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Chaos-Campus oder verweigerte Planung : Eine große städtebauliche Chance

Die kühne Ankündigung von Weimar und Roth befeuerte jedoch Hoffnungen von Bürgerinitiativen in Bockenheim, nun auch ihrerseits Wünsche für Nutzungen auf dem Areal äußern zu können. Das süffige Label vom Kulturcampus griffen sie dafür auf: Es sollte auch Raum für Stadtteilkultur entstehen, außerdem günstige Wohnungen. Kurz vor der Kommunalwahl im März 2011 wollte die schwarz-grüne Koalition Volkes Stimme nicht ungehört verhallen lassen und richtete eine Planungswerkstatt ein. An deren Ende stand ein sogenannter Konsensplan. Das Studierendenhaus sollte für kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen, das Philosophicum, für das sich eine Genossenschaft interessiert, sollte möglichst erhalten und für eine Wohnnutzung hergerichtet werden. Auch viel Grün wurde vorgesehen.

Wer finanziert schöne Ideen?

Die Stadtverordneten akzeptierten die Vorschläge weitgehend und beauftragten das Stadtplanungsamt, sie in einen Bebauungsplanentwurf einzuarbeiten. Dieser wird derzeit im Stadtparlament und im Ortsbeirat diskutiert, nach der Offenlage wird er vermutlich noch im Laufe des Jahres zur Abstimmung gestellt werden.

Der Bebauungsplanentwurf lässt Raum für alle Wünschen und Hoffnungen, die die Vertreter von Hochkultur und Stadtteilkultur hegen. Doch die entscheidenden Fragen sind nicht geklärt: Wer finanziert die schönen Ideen? Und was passiert mit den Flächen, falls die guten Absichten scheitern sollten?

Was den Bau der Musikhochschule angeht, verweisen die Spitzen der schwarz-grünen Koalition im Römer an die Landespolitik. Bisher fehlt eine verbindliche Zusage aus Wiesbaden, einen Neubau der Musikhochschule zu finanzieren. Der Bau einer Studiobühne auf dem schmalen dreieckigen Grundstück südlich des Depots ist immerhin gesichert. Doch für ein neues Domizil der Musikhochschule müsste zunächst einmal die Universitätsbibliothek auf den Campus Westend ziehen. Einen Termin dafür gibt es bisher nicht.

Verbindliche Aussagen notwendig

Was das Philosophicum und das offene Haus der Kulturen angeht, scheuen sich vor allem die Politiker der Grünen vor einer Entscheidung. Die Genossenschaft, die das Philosophicum nutzen möchte, kann den Kaufpreis nicht aufbringen. Der ABG-Geschäftsführung ist es aber schon aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt, den Preis zu senken. Eine Subventionierung durch die Stadt wäre ein heikler Präzedenzfall. Für die Sanierung des Studierendenhauses (7,5 Millionen) und die Miete (80.000 Euro im Monat) wiederum ist kein Etat vorhanden. Aus sich selbst heraus wird es sich aber kaum tragen.

Die Situation ist einigermaßen verfahren und ziemlich absurd: Weil die Politik den Mut nicht aufgebracht hat, die Bürger vor überzogenen Erwartungen zu warnen, ist ein Bebauungsplan um Luftschlösser herum entstanden. Ein nicht unwahrscheinliches Szenario sieht daher folgendermaßen aus: Im Philosophicum werden Luxuswohnungen für Freunde minimalistischer Architektur entstehen, das Studierendenhaus wird notdürftig an gewerbliche Kunden vermietet, und anstelle des Juridicums entsteht ein 08/15-Bürohaus.

Das alles ließe sich noch verhindern. Es müsste nur irgendjemand im Magistrat den Mut haben, sich für zuständig zu erklären, Entscheidungen zu fällen und die ganze Planung noch einmal zu überarbeiten. Im besten Falle fände sich gleichzeitig auch die Landesregierung bereit, verbindliche Aussagen für den Standort der Musikhochschule zu machen. Da sowohl in Frankfurt als auch in Wiesbaden Schwarz-Grün das Sagen hat, sollte das machbar sein. Eigentlich.

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