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Catering in Corona-Zeiten : Nichts zu tun im leeren Stadion

Im Abseits: die Caterer Kofler, Weber und Weigel (von links) Bild: Francois Klein

Wenn Fußball ohne Zuschauer stattfindet, stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der neue Caterer im Waldstadion sieht einer schwierigen Zeit entgegen.

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          Es hätte so schön werden können mit den Fantastischen Vier. Aus Anlass ihres Bühnenjubiläums wollten die Hip-Hopper aus Stuttgart im Sommer im Frankfurter Waldstadion spielen. Eigentlich. Vermutlich wäre die Arena voll gewesen, wenn Smudo, Thomas D., Michi Beck und Andy Ypsilon ihren 30.Geburtstag gefeiert hätten. Doch die Covid-19-Pandemie hat den Fans, der Band und einem Unternehmen aus Frankfurt einen Strich durch die Rechnung gemacht, für das der Gig der Start in eine neue Zeit hätte sein sollen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn seit 1. Juli sind drei Unternehmer aus Frankfurt die neuen Wirte in der Arena. Michael Weigel und Stefan Weber haben gemeinsam mit Klaus Peter Kofler die Supreme Sports Hospitality Frankfurt GmbH gegründet und damit den Zuschlag für den Betrieb der Stadiongastronomie erhalten. Nun lösen sie den bisherigen Caterer Aramark ab und kümmern sich um die Bewirtung an den Kiosken und in den Logen.

          Doch die Sache hat einen Haken: Das Coronavirus hat den Stadionbetrieb in weiten Teilen lahmgelegt. Das betrifft Konzerte wie jenes der Fantastischen Vier; das betrifft aber auch die in der Regel mit 51.500 Zuschauern ausverkauften Heimspiele der Frankfurter Eintracht. Bei den ersten beiden Partien im Waldstadion in der seit September laufenden Saison gegen Arminia Bielefeld und gegen 1899 Hoffenheim waren nur 6500 beziehungsweise 8000 Zuschauer für das Stadionrund zugelassen. Wenn die Adlerträger aus Frankfurt am Samstag Werder Bremen empfangen, werden wegen der Infektionslage in der Mainmetropole gar keine Anhänger das Spiel live vor Ort verfolgen können.

          „Wir machen jetzt das Beste daraus“

          Für das gerade erst gegründete Unternehmen kommt die Corona-Krise zur Unzeit. „Natürlich haben wir uns den Start als Caterer im Stadion anders vorgestellt“, sagt Pascal Lagardère, Personalchef des Unternehmens. „Aber wir machen jetzt das Beste daraus.“ Wochenlang hatte Sports Hospitality viel Geld investiert, um zum Beispiel eine Großküche im ersten Obergeschoss der Arena umzubauen und zu modernisieren, um von dort aus die Business-Bereiche und Logen optimal bedienen zu können.

          Wie stark die Krise das Catering-Unternehmen trifft, zeigen die Zahlen. Denn in einem ausverkauften Stadion, so erklärt Lagardère, „beschäftigen wir normalerweise bis zu 800 Leute nur für das Catering.“ Beim Heimspiel gegen Hoffenheim waren aufgrund der geringen Zuschauerzahl nur 210 Männer und Frauen im Einsatz. Bekommt in einem vollen Stadion sonst jede Loge ihre eigene Servicekraft, kümmert sich in einer Arena mit weniger als 10.000 Besuchern eine Bedienung um zwei dieser exklusiven Sitzplatz-Bereiche. Zudem sind an Spieltagen mit einer Teilauslastung weniger Kioske und Grillstationen geöffnet. Mindestens bis Ende November werden sie nun alle geschlossen bleiben, weil Profisport bis dahin ohne Zuschauer stattfinden wird.

          Schwierige Situation für das junge Unternehmen

          Für Weigel und Weber war der Einstieg ins Stadiongeschäft eigentlich der nächste logische Schritt ihrer Karriere als Caterer. Im Jahr 2005 hatten die beiden Eintracht-Fans ein Unternehmen namens Casualfood gegründet, das mit dem Verkauf zum Beispiel von Kaffee, Brezeln und Pizza in Läden an Bahnhöfen und Flughäfen schnell wachsen konnte zu einem mittelständischen Betrieb. Auch Klaus-Peter Kofler kennt sich gut aus mit Gastronomie und Catering. Bei der Ausschreibung von Eintracht Frankfurt für die Bewirtung im Stadion bewarben sie sich gemeinsam mit einem mutigen Konzept, das weit über Bier und Bratwurst hinausreicht und mit dem sie sich gegen große Konkurrenz durchsetzten. Der Startschuss sollte beim Konzert der Fantastischen Vier erfolgen.

          Nun muss das junge Unternehmen mit der Situation klarkommen, und das gilt auch für die große Zahl an Helfern. Die Bewirtung bei den Fußballspielen – in der Bundesliga kommt die Eintracht auf 17 Heimspiele, zusätzlich können Partien im DFB- und im Europapokal stattfinden – wird von einem Heer an Studenten, kurzfristig Beschäftigten und Mini-Jobbern erledigt, wie Lagardère berichtet. „Wir halten in der Krise mit unserem Team, das nur an den Spieltagen im Einsatz ist, so gut es geht Kontakt“, sagt er. Schließlich sei die Situation für diese Leute derzeit vermutlich schwierig.

          Das Gleiche gilt für das Unternehmen selbst. Denn wer mit Einnahmen aus Konzerten und Bundesliga-Spielen kalkuliert, in Konzepte, Logistik und Modernisierungen investiert, hat vermutlich in der Kasse ein Loch. „Wir haben mit mehr Zuschauern bei den Heimspielen der Eintracht kalkuliert, denn mit der Corona-Krise konnte ja keiner rechnen“, sagt Lagardère. „Aber wir sind derzeit noch nicht in Sorge und rechnen mit keiner wirtschaftlichen Schieflage.“

          Wie wichtig Zuschauer für die Bundesliga sind, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey, wonach in der Spielzeit 2018/19 rund 127.000 Arbeitsplätze an den 18 Klubs der Ersten Bundesliga hingen. Dazu gehören auch Bierverkäufer, Greenkeeper, Hostessen, Ordner und Kameramänner. Mit jeder Partie ohne oder mit wenigen Zuschauern stehen Hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel. Pascal Lagardère und die Sports Hospitality Group können es kaum erwarten, den Besuchern in einem ausverkauften Stadion ihr Angebot zu präsentieren. Vielleicht klappt das ja bis zum 2. Juli 2021. Dann haben sich die Fantastischen Vier angesagt, um ihr Bühnenjubiläum nachzuholen.

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