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Butzbacher Ökomode-Händler : Hess Natur geht an Schweizer Investor

  • -Aktualisiert am

Grünes Label im Grünen: Hess Natur sitzt in Butzbach Bild: Wohlfahrt, Rainer

Deutschlands größter Spezialversender für Ökomode, Hess Natur aus Butzbach, bekommt einen neuen Eigentümer. Die ebenfalls interessierte Mitarbeiter-Genossenschaft kritisiert den Verkauf.

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          Deutschlands größter Spezialversender für Ökomode, Hess Natur aus Butzbach, bekommt einen neuen Eigentümer. Die in der Schweiz ansässige Beteiligungsgesellschaft Capvis soll alleiniger Gesellschafter werden. Über die Höhe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart, ein Sprecher der Primondo Specialty Group, zu der der Ökoversender bislang gehört, sprach auf Nachfrage von einem „sehr attraktiven Kaufpreis“.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Dieser Erlös wird alleine zur Sicherung der Rentenansprüche von Zehntausenden Pensionären und Pensionsanwärtern der insolventen Arcandor-Gruppe genutzt, wie der Sprecher weiter erläuterte. Die Befriedigung dieser Versorgungsansprüche ist der alleinige Geschäftszweck des Karstadt-Quelle-Mitarbeiter Trusts als Eigentümer der Primondo Specialty Group und damit auch der Hess Natur GmbH. Der Kauf des Hauses mit 330 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 73 Millionen Euro steht noch unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.

          „In gute Hände“

          Capvis hat sich nach Angaben des Sprechers zum Geschäftsmodell und den ökologischen und sozialen Standards als Erfolgsfaktoren von Hess Natur bekannt. Matthias Siekmann, Geschäftsführer der Primondo Specialty Group, sagte: „Wir können Hess Natur jetzt in gute Hände übergeben. Capvis als neuer Eigentümer bringt alle Eigenschaften mit, um die Erfolgsgeschichte von Hess Natur fortzuschreiben. Damit ist auch eine lange Phase der Unsicherheit für Unternehmen und Belegschaft beendet.“ Wie der Unternehmenssprecher weiter hervorhob, erfüllen alle anderen gut 40 Unternehmen, an denen Capvis beteiligt ist, die ethischen Maßstäbe, auf die auch die Kunden von Hess Natur großen Wert legen. Ein Versuch, Hess Natur an den Finanzinvestor Carlyle zu verkaufen, der unter anderem an Rüstungsunternehmen beteiligt ist, hatte eine Welle von Boykott-Androhungen der Hess-Kunden ausgelöst.

          Den Kaufpreis wollen die Schweizer vollständig mit Eigenkapital bestreiten. Das sei also kein „Heuschreckendeal“, hieß es bei Capvis. Man denke daran, mehrere neue Filialen zu eröffnen. Auch sei geplant, Produkte in großen Modehäusern wie Peek & Cloppenburg anzubieten. Die beiden Geschäftsführer Maximilian Lang und Wolf Lüdge sollen im Amt bleiben.

          Kritik von HN Geno

          Wie der Sprecher der Primondo Specialty Group weiter äußerte, lag von der eigens zur Übernahme durch Mitarbeiter gegründeten Genossenschaft HN Geno kein Kaufangebot vor. Der Betriebsratsvorsitzende Walter Strasheim-Weitz kritisierte dagegen scharf, dass die Gruppe keine Verhandlungen mit der von den Hess-Natur-Mitarbeitern gegründeten Genossenschaft geführt habe. Diese hatte in den vergangenen Monaten immer wieder ihre Absicht betont, das Unternehmen selbst zu erwerben.

          Am Mittwoch hatte man dazu ein Bündnis mit dem Finanzinvestor Deutsche Industrie-Holding verkündet, bei dem HN Geno eine Mehrheit von 51 Prozent besitzt. Daraufhin sei Hess Natur plötzlich und ohne Verkaufsprozess an Capvis veräußert worden, äußerte Strasheim-Weitz. Entsprechend groß sei auch gestern auf einer Betriebsversammlung das Entsetzen über den Verkauf an Capvis gewesen, sagte Strasheim-Weitz weiter.

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