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Carsharing in Rhein-Main : Das geteilte Auto

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Interessant wird Carsharing für viele aber erst dann, wenn auch Ein-Weg-Fahrten möglich sind. Book-n-Drive hat dies erkannt und ermöglicht inzwischen solche Reisen zwischen Frankfurt, Darmstadt, Mainz und Wiesbaden bei einem Aufpreis von sechs Euro je Fahrt. Das lohnt sich im Vergleich zum S-Bahn-Ticket schon dann, wenn mehr als eine Person im Auto sitzt.

So oder so wächst der Markt zusammen. Stadtmobil-Kunden sind im Anschluss an eine Bahnfahrt auch in anderen Städten wie etwa Berlin mobil, Car2go ist weltweit an 30 Standorten vertreten, davon in sieben Städten in Deutschland. Book-n-Drive-Kunden können, auch dank Kooperation mit der Carsharing-Tochter der Bahn, Flinkster, auf eine Flotte von 6000 Mietwagen zurückgreifen.

Und der Markt bleibt in Bewegung. Der Autobauer Opel hat soeben angekündigt in das Autoteilen-Geschäft mit Privatwagen einzusteigen. Details dazu wird das Unternehmen in der nächsten Woche bekanntgeben. Partner ist das Start-up-Unternehmen Tamycar (Abkürzung von „Take my Car“), das nach eigenen Angaben in Frankfurt 660 registrierte Fahrzeuge und 2730 Nutzer hat.

Schnell wachsende Franzosen

Die neue Konkurrenz aus Frankreich, Drivy, ist erst seit kurzem in Frankfurt auf dem Markt mit inzwischen 50 Fahrzeugen, dürfte aber demnächst etwas schlagkräftiger auftreten, da das Unternehmen das Portal Autonetzer samt seiner Kunden übernommen hat. Zurzeit werde die Kundendatei auf den neuesten Stand gebracht, heißt es. Drivy ist nach eigenen Angaben mit 11.000 registrierten Fahrzeugen der führende Anbieter für privates Carsharing in Deutschland.

Das Teilen von privat zu privat ist inzwischen überhaupt nur deshalb möglich, weil Autoversicherer dafür günstige Tagesversicherungen anbieten. Es lohnt sich vor allem für längere Fahrten. Denn Autobesitzer und Mieter müssen sich vor der Abfahrt und nach Ende der Ausleihe zur Schlüsselübergabe treffen. Ein BMW-Mini-Angebot für den heutigen Samstag (7 bis 20 Uhr, 100 Kilometer) lag gestern bei Tamycar bei 35 Euro am Tag. Mit der Zahl der gefahrenen Kilometer steigt der Preis. Wollte Simone K. etwa mit dem Mini bis Sonntag zu ihren Eltern fahren (hin und zurück 650 Kilometer), würde der Besitzer 110 Euro berechnen.

Kurios: Die Wochenendangebote der klassischen Mietwagenunternehmen sind im Vergleich dazu zum Teil günstiger. Einen VW-Polo bei Avis fand Simone K. neulich im Basis-Tarif schon für 51,80 Euro für drei Tage (Freitag bis Montag), mit unbegrenzten Kilometern.

Die Frankfurterin könnte jetzt hergehen und ihr eigenes Auto auch bei Takemycar und Drivy einstellen. Im ersten Fall dürfte sie 85 Prozent der Mieteinnahmen behalten, im zweiten Fall 70 Prozent. Das wäre eine Option: Das eigene Auto teilen, statt es allein zu besitzen und zu finanzieren. Und wenn das Auto mit einem Fremden unterwegs wäre, Simone K. aber dringend ein Auto benötigte, könnte sie auf einen Car2go-Smart oder einen City-Flitzer zurückgreifen. Oder sie könnte aufs Fahrrad steigen oder in die S-Bahn. Oder ein Taxi rufen. So viel Mobilität war nie.

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