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CDU-Bewerber für Bundestagswahl : Steinbachs Kampf gegen das politische Aus

Erika Steinbach hat in der CDU nicht nur Freunde. Sie muss um ihren Wahlkreis kämpfen. Bild: Wresch, Jonas

Die Frankfurter CDU entscheidet in Kürze über ihren Bewerber im östlichen Bundestagswahlkreis. Erika Steinbach, die den Wahlkreis derzeit vertritt, muss gegen zwei Männer antreten.

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          In der Frankfurter CDU hat das Spekulieren begonnen. Im Mittelpunkt allen Rechnens und Ratens befindet sich Erika Steinbach, die langjährige Bundestagabgeordnete der Partei. Steht sie Ende nächster Woche tatsächlich vor dem politischen Aus? Oder schafft es die 69Jahre alte Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) ein weiteres Mal, die Delegierten eines CDU-Parteitags davon zu überzeugen, sie und nicht einen ihrer beiden Konkurrenten für die Bundestagswahl im September zu nominieren?

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Steinbach gibt sich zuversichtlich. „Ich kandidiere, und wenn ich kandidiere, will ich auch gewinnen.“ Ihre Gegner am übernächsten Samstag, den 31Jahre alten Stadtverordneten und Vorsitzenden der Jungen Union, Ulf Homeyer, und den 54Jahre alten kulturpolitischen Sprecher der Römer-Fraktion, Thomas Dürbeck, bezeichnet sie zwar als „qualifizierte Mitbewerber“. Sie sagt aber auch, dass ihre Erfahrung eindeutig für sie selbst als Kandidatin spreche. Steinbach vertritt seit 1990 den südöstlichen der beiden Frankfurter Wahlkreise im Bundestag; im Westen tritt abermals Matthias Zimmer für die CDU an, er darf sich seiner Nominierung sicher sein. „Ich bin angstfrei beim Ansprechen wichtiger Themen“, sagt Steinbach. Aus 13Jahren als Stadtverordnete kenne sie außerdem die politischen Abläufe in Frankfurt bestens.

          Viele werfen Steinbach vor, nicht genug präsent zu sein

          Ulf Homeyer ist erst seit 2011 Mitglied der Rathaus-Fraktion. Der Betriebswirt, der in einer Agentur für Finanzkommunikation arbeitet, sieht dem Parteitag nach eigenen Worten „sehr optimistisch“ entgegen. Er habe die vergangenen Monate genutzt, um sich in den Stadtbezirksverbänden vorzustellen. Die Resonanz sei gut gewesen. Für sich werbe er mit den Themen Wirtschaft und Finanzen, „beide immens wichtig für Frankfurt“. Seinen Arbeitsschwerpunkt im Falle eine Nominierung und einer späteren Direktwahl im September sieht er „hier im Wahlkreis und nicht in Berlin“, wie er hervorhebt.

          Das ist eine Spitze gegen Steinbach. Denn viele in der CDU werfen ihr vor, zu selten in Frankfurt präsent zu sein. Dabei geht es den Kritikern weniger um Termine in der Paulskirche und im Römer als um jene Treffen, die das Herz und die Seele einer Volkspartei ausmachen: Weihnachtsfeiern, Sommerfeste, Ausflüge. Steinbach weist den Vorwurf seit Monaten zurück, aber manch ein Parteifreund will bemerkt haben, dass sie erst seit vergangenem Herbst wieder öfter auf kleineren CDU-Veranstaltungen anzutreffen sei. Wer sie in Schutz nehmen will, weist auf die vielen Termine hin, die sie als Bundestagsabgeordnete und BdV-Präsidentin wahrzunehmen habe.

          Ohne Absprache kandidiert

          Den Dritten im Bunde hatten die Strippenzieher der Partei nicht auf dem Zettel. Eigentlich, so lautete der Plan, sollte die bei vielen Frankfurter CDU-Mitgliedern nicht mehr allzu beliebte Erika Steinbach durch den Nachwuchsmann Homeyer ersetzt werden. Doch dann bewarb sich aus eigener Initiative auch der kulturpolitische Fraktionssprecher Thomas Dürbeck. Der Anwalt, der mit einer Italienerin verheiratet ist und drei Kinder hat, hält sich vor allem wegen seiner Lebenserfahrung und seiner Weltoffenheit für den richtigen Bewerber. „Der Wahlkreis ist nicht einfach, weil wir dort die komplette Fluglärmproblematik und eine starke Grünen-Wählerschaft haben.“ Er passe da vom Profil her am besten hinein, meint Dürbeck und sagt: „Ich schätze meine Chancen als ganz gut ein.“

          Das unterscheidet ihn von manchem Führungsmitglied der Partei. „Ich sehe keine Strömung zu seinen Gunsten“, sagt ein Insider. Manche waren regelrecht verstimmt darüber, dass Dürbeck seine Kandidatur ohne Absprache bekanntgab. Andere sehen in ihm vor allem einen Mann, der dem ursprünglich bevorzugten Bewerber Homeyer Stimmen kosten könnte - so dass am Ende doch wieder Steinbach das Rennen macht. Sie gehen davon aus, dass Dürbeck, der aus dem kleinen Verband Ostend stammt, zum Beispiel bei den Nachbarn aus Bornheim und Nordend punkten wird. Und vielleicht nicht nur bei denen.

          Angesichts dieser sehr ungewöhnlichen Dreier-Konkurrenz wird es stärker als sonst auf den Auftritt vor den Delegierten des Parteitags ankommen. Falls keiner der drei im ersten Wahlgang mehr als 50Prozent der Stimmen bekäme, müssten sich die beiden besten Bewerber im Anschluss einer Stichwahl stellen. Steinbach muss versuchen, das Herz der Zuhörer zu erreichen, ohne zu angespannt zu wirken. Doch das dürfte schwierig werden, schließlich hat sie am meisten zu verlieren. In einem Punkt sind sich jedenfalls alle in der Partei einig: Es wird ein sehr knappes Ergebnis werden.

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