ruderregatta, bei der ja hauptsächlich Nicht-Erkrankte starten, stellen die Patienten häufig fest, dass sie überhaupt nicht die Verlierer sind, sondern durchaus Gewinner, die mit Medaille in der Zeitung stehen.

          Wie lange hat es gedauert, bis Sie nachweisen konnten, dass Sport eine therapeutische Wirkung hat?

          Drei bis vier Jahre. Am Anfang hatten alle Patienten Angst, sich zu überfordern. Heute fragen Patienten, die zu uns kommen, ausdrücklich nach dem Sportprogramm. Acht von zehn Patienten, die Chemotherapie bekommen, haben das sonst übliche Müdigkeitssyndrom nicht, wenn sie Sport treiben. Es könnte sein, dass bei körperlich aktiven Patienten die Therapie konsequenter gegeben werden kann, weil die Nebenwirkungen geringer empfunden werden.

          Gibt es besonders geeignete Sportarten?

          Sicher zu raten ist zu moderatem Ausdauersport, weil der das Immunsystem stimuliert. Dabei kommt es auf die individuelle Ausgangslage an. Einem Patienten, der schon einmal einen Halbmarathon gelaufen ist, wird man raten können, mit Jogging wieder anzufangen. Für Patienten, die noch nie Sport getrieben haben, und das sind 65 Prozent, ist schon ein strammer Spaziergang ein sportliches Großereignis. Weniger geeignet sind Ballsportarten, in denen es zu plötzlichen Bewegungsmanövern und zu Rempeleien kommt. Besonders gute Erfahrungen haben wir mit dem Rudern gemacht, weil hier der Teamgedanke so wichtig ist.

          A propos Team: Wie hierarchisch muss eigentlich eine Klinik sein?

          Wenn es um ein komplexes Fach wie die Onkologie geht, braucht eine Klinik schon eine Führung, aber sie funktioniert immer nur so gut wie ihre Teammitglieder. Sie müssen gehört und gefördert werden. Der Teamgedanke hat die Kultur der „guten Onkologie“ in den letzten zehn Jahren stark geprägt. Wir haben früher ja so Einzelherrscher gehabt, die meinten, sie könnten für Patienten Einzelentscheidungen treffen und sagen: „Sie müssen operiert werden, dann sind Sie das Problem los.“ Wir wissen heute, dass das nicht stimmt. Wir brauchen eigentlich eine Rudermannschaft, die alle diagnostischen und therapeutischen Schritte für einen Patienten im Team entscheidet. Dazu muss sich die Rudermannschaft zum Training treffen, das ist unsere Tumorkonferenz. Da muss ehrlich für den Einzelfall alles auf den Tisch, und jeder muss darüber mitdiskutieren, was das Beste für diesen einzelnen Patienten ist.

          Wie groß ist Ihre Klinik?

          Wie sind 24 Ärzte, dazu kommen das Pflegepersonal, zwei Sportwissenschaftler und ein Trainer, das Ernährungsteam, die Seelsorger, dazu natürlich die ganze Personalstruktur des Krankenhauses mit Physiotherapeuten und Psychologen. In der Palliativmedizin sind wir besonders ausgestattet und haben zwei spezialisierte Ärzte für 22 stationäre Patienten. Ein Pflege- und Ärzteteam kümmert sich um die ambulante Palliativversorgung und betreut Patienten zu Hause.

          Gibt es zu viele Vollversorgungskliniken im Rhein-Main-Gebiet?

          Ich glaube, dass es zeitgemäß wäre, wenn mehr Zusammenschlüsse vollzogen würden. Leider werden die Diskussionen darüber häufig politisch geführt und weniger medizinisch-inhaltlich. Ich würde mir sehr wünschen, wenn in einem überschaubaren Gebiet wie Frankfurt wenigstens für die hochspezialisierten Fächer wie Onkologie oder Neurologie Versorgungskonzepte entwickelt würden, bevor politisch motivierte Fusionsmanöver ausbaldowert werden. Ein bisschen Unterstützung haben wir bekommen durch das hessische Onkologie-Konzept.

          Was heißt das?

          Früher fuhren Patienten zu vier oder fünf onkologischen Zentren, bekamen vier oder fünf unterschiedliche Meinungen zu hören und waren natürlich extrem verunsichert. Verbunden war das mit enormen Redundanzen: fünf CTs und teure Medikamente, die gar nicht nötig waren. Heute haben wir in Hessen sechs Versorgungsgebiete. In jeden Gebiet gibt es ein oder zwei koordinierende Krankenhäuser, in denen die volle Fachkompetenz vertreten sein muss. Andere Krankenhäuser können verbunden sein als sogenannte kooperierende Kliniken. Sie verpflichten sich zur individuellen Fallentscheidung per Tumorkonferenz und deren Dokumentation.

          Was heißt das für Frankfurt?

          Im Gebiet Frankfurt/Rhein-Main sind 20 kooperierende Krankenhäuser und seit kurzem auch eine Praxis mit den beiden koordinierenden Kliniken Nordwest und Uniklinik verbunden. Das hat dazu geführt, dass sich die onkologische Versorgung sehr verbessert hat, weil sich die Kliniken auf dem Weg der Tumorkonferenz austauschen. Das heißt, Patienten müssen nicht mehr fünf Einrichtungen ansteuern, weil sie sich darauf verlassen können, dass ihr Fall nach den geltenden Regeln der Kunst beratschlagt wird. Außerdem werden Patienten im Netzwerk neueste und experimentelle Therapieformen über eine übergreifende Studienzentrale zugänglich gemacht.

          Würden Sie eine Prognose wagen, was die Onkologie heute in zwanzig Jahren zu leisten vermag?

          Das läuft auf die Frage hinaus, ob Krebs irgendwann heilbar sein wird. Das ist deshalb so schwer zu beantworten, weil Krebs so unterschiedliche Formen umfasst. Ich bin sicher, dass man Krebs künftig weniger als eine mit einem Organ verbundene Erkrankung betrachten wird, sondern dass man Krebszellen nach ihren genetischen Merkmalen untersucht und daran die Therapie ausrichtet. Man wird also nicht mehr sagen, jemand habe Brustkrebs mit der Folge dieser oder jener Chemotherapie, sondern es geht um einen Krebs mit beispielsweise einer Mutation des EGF-Rezeptors. Das ist eine therapeutisch verwertbare Konstellation, für die es Medikamente gibt.

          Laienhaft gesprochen: Krebs ist unerwünschte Zellvermehrung. Wird es dagegen ein Medikament geben?

          Ich glaube nicht, dass es das eine Medikament geben wird. Im Gegenteil: In zwanzig Jahren werden wir ein zusätzliches Feuerwerk neuer Medikamente haben, die wir nacheinander oder auch in Kombination einsetzen können, um Krebserkrankungen langfristiger in Balance zu halten. Ich zweifle aber daran, dass wir die Mehrzahl der Krebserkrankungen in zwanzig Jahren werden heilen können.

          Was sagen Sie Patienten, die der Schulmedizin misstrauen?

          Viel Verständnis habe ich für das Misstrauen und wenn Sie so wollen, ist mein Forschungsbereich, die Tumor-Immunologie, ja auch etwas Nicht-Schulmedizinisches, weil chemotherapiefrei. Bei den sogenannten alternativen Therapien gibt es Medikamente, die nicht schädlich sind und die deshalb durchaus eingesetzt werden können. Und es gibt welche, die schädlich sind, davor muss man dann warnen. Eine Empfehlung fällt deshalb schwer, weil eigentlich keines dieser sogenannten alternativmedizinischen Medikamente auf Wirksamkeit geprüft ist. Dass diese Medikamente wirklich helfen, dieser Nachweis fehlt. Und das nehme ich schon als Kriterium, eine aktive Therapie-Empfehlung auszusprechen.

          Wenn ich nicht privat versichert bin, bekomme ich die gleich gute Behandlung?

          Ja. Sie sprechen in meiner Klinik genauso mit mir persönlich, bekommen die gleich gute Behandlung und müssen nicht länger warten.

          Würden Sie diese Aussage für ganz Deutschland gelten lassen?

          Nein. Ich setze voraus, dass die Behandlung überall gleich ist, aber der Kontakt zum Arzt wird sicher sehr unterschiedlich gehandhabt.

          Halten Sie eigene Wartezimmer für Privatpatienten für einen Skandal?

          Nicht unbedingt für einen Skandal, eher für eine Geschmackssache. Etwas, wofür ich kämpfe, aber unabhängig vom Versichertenstatus, ist eine möglichst große Zahl von Einzelzimmern. Jemand, der schwer krank ist, braucht diesen Schutzraum und die Möglichkeit, von seinen Nächsten begleitet werden zu können.

          Haben Sie schon einmal etwas erlebt, das Sie als Wunder bezeichnen würden?

          Ja. Natürlich sind das gemessen an der Gesamtzahl der Patienten Einzelfälle. Zum Beispiel ein Patient mit Prostatakrebs, der 2003 zu mir kam, mit maximal fortgeschrittener Erkrankung, Metastasen überall, PSA-Wert über 7000, normal ist bis fünf. Er kam eigentlich zu mir, um mich zu fragen, ob er noch ein bisschen Sport treiben könne. Ich sagte: „Ja, tun Sie das.“ Inzwischen läuft er Marathon und bekommt gar keine Therapie mehr. Der Krebs ist da, aber er wird nicht schlimmer. Die Metastasen sind weniger aktiv, die Krankheit ist in einem Gleichgewicht. Und ich kann nicht sagen, warum. Ich kann sagen, der Patient ist aktiv, vielleicht liegt es daran. Er zieht daraus eine enorme Lebensfreude, vielleicht liegt es daran.

          Die Fragen stellten Werner D’Inka und Peter Lückemeier.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Debatte im Unterhaus : May will weiter um Mehrheit werben

          Die britische Premierministerin kündigt im Unterhaus an, weiterhin für einen geordneten Austritt Großbritanniens kämpfen zu wollen – auch wenn sie für ihr Abkommen immer noch nicht die nötige Mehrheit habe. Rücktrittsforderungen erteilt May eine Absage.

          Im Fußball zählen Siege : Mut zum Volltreffer!

          Zuletzt gab der deutsche Fußball ein desolates Bild ab. Nun aber meldet er sich mit einem eindrucksvollen Signal zurück auf der Bildfläche. Das zeigt, was es vor allem braucht für eine erfolgreiche Zukunft.

          Trump und der Mueller-Bericht : Frohlocken im Weißen Haus

          Ihrer eigenen Obsession mit der Russland-Untersuchung haben die Demokraten es zu verdanken, dass Trump nun derart auftrumpfen kann. Im Jubel seiner Fans geht jedoch Wichtiges unter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.