https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/cargo-human-care-eroeffnet-ein-jugendzentrum-in-nairobi-13941541.html

F.A.Z.-Leser helfen : Abflug in ein neues Leben

  • -Aktualisiert am

Gute Aussichten: Das neue Jugendhaus soll den groß gewordenen Waisen eine Perspektive und einen guten Start ins Erwachsenenleben bieten. Bild: Helmut Fricke

Die Spenden sind angekommen: Am Rande von Nairobi eröffnet der Frankfurter Verein Cargo Human Care sein Jugendzentrum für Waisenkinder. Einen guten Teil der Baukosten haben die Leser der Rhein-Main-Zeitung beigesteuert.

          4 Min.

          Die Gangster in Nairobi sollten sich in Zukunft in Acht nehmen. Bald könnten sie es mit Julius zu tun bekommen. Der junge Mann hat ein Jahr Kriminalistik-Studium hinter sich. Nun wisse er, wie er Spuren sichert, wie er Täter verfolgen kann und in gefährlichen Situationen den Kopf behält, erzählt der Einundzwanzigjährige. Julius ist Waise, er kommt aus einer armen Gegend. Dass einer wie er bald Streife auf Kenias Straßen läuft, ist alles andere als normal. Dass er überhaupt die Chance auf ein behütetes Leben und auf Bildung bekommen hat, das hat er auch den Helfern von Cargo Human Care zu verdanken und im Besonderen Kapitän Fokko Doyen.

          Der heutige Flottenchef von Lufthansa Cargo hat das Mothers’ Mercy Home außerhalb von Nairobi zufällig entdeckt. Zehn Jahre ist das her, damals bestand das Waisenhaus nur aus Wellblechhütten. Seitdem ist ein kleines Dorf daraus geworden, das Platz für 120 Kinder bietet und eine Medizinstation hat, die jeden Tag mehr als 100 Patienten versorgen kann.

          Hoffnung auf ein eigenständiges Leben

          Doch mit dem Erfolg des Mercy Homes kam ein neues Problem. Als der erste Jahrgang die High School abschloss und damit auch das Waisenhaus verlassen musste, wurde den Helfern klar: „Unsere Kinder brauchen auch nach dem Abschluss noch viel Hilfe“, wie Doyen sagt. Das fängt mit der Wohnung an. Ein eigenes Zuhause können sich die jungen Leute nicht leisten, und ihre Verwandten haben meistens keinen Platz für sie – sonst hätten sie ja nicht im Mothers’ Mercy Home leben müssen. So entstand die Idee eines Jugendzentrums.

          Es soll eine Art Notfall-Unterkunft werden für die Waisen mit Schulabschluss, aber noch viel mehr. Im Erdgeschoss finden sich großzügige Seminarräume. Dort sollen auch Kinder aus der Umgebung die Chance bekommen, Computer und Handwerksberufe kennenzulernen. Über allem steht die Hoffnung, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu helfen, ein eigenständiges Leben zu führen, den passenden Beruf zu finden und gute Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.

          Das Konzept von Cargo Human Care findet immer mehr Unterstützer. Als der Verein das fast fertige Haus vergangene Woche mit einem großen Fest eröffnete, saß auch die deutsche Botschafterin in Kenia, Jutta Frasch, in der ersten Reihe. Mitgebracht hatte sie die besten Wünsche ihres obersten Dienstherren. Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist Schirmherr des neuen Hauses, er lobte die Arbeit von Cargo Human Care und drückte seinen Stolz darüber aus, dass seine Landsleute in Nairobi den Jugendlichen eine Perspektive geben.

          Kleine Fußabrücke symbolisieren einen langen Weg

          Das Mothers’ Mercy Home und das künftige Jugendhaus trennen vielleicht 30 Fahrminuten, wer aber dort hinzieht, muss einen großen Schritt schaffen. Die jungen Erwachsenen finden dort alles, was sie für ein Leben auf eigenen Füßen brauchen, die Behütung, aber auch die Enge des Waisenhauses lassen sie hinter sich. Im Erdgeschoss ist zudem viel Platz für Seminare und Weiterbildung. Ein Schulungsprogramm ist schon in Planung.

          Die Hilfe wäre in diesem Ausmaß undenkbar, wenn der Vorstand von Lufthansa-Cargo den Verein nicht unterstützen würde. Die ehrenamtlichen Ärzte und das Material kommen mit den Frachtmaschinen unentgeltlich nach Nairobi, wann immer das möglich ist. Das Engagement des Vereins passe in vielerlei Hinsicht zu Lufthansa Cargo, sagte Martin Schmitt, Finanz- und Personalvorstand, zur Eröffnung des Hauses: „Uns verbindet, dass wir anpacken, statt nur zu reden.“ Als Zeichen der Verbundenheit ist am Tag nach der Eröffnungsfeier die sonderlackierte MD-11F auf dem Kenyatta Airport von Nairobi gelandet. Viele kleine Fußabdrücke am Rumpf symbolisieren den langen Weg, der vor den Kindern liegt.

          Weitere Themen

          Einfach zum Wohlfühlen

          Lokaltermin in „Bellas Lokal“ : Einfach zum Wohlfühlen

          Weniger ist mehr: Bellas Lokal in Bad Soden überzeugt mit einer kleinen, pointierten Karte und mit Gerichten wie Kohlrabi mit Schwedenmilch. Küchenchefin Isabelle Pering sieht das Gute im Einfachen.

          Topmeldungen

          Interpretieren die nächtlichen Beschlüsse unterschiedlich: Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne)

          Neuwagen ab 2035 : Verbrenner-Aus oder Aus für Verbrenner-Aus?

          Auf den Koalitionsstreit über das Verbrenner-Aus folgt der Streit darüber, wie der Kompromiss der EU-Umweltminister zur Zukunft des Verbrennungsmotors zu verstehen ist. Klar ist: Die Minister haben das Verbot 2035 beschlossen, aber es gibt zwei Hintertüren.
          Stoltenberg, Erdogan, Niinistö und Andersson sind im Hintergrund zu sehen, vorne sitzen die Außenminister der Türkei (Cavusoglu), Finnlands (Haavisto) und Schwedens (Linde)

          NATO-Gipfel : Erleichterung in Schweden und Finnland

          In Schweden und Finnland wurden die Nachrichten vom NATO-Gipfel größtenteils mit Erleichterung aufgenommen. Nur in Stockholm droht eine Abgeordnete mit kurdischen Wurzeln der Regierung mit Konsequenzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.