https://www.faz.net/-gzg-o9ri

: CDU sieht sich in schwieriger Zeit

  • Aktualisiert am

Der Ausschluß des Fuldaer Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus der CDU/CSU-Fraktion bewegt die Partei auch im Rhein-Main-Gebiet. So berichten Geschäftsführer von Kreisverbänden von einer Reihe von Anrufen und Briefen.

          2 Min.

          Der Ausschluß des Fuldaer Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus der CDU/CSU-Fraktion bewegt die Partei auch im Rhein-Main-Gebiet. So berichten Geschäftsführer von Kreisverbänden von einer Reihe von Anrufen und Briefen. In Frankfurt hätten sich seit Montag täglich ungefähr sechs bis zehn Menschen gemeldet, meist ältere, und sich gegen den Ausschluß ausgesprochen, hieß es. Während aus der Geschäftsstelle des Kreisverbands Darmstadt verlautete, es sei relativ ruhig, war in Wiesbaden von gut einem Dutzend Briefen, E-Mails und Anrufen seit Montag die Rede, deren Autoren sich ebenfalls meist auf die Seite Hohmanns gestellt hätten. Der dortige Kreisgeschäftsführer Ulrich Weinerth meinte, die Zahl der Schreiben und Telefonate sei für CDU-Verhältnisse viel, zuletzt habe es eine solche Resonanz bei der Spendenaffäre gegeben. Hingegen warnte sein Frankfurter Kollege Thomas Feda davor, die Reaktionen zu überschätzen: Wenn wieder einmal die Müllgebühren erhöht werden sollten, beschwerten sich mehr Bürger. Anders sieht es in Fulda aus. Der CDU-Kreisvorsitzende Fritz Kramer sagte gestern nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur, "der Unmut ist mit den Händen zu greifen".

          Der Sprecher des CDU-Landesverbands, Michael Brand, berichtete auf Anfrage, es gebe nur vereinzelte Austritte. Auch der Landesverband habe eine Reihe von Schreiben erhalten, die die ganze Bandbreite der Meinungen zum Fall Hohmann spiegelten. Es gebe eine lebhafte innerparteiliche Diskussion, aber keine Welle des Protests. Brand gab zu, daß die CDU in einer "schwierigen Zeit" sei.

          Die hessische CDU-Führung sieht im Fall des osthessischen Abgeordneten keinen Anlaß, vom Abgrenzungskurs abzuweichen. Generalsekretär Michael Boddenberg bekräftigte gestern, daß auf Antrag des Landesvorsitzenden der CDU-Landesvorstand noch in diesem Monat das Parteiausschlußverfahren gegen Hohmann einleiten werde. Zum Ausschluß aus der Bundestagsfraktion wollten weder Boddenberg noch der CDU-Vorsitzende, Ministerpräsident Roland Koch, etwas sagen.

          Jüdisches Leben heute 63

          Bei einer Umfrage dieser Zeitung unter CDU-Politikern der Region äußerten sich gestern die meisten zustimmend zum Ausschluß Hohmanns. Die Union könne es sich nicht leisten, durch schwerwiegende Äußerungen einzelner Schaden zu nehmen, meinte Eva Maria Lang, Mitglied im Frankfurter Ortsbeirat 5. Dies bekräftigte auch Lutz Köhler, Schriftführer im CDU-Stadtverband Weiterstadt: "Hohmann hat sich auf jeden Fall parteischädigend verhalten. Der Ausschluß aus der Partei ist die logische Konsequenz." Für Sabine Goller, Schriftführerin bei der CDU Hochheim, passen Hohmanns Wertvorstellungen nicht zu denen der CDU. Daher hätte sie sich gewünscht, daß es noch schneller zu einem Ausschluß gekommen wäre. Die Geisenheimer Stadträtin Helen Reichel hingegen hätte den Bundestagsabgeordneten lieber weiter beobachtet, den Fraktionsrauswurf empfindet sie als zu hart. "Ein bißchen Bauchweh" hat auch Manfred Holler, Mitglied im Frankfurter Ortsbeirat 4. Für den Frankfurter ist die Abstimmung nur aufgrund des Drucks von Opposition und Medien erfolgt. (mak./a.k./stha.)

          Weitere Themen

          Auf der Suche nach dem NSU 2.0

          Nach Drohungen gegen Anwältin : Auf der Suche nach dem NSU 2.0

          Seit einem Jahr wird gegen mehrere Frankfurter Polizisten ermittelt, die rassistische Inhalte ausgetauscht einer Anwältin gedroht haben sollen. Noch heute ist verwunderlich, warum niemand etwas bemerkt haben will. Doch was hat sich seitdem getan?

          Topmeldungen

          Parteitag stimmt zu : Die SPD sagt vorerst Ja zur Groko

          Der Leitantrag zum Fortbestand der Großen Koalition findet auf dem Parteitag in Berlin eine breite Unterstützung: Die Genossen wollen ihre neuen Vorsitzenden stärken. Die sollen nun Gespräche mit der Union suchen.

          Merkel in Auschwitz : Die Bausätze des Hasses

          Die Lehre von Auschwitz lautet: Wehret den Anfängen! Schon die Vorgeschichte des Holocausts muss den Anhängern der freiheitlichen Demokratie daher eine Warnung sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.