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Cannabis-Freigabe : Jetzt bloß nicht das L-Wort sagen

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So weit die Analyse. Aus der steigenden Beliebtheit der „weichen“ Droge Cannabis lassen sich verschiedene Schlüsse ziehen. In Frankfurt arbeiten besonders viele Fachleute, die der Meinung sind, dass es an der Zeit ist, über eine grundlegende Cannabis-Reform nachzudenken, soll heißen: Schritte in Richtung einer Freigabe zu machen. Der FH-Professor Heino Stöver vermeidet aber konsequent das Wort „Legalisierung“. Er spricht lieber von einer „Cannabis-Regulierung“. Klingt besser, meint aber letztlich das Gleiche. Nach Ansicht des Soziologen überlässt der Staat den Markt für Cannabis bisher kriminellen Banden, statt lenkend einzugreifen. Er gebe damit jeglichen Einfluss auf. Mit staatlichen, streng kontrollierten Verkaufsstellen könne dem Schwarzmarkt der Hahn abgedreht werden und Jugendlichen der Zugang zu Cannabis verwehrt werden. Und das Geld, das bisher für die Strafverfolgung ausgegeben werde, könne der Prävention zugutekommen.

Für die CDU „stellt sich die Frage nicht“

Stöver hat einen guten Draht zur Grünen-Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig. Er half mit, eine großangelegte Tagung zu dem Thema zu organisieren. An deren Ende sagte Heilig, dass sie nun auch den Eindruck habe, dass die Stadt neue Wege beim Umgang mit der Hanf-droge gehen sollte.

Die Frankfurter CDU, die für sich in Anspruch nimmt, auch Antworten auf Großstadt-Fragen zu haben, hatte zuvor lange geschwiegen und damit der Legalisierungslobby das Feld überlassen. Erst nach der Tagung schien ihr so richtig aufgegangen zu sein, dass auch sie eine Meinung zu dem Thema entwickeln sollte. Um es kurz zu machen: Eigentlich sieht die CDU keinen Handlungsbedarf. „Die Frage stellt sich nicht“, ist schon fast die Langform der Unions-Argumentationskette.

So ist es kein Wunder, dass die Befürworter einer Freigabe noch immer die Diskussion beherrschen. Unter ihnen sind vernünftige Leute wie Stöver, aber auch Freizeitkiffer, die den Hanf am liebsten für alle freigeben würden. Und dann gibt es die Fraktion, der vor allem der medizinische Nutzen des Krauts am Herzen liegt. Langsam, ganz langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass das zwei völlig verschiedene Diskussionen sind. Diese Differenzierung hat in Frankfurt immerhin dazu geführt, dass sich die Stadtregierung überhaupt auf etwas einigen konnte.

Heiligs Freude über das „Pilotprojekt“

Der kleinste gemeinsame schwarz-grüne Nenner in der Cannabis-Debatte hat eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse und jede Woche zwei Stunden lang Sprechstunde im Gesundheitsamt. Seit kurzem bilden Michael Schmidt und Markus Cronjäger neben ihren eigentlichen Jobs das Personal des „Medical Marihuana Projects“. Der Arzt und der Jurist haben schon lange mit Cannabis zu tun. Im Auftrag des Drogenreferats sollen sie fortan Kranke beraten, die glauben, dass Cannabis-Medikamente ihnen helfen könnten.

Der Stadträtin Heilig hat es vor wenigen Wochen große Freude bereitet, die beiden Herren vorzustellen. „Pilotprojekt.“ „Bundesweit.“ „Einmalig.“ Welche Kommunalpolitikerin nimmt diese Worte nicht gern in den Mund? „Dabei können wir eigentlich gar nicht viel tun“, sagt Schmidt. Sie dürfen weder Cannabis verschreiben, noch haben sie geheime Informationen, wie an die begehrten Ausnahmegenehmigungen für Cannabis-Blüten oder die Rezepte für Medikamente auf Cannabis-Basis zu kommen ist. Trotzdem haben die beiden Fachleute schon alle Hände voll zu tun.

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