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Folgen der Hessenwahl : Wohin gingen CDU-Wähler?

Die CDU hat bei der Hessenwahl zahlreiche Stimmen eingebüßt. Doch wohin sind diese geflossen? Bild: dpa

Die CDU ist nach wie vor die stärkste Macht in Hessen. Doch die Landtagswahl offenbart starke Verluste. Dabei kann man erkennen, wohin man die Stimmen verloren hat.

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          In Hessen sind bei der Landtagswahl Ende Oktober rund vier Mal so viele ehemalige CDU-Wähler zu den Grünen gewechselt wie zur AfD. Das ist das Ergebnis einer Wählerbefragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Demnach haben 41 Prozent der hessischen CDU-Abwanderer die Grünen gewählt (105.000 Personen), zur AfD wechselten nur neun Prozent (23.000). 19 Prozent der früheren CDU-Wähler blieben der Landtagswahl fern, zwölf Prozent wechselten zur FDP, zehn Prozent zur SPD und neun Prozent entschieden sich für eine andere Partei.

          Diese Zahlen überraschen, weil sie auf den ersten Blick den Analysen der Wählerwanderungen widersprechen, die nach der Hessen-Wahl veröffentlicht wurden. Nach jenen Befragungen, etwa von Infratest Dimap für die ARD, hat die CDU bei der Landtagswahl etwa gleich viele Wähler an die Grünen (99.000) und an die AfD (96.000) verloren.

          Rückgewinnung von den Grünen

          Der Widerspruch klärt sich auf, wenn betrachtet wird, was verglichen wird. Die in der ARD genannten Wanderungsbewegungen beziehen sich auf die beiden Landtagswahlen 2013 und 2018. Forsa vergleicht hingegen die Landtagswahl 2018 mit der Bundestagswahl 2017. Das halte er für den angemesseneren Bezugsrahmen, sagt auf Anfrage Manfred Güllner, der Leiter von Forsa, denn „die Leute entscheiden sich von Wahl zu Wahl“. Für aussagekräftiger als den Vergleich der beiden Landtagswahlen halte er den Sinneswandel derjenigen, die noch vor einem Jahr für die CDU gestimmt hatten. Im Bundestagswahlergebnis sei der politische Prozess von 2013 bis 2017 enthalten und etliche Wähler erinnerten sich gar nicht mehr daran, welcher Partei sie vor fünf Jahren ihre Stimme gaben.

          Von den Wählern, die bei der Bundestagswahl 2017 CDU oder CSU wählten, sich inzwischen aber von der Union abgewandt haben, würden laut Forsa bundesweit derzeit 37 Prozent die Grünen wählen, zehn Prozent die FDP, acht Prozent die AfD und fünf Prozent die SPD. 29Prozent der Unions-Abwanderer würden gar nicht wählen gehen. Elf Prozent neigen einer sonstigen Parteien zu, viele vermutlich den Freien Wählern, wo es sie gibt.

          Gegenüber der Mediengruppe RTL sagte Güllner, aus Sicht der CDU verspräche angesichts dieser Zahlen eine Rückgewinnung der zu den Grünen Abgewanderten mehr Erfolg als der Versuch, Wähler von der AfD zurückzuholen, zumal die Abwanderer zu den Grünen der politischen Mitte zuneigten. Die Forsa-Daten zur Wählerwanderung basieren auf einer Analyse von Wählerbefragungen am Wahltag in Hessen (2853 Wähler) sowie auf den Angaben von 11.685 zwischen dem 2.Oktober und dem 9.November im Rahmen des RTL/n-tv-Trendbarometers befragten Wahlberechtigten im Bundesgebiet.

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