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Chef der südhessischen SPD : „Den Konflikt mit den Reichsten eingehen“

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsträger: Kaweh Mansoori leitet die südhessische SPD Bild: Cornelia Sick

Er ist der Senkrechtstarter der hessischen SPD. Der junge Anwalt Kaweh Mansoori wurde jüngst überraschend zum Chef des SPD-Bezirks Hessen-Süd gewählt. Was will der Mann erreichen?

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          Sie sind mit 30 Jahren zum Chef des SPD-Bezirks Hessen-Süd gewählt worden. Ist das ein Zeichen dafür, dass Ihre doch eher überalterte Partei sich ernsthaft verjüngen möchte?

          Wir machen Politik für die Mehrheit der Gesellschaft, da müssen wir auch die Breite der Gesellschaft abbilden – auch in den Spitzenfunktionen. Der SPD würde es gut zu Gesicht stehen, jünger, vielfältiger und weiblicher aufzutreten. Da haben wir etwas nachzuholen.

          Ziehen die Genossen von Hessen-Süd mit?

          Mit meiner Wahl wurden zwei Dinge miteinander verbunden: Zum einen steht jetzt zum ersten Mal jemand mit Eltern nichtdeutscher Abstammung an der Spitze.

          Woher kommen Ihre Eltern?

          Aus Iran, von dort sind sie vor vielen Jahren nach Deutschland geflüchtet.

          Und zweitens?

          Die Partei muss wieder zu ihren eigenen Wurzeln finden. Wir sollten an bestimmte Traditionslinien anknüpfen.

          Welche Tradition: dass sich die Parteiflügel bekriegen?

          Das ist vorbei. Ich meine unsere Tradition, Ökologie und Arbeit zusammen zu denken. In Hessen-Süd haben wir schon vor 30 Jahren darüber gesprochen, dass die Ressourcen des Planeten endlich sind und diese Erkenntnis mit dem Ziel einer nachhaltigen Wertschöpfung verknüpft werden muss.

          Kommen wir noch einmal zu Ihrer Behauptung, die SPD müsse jünger werden. Ist sie derzeit verzopft?

          Die SPD hat in der jüngeren Vergangenheit bei Themen, die innerhalb der Generationen umstritten sind, sich meistens gegen die Position der jüngeren Generation gestellt.

          Welche strittigen Themen meinen Sie?

          Zum Beispiel die Vorratsdatenspeicherung. Viele Jüngere haben eine solche Speicherung abgelehnt, doch im Bundestag stimmten viele aus der SPD für das Gesetz. Oder der Schutz des Urheberrechts. Auch hier hat die SPD die Position der Jüngeren im Kampf gegen Upload-Filter nicht ernst genommen.

          Glauben Sie, dass die Schüler von „Fridays for Future“ sich für die alte Tante SPD interessieren?

          Als Vertreter der SPD stand ich auf dem Frankfurter Römerberg bei einer Kundgebung von „Fridays for Future“. Da gab es auch viel Kritik für die Energiepolitik meiner Partei. Und das, obwohl der Sozialdemokrat Hermann Scheer mit seinem Gesetz für erneuerbare Energien der Architekt der Energiewende ist. Trotzdem hat man uns zuletzt als Bremser wahrgenommen. Da täte der SPD mehr Klarheit gut.

          Ist Klimapolitik der SPD wesensfremd?

          Nein. Wir haben 2008 einen ziemlich erfolgreichen Landtagswahlkampf mit der Aussage geführt: Man kann in naher Zukunft vollständig aus den fossilen Energien aussteigen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Wirtschaft weiter prosperiert und die Leute gute Jobs haben.

          Was ist die Lehre daraus?

          Für mich entscheidet sich die Klimafrage nicht im Gegensatz von Industrie und Umwelt, sondern in einer nachhaltigen Industriepolitik.

          Wie unterscheiden sich da die Sozialdemokraten von den Grünen, die Ihre Partei in den Umfragen längst überflügelt haben?

          Die SPD hat nichts davon, die Grünen zu kopieren. Denn die Grünen haben das Thema Umweltschutz besetzt, die CDU und die FDP stehen für das Thema Wirtschaft. Wir, die Sozialdemokraten, müssen Umweltschutz und Wirtschaft zusammenbringen. Die Bundes-SPD kann sich da etwas bei uns in Hessen-Süd abgucken.

          Was sagen Sie den Genossen in Berlin?

          Die SPD muss beide Seiten zusammendenken: Wie erhalten wir den Planeten so, dass die nächsten Generationen gut auf ihm leben können? Und wie schaffen wir für diese Generationen eine wirtschaftliche Existenzgrundlage? Da unterscheiden wir uns grundlegend von den Grünen.

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