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Chaos am Langener Waldsee : Pöbeln, motzen und wild parken

  • -Aktualisiert am

Platz ist in der kleinsten Lücke: Die Autofahrer parken sogar auf der Bundesstraße. Bild: Marcus Kaufhold

Weil es rund um den Langener Waldsee zu einem Parkplatz-Chaos gekommen ist, hat die Stadt die Zufahrten gesperrt. Doch daran hält sich längst nicht jeder.

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          Die Wetter-App auf dem Smartphone verspricht schon am frühen Samstagmorgen für das Rhein-Main-Gebiet „das wird heiß heute“. Für viele Sonnenhungrige heißt das: raus ans Wasser. Eines der beliebtesten Ziele in der Region ist der Langener Waldsee, dort herrscht seit Tagen Hochbetrieb. Um zu vermeiden, dass Besucher, die mit dem Auto anreisen, ein Verkehrschaos auslösen, greift die Stadt Langen seit drei Tagen durch: Nicht nur der Parkplatz am See, auch die Zufahrtsstraße ist an den Wochenenden gesperrt. Wer zum Strandbad möchte, solle zu Fuß oder mit dem Rad kommen.

          Doch offenbar sind die Appelle nicht zu jedem durchgedrungen. „Nachdem rücksichtslose Autofahrer auch am Samstag wieder für ein Verkehrschaos auf der B 44 gesorgt haben, bleibt der Parkplatz im Strandbad Langener Waldsee weiterhin komplett geschlossen“, heißt es seit dem gestrigem Sonntag auf der Homepage des Sees. Mehr als 150 Fahrzeuge seien trotz Verbots am Samstag entlang der Bundesstraße und an Waldwegen abgestellt worden. Einige Autofahrer hätten dazu Absperrungen der Polizei beseitigt. Am Freitagabend habe der heiße Motor eines Wildparkers sogar ein Feuer verursacht. Das Auto brannte aus, etwa 100 Quadratmeter Wald seien zerstört worden.

          Besonders ungehobelt: Familien mit Kindern und Gruppen

          „Die wollen trotzdem alle ihren Kopf durchsetzen“, stöhnt am Samstagnachmittag der Mitarbeiter eines Sicherheitsdiensts, der für Ordnung sorgen soll. Seit acht Uhr morgens ist er im Dienst und wundert sich, dass gegen 15 Uhr immer noch Autos kommen. Aber bei 36 Grad hat offenbar nicht jeder Lust, sich auf dem Rad abzustrampeln. Torben dagegen schon: Mit einem Kumpel ist er gut zwei Stunden von Bad Soden am Taunus zum Strandbad geradelt. Doch kurz nach 14 Uhr, wenige Schritte vom Wasser entfernt, werden die Männer enttäuscht: Soeben hat die Badeaufsicht beschlossen, den See zu schließen. „Wir haben Kapazitäten für 5000 Besucher“, erklärt der stellvertretende Badleiter. Trotz Sommer, Hitze und Ferien, auch im Strandbad müsse Abstand gehalten werden. Werde es zu voll, sei das jedoch schwierig. Insgesamt rund 18 Mitarbeiter seien im und am Bad damit beschäftigt, die Gäste im Auge zu behalten. Hinzu kämen Kräfte des Roten Kreuzes und der DLRG. Dass er nun Gäste abweisen muss, sei zwar schade, und er verstehe, dass einige deswegen mit Unmut reagierten. Was er jedoch von manchen Besuchern zu hören bekommt, möchte er lieber nicht wiederholen. „Man braucht schon ein dickes Fell.“

          Während er das sagt, versuchen ein paar Badewillige dennoch, ans Wasser zu kommen: Sie klettern über einen Zaun. Auch der Security-Mitarbeiter findet den See schön und hat Verständnis für all jene, die sich abkühlen möchten. Das Verhalten mancher Gäste jedoch entsetzt auch ihn. „Momentan ist es echt schlimm.“ Pöbeln, motzen, meckern, heiße die Devise bei vielen Besuchern, die er zurückschicken müsse. Besonders ungehobelt zeigten sich Familien mit Kindern und Gruppen. Andere versuchten, sich den Zutritt zu erkaufen. „Mir hat jemand Geld geboten, damit ich ihn durchlasse.“ Vergebens.

          „Jeder ist wohl nur noch auf seinen eigenen Vorteil bedacht“, fasst ein Sprecher der Polizei Langen am Sonntagvormittag die Situation zusammen. Dennoch sei es zumindest am Samstag zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen – abgesehen von uneinsichtigen Wildparkern. Die aber machen am Sonntag offenbar genauso weiter wie am Tag zuvor – trotz Flatterbandes, das am Rand der Bundesstraße gespannt ist und auf das Parkverbot hinweisen soll. Um kurz nach elf Uhr „steht der Randstreifen schon wieder voll“, sagt der Polizist.

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