https://www.faz.net/-gzg-8axzo

Investition in Offenbach : Leerstehende Hochhäuser werden zum „Vertical Village“

Blick auf den Kaiserlei-Kreisel: Zwischen Berliner Straße, Kaiserleikreisel, Strahlenbergerstraße und Goethering soll das neue Quartier entstehen. Bild: Hannes Jung

Offenbach soll attraktiver werden: Auf einer 36.000 Quadratmeter großen Fläche sollen Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen entstehen. Bis zu 2000 Menschen könnten in dem neuen Quartier leben.

          Wohnen, Arbeiten und Freizeit - diese Schwerpunkte will die CG Immobilien Gruppe AG aus Berlin auf dem Areal zwischen Berliner Straße, Kaiserleikreisel, Strahlenbergerstraße und Goethering in Offenbach setzen. In den nächsten Jahren will sie dort rund 300 Millionen Euro investieren. Von einer „Riesenchance für die Stadt“ sprach Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) bei der Vorstellung des Projekts. Nach Angaben von CG-Vorstand Jürgen Kutz sollen auf dem 36.000 Quadratmeter großen Grundstück insgesamt 910 Wohnungen, dazu Büro-, Einzelhandels- und Gewerbeflächen entstehen. Angebote von Fitnesseinrichtungen, eine Kindertagesstätte und ein 25-Meter-Becken, das auch zum Schulschwimmen zur Verfügung steht, werden integriert. Die beiden vor gut 40 Jahren errichteten Bürohäuser mit 19 und 23 Geschossen bleiben erhalten, werden ihr Aussehen aber stark verändern. Bis 2004 dienten sie der Siemens/Kraftwerk Union (KWU) als Domizil; seither standen sie leer.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Die Stadt hofft darauf, dass mit dem Vorhaben das westliche Eingangstor von Offenbach attraktiver wird. Einem städtebaulichen Vertrag mit der Projektgesellschaft Artists Living Frankfurt Com GmbH & Co. KG, die zur CG-Gruppe gehört, stimmte der Magistrat zu. Für das Areal soll ein eigens darauf bezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Stadtverordneten werden darüber am 10. Dezember entscheiden. Bisher gebe es für die Fläche keinen Bebauungsplan, sagte Schneider. Im Flächennutzungsplan werde sie als Mischgebiet ausgewiesen. Die Pläne wurden im zuständigen Stadtverordnetenausschuss schon vorgestellt.

          1900 bis 2000 Menschen könnten in dem neuen Quartier leben

          Die CG-Gruppe sei ein Immobilien-Projektentwickler mit eigener Baukompetenz und führend auf dem Gebiet des Geschoss-Mietwohnungsbaus für institutionelle Kapitalanleger, hob Kutz hervor. Die vor 20 Jahren gegründete Gruppe hat etwa 250 Mitarbeiter und ist in Berlin, Leipzig und Dresden ebenso tätig wie in Frankfurt, Köln und Düsseldorf. In Offenbach will sie die beiden Hochhäuser entkernen und sanieren. Der Mittelteil des langgestreckten Gebäudes an der Berliner Straße wird bis auf wenige Stockwerke entfernt. Die Pläne sehen vor, dass in den Hochhäusern insgesamt 640 Wohnungen, jeweils 45 bis 55 Quadratmeter groß, nach dem „Vertical Village“-Konzept entstehen. Ähnliche Projekte gibt es schon in anderen Städten.

          Damit sollen Menschen angesprochen werden, die viel unterwegs sind und beruflich für einige Zeit an einem Ort bleiben. „Vertical Village“ schließe die Lücke zwischen „Boardinghouse“ und normaler Wohnung. Um die Hochhäuser gruppieren sich sechs- bis siebengeschossige Neubauten mit insgesamt 270 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Familien, darunter rund 50 im geförderten Wohnungsbau, und Flächen für Gewerbe. So sind Büros an der Strahlenbergerstraße vorgesehen. Von den insgesamt 92 300 Quadratmetern Mietfläche entfallen 54.000 Quadratmeter auf Wohnnutzung und 38.000 Quadratmeter auf gewerbliche Nutzung. Der Mietpreis für die Wohnungen des „Vertical Village“ liegt nach Angaben von Kutz bei 15 bis 16 Euro je Quadratmeter. Für die anderen Wohnungen werden 11,50 bis 13 Euro zu zahlen sein. 1900 bis 2000 Menschen könnten in dem neuen Quartier leben.

          Frankfurt und Offenbach wachsen zusammen

          Ursprünglich habe die CG-Gruppe zunächst nur Wohnungen auf dem Areal vorgesehen, sagte Schneider. Die Stadt wolle in Richtung Kaiserlei aber zunehmend Gewerbe ansiedeln. Man habe sich daher auf 60 Prozent Wohnen und 40 Prozent Gewerbe verständigt. Schneider machte deutlich, er sehe die Chance, die das Projekt biete, aber auch die Risiken, und hoffe, dass das Vorhaben „vom Markt so angenommen“ werde. Ihm wäre es lieber gewesen, „wenn es nur 400 Wohnungen wären“. Kutz ließ erkennen, er sehe „wenig Probleme“, Mieter für die Wohnungen zu finden: Frankfurt und Offenbach wüchsen zusammen; in der Region gebe es einen Mangel an hochwertigem Wohnraum. Auch um die Gewerbeflächen mache er sich keine Sorgen.

          Im Dezember will die CG-Gruppe den Bauantrag einreichen; die Baugenehmigung dürfte bis März 2016 vorliegen. Im Frühjahr nächsten Jahres soll damit begonnen werden, die Hochhäuser zu entkernen. Man müsse damit nicht warten, bis der Bebauungsplan vorliege, sagte Kutz. 2020 werde alles fertig sein. Bebaut werden nicht nur bislang freie Parkplatzflächen auf dem Areal; auch das Hotelgebäude an der Strahlenbergerstraße und ein Gebäude am Kaiserleikreisel, in dem sich ein Rechenzentrum befindet, müssen weichen. Das Rechenzentrum werde umgesiedelt, sagte Kutz. Der Mietvertrag für das Hotel laufe noch; mit dem Mieter werde verhandelt, wie es weitergehen solle.

          Weitere Themen

          Maden der Apfelgespinstmotte Video-Seite öffnen

          Schmetterlingsnachwuchs : Maden der Apfelgespinstmotte

          Im Mai und Juni fressen vielerorts die Larven von Gespinstmotten viele Obstbäume und Sträucher kahl. Die Maden sitzen in Gebilden, die Wattebäuschchen ähneln.

          Topmeldungen

          „Zerstörung der CDU“ bei Youtube : Kommt damit klar!

          „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“: Ein politisches Video des Youtubers Rezo sorgt unter Jugendlichen für Aufregung. Sein Titel: „Die Zerstörung der CDU“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.