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Schmiergeld-Prozess : „Eine Million pro Jahr Haft“

An Selbstbewusstsein scheint es ihm nicht zu mangeln: Ardi Goldman auf der Anklagebank. Bild: dpa

Zu Teilen fühlten sich die Zuhörer des Prozesses um eine mögliche Korruption am Frankfurter Flughafen in eine Ganovenkomödie versetzt. Im Laufe der Verhandlungen ergab sich einiges Skurriles.

          2 Min.

          Eines muss man Ardi Goldman lassen: Der Frankfurter Projektentwickler tritt im Prozess vor dem Landgericht, in dem er und zwei weitere Geschäftsleute sowie ein Makler der Korruption im Zusammenhang mit Grundstückskäufen am Flughafen beschuldigt werden, weiterhin sehr selbstbewusst auf. Sogar in Situationen, in denen es für ihn brenzlig zu werden scheint, hat Goldman nicht den Glauben an sich selbst verloren, an seine Überzeugungskraft und an seine gesellschaftliche Position - oder an alles zusammen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hier ein Beispiel für eine solche Lage: Der Vorsitzende der Kammer, Christoph Erhard, hatte Goldman mit der hypothetischen Frage konfrontiert, ob er unmittelbar an den Flughafenbetreiber Fraport statt der geleisteten sogenannten Developer fees von einer Million auch drei oder gar vier Millionen gezahlt hätte, um in der Cargo-City Süd zum Zuge zu kommen. Nein, antwortete dieser, er hätte dann Fraport verklagt, und das Unternehmen hätte es sich nicht leisten können, einen Prozess gegen ihn zu führen.

          Eine zweifelhafte Offerte

          Abseits solchen Geplänkels stand im Vordergrund, ob Goldman 2006 davon wusste, dass der von ihm beauftragte Makler Uwe S. dem früheren Fraport-Abteilungsleiter Volker A. Schmiergeld versprochen habe. Goldman räumte ein, der Makler habe ihn davon unterrichtet, dass der angeblich so einflussreiche Fraport-Mitarbeiter „bedacht“ werden, sprich Geld sehen wolle. Goldman wies dies, wie er sagt, damals als für ihn „undenkbar“ zurück, denn er zahle nur für Leistungen. Und überhaupt habe er mit Vorgesetzten von A. über das Projekt verhandelt, es mithin nicht nötig gehabt, A. zu bestechen. Am Ende hatte Goldman mit dem Investment knapp 14 Millionen Euro verdient.

          Das Gericht und später die Staatsanwaltschaft konfrontierten Goldman mit Mails, aus denen man auf ein engeres Verhältnis zu dem Fraport-Mitarbeiter schließen könnte. Der Angeklagte wehrte solche Vorhalte jedoch unter anderem dahingehend ab, dass er vieles davon nicht lese. Er verfahre nach der Chaostheorie, nach der das wirklich Wichtige wiederkomme. Und er bat das Gericht, seine Intelligenz zu achten, dass, wenn er tatsächlich geschmiert hätte, dies nicht in Briefen oder elektronischer Post dokumentieren würde.

          In eine Ganovenkomödie versetzt fühlten sich Beteiligte und Zuhörer, als im Prozess ein Treffen Goldmans mit einem Vertrauten des Maklers nach dessen Entlassung aus der Untersuchungshaft Anfang 2014 zur Sprache kam. Der Unterhändler soll Goldman mit der Forderung des Maklers, der Goldman bei der Staatsanwaltschaft belastet hatte, konfrontiert haben, der Gegenwert für ein Jahr Gefängnis betrage eine Million; das habe er im Knast gelernt. Er, der Makler, müsse mit vier Jahren Haft rechnen, falls er die Schuld auf sich nehme. Ob dies ein Angebot gewesen sein soll, die Aussage zurückzunehmen, blieb offen. Er habe die Offerte entrüstet zurückgewiesen, sagte Goldman. In der nächsten Woche will der Makler noch einmal aussagen.

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