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Butzbacher Ökomode-Händler : Verkauf von Hess Natur umstritten

Hängepartie Hess Natur soll in die Schweiz verkauft werden – aber Gegner formieren sich Bild: Sick, Cornelia

Der bisherige Eigentümer von Hess Natur will am Verkauf des Ökomode-Händlers an einen Finanzinvestor festhalten. Gleichwohl sieht sich die Genossenschaft HN Geno noch im Rennen.

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          Am Verkauf des führenden deutschen Ökomode-Unternehmens Hess Natur an den Schweizer Finanzinvestor Capvis wird trotz erheblicher Mitarbeiterproteste nicht mehr gerüttelt. Für Nachverhandlungen mit der HN Geno, einer vom Hess-Natur-Betriebsrat mitgegründeten Finanzierungsgesellschaft, gebe es keinen Anlass, sagte Matthias Siekmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Siekmann ist Geschäftsführer der Primondo Specialty Group (PSG), die ehemals zum Handelskonzern Arcandor gehörte und bisher Eigentümer von Hess Natur war. Dem Vernehmen nach hat Capvis einen höheren Preis für das Naturmodehaus geboten als HN Geno, was die Genossenschaft in einer Mitteilung allerdings bestreitet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Offiziell gibt es keine Angaben zum Kaufpreis, Marktkenner vermuten aber, dass Capvis rund 40 Millionen Euro oder sogar etwas mehr aus dem eigenen Fonds für Hess Natur bezahlt hat. HN Geno hatte sich für ein Übernahmeangebot zuletzt mit dem Finanzinvestor Deutsche Industrie-Holding zusammengetan und wollte auf diese Weise 30 bis 35 Millionen Euro aufbringen. „Es hat mit HN Geno aber keine Vereinbarungen gegeben, dass sie am Verkaufsprozess beteiligt werden oder den Datenraum einsehen können“, sagte Siekmann.

          Basic als Mahnung

          Die Genossenschaft um den Hess-Natur-Betriebsratsvorsitzenden Walter Strasheim-Weitz stört sich nicht nur am neuen Besitzer, sondern auch an der überraschend schnell erzielten Einigung zwischen PSG und Capvis. Zwar hatte sich Capvis Hess Natur vor einem Jahr schon einmal angesehen, nun aber erfolgte der Verkauf innerhalb von wenigen Tagen. „Es gab keinerlei offiziellen Verkaufsprozess, das ist der völlig falsche Weg“, bemängelte Strasheim-Weitz.

          Die HN Geno will allerdings noch nicht die Segel streichen. „Zwischen dem Signing und Closing eines Verkaufs rinnt noch viel Sand durch die Eieruhr“, sagte ein Vorstandsmitglied der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. HN Geno fertige weiter ihr in der vergangenen Woche angekündigtes Gebot für die Übernahme aus. Die Genossenschaft habe den expliziten Auftrag, Hess Natur zu übernehmen. Hinter der Hoffnung, doch noch zum Zug zu kommen, steht das Kalkül, Kunden könnten den neuen Eigentümer Capvis in Bedrängnis bringen. Es sei zu befürchten, dass sich die Kunden vom Unternehmen abwenden könnten, ähnlich wie dies einst bei der Bio-Supermarktkette Basic geschehen sei, als der Discounter Lidl & Schwarz dort eingestiegen war, hieß es.

          Erste Proteste im Internet

          Erste Anzeichen von Protest gibt es schon: Im Internet wurde eine Seite erstellt, die den Verkauf an Capvis kritisiert. Auch rügt das globalisierungskritische Netzwerk Attac den geplanten Verkauf. Er stehe in Widerspruch zu dem sozialen und ökologischen Unternehmensmodell von Hess Natur, hieß es. Schon im vergangenen Jahr war nach heftigen Protesten aus der Kundschaft ein Verkauf von Hess Natur an den Finanzinvestor Carlyle gescheitert. Den Amerikanern war angekreidet worden, auch an Rüstungsfirmen beteiligt zu sein.

          Von der PSG hatte Carlyle seinerzeit ein Bündel von sechs Spezialversandhändlern, darunter Baby Walz, übernommen. Die PSG ist jetzt noch Miteigner des Gemeinschaftsunternehmens Tristyle Mode, das sie zusammen mit dem Unternehmer Klaus Wirth führt. Zu dieser Gruppe gehören auch die Modeversandhäuser Peter Hahn und Madeleine. Ziel sei auch bei Tristyle die Veräußerung „auf absehbare Zeit“, sagte Siekmann, entweder im Paket oder in einzelnen Teilen. Allerdings sei kurzfristig kein Verkauf geplant, fügte er hinzu. Die Verkaufserlöse sollen indirekt den ehemaligen Karstadt-Quelle-Mitarbeitern zugute kommen. Ihr Pensionsfonds hatte nach dem Arcandor-Zusammenbruch eine stille Einlage von 500 Millionen Euro an die PSG geleistet.

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