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Wiesbaden : Fehler beim Fahrerwechsel vor Busunglück?

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Unglücksbus: Dieser Linienbus rammte sieben andere Fahrzeuge, bevor er in eine Haltestelle krachte. Bild: dpa

Möglicherweise ist die Unfallursache des Busunfalls in Wiesbaden geklärt: Hinweise deuten darauf hin, dass das Fahrzeug nicht richtig abgestellt war. Die Staatsanwaltschaft wartet das Unfallgutachten ab.

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          Der Busunfall am Wiesbadener Hauptbahnhof, bei dem am 21. November ein 85 Jahre alter Mann getötet und 23 Personen verletzt wurden, ist möglicherweise durch Fehler beim Fahrerwechsel verursacht worden. Das hat die F.A.Z. aus gut unterrichteten Kreisen erfahren.

          Den Angaben zufolge muss ein Bus sicher abgestellt sein, bevor er an den neuen Fahrer übergeben wird – so muss beispielsweise die Druckluftbremse angezogen sein. Außerdem muss die Schaltung der Automatik auf null gestellt werden, damit das Fahrzeug nicht ungewollt losfahren kann. Den Angaben zufolge gibt es Hinweise darauf, dass der Unglücksbus nicht wie vorgeschrieben sicher abgestellt war. Die Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern und verwies auf das noch nicht vorliegende unfallanalytische Gutachten.

          Verdacht auf fahrlässige Tötung

          Wie berichtet, wird gegen den Fahrer, der selbst verletzt worden war, wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr ermittelt. Der 65 Jahre alte Mann soll sich bisher nicht zu dem Unfallhergang geäußert haben. Ein technischer Defekt an dem Bus scheint unwahrscheinlich. Der Bus war nach einem Stopp an der Bahnhofstraße über den Kaiser-Friedrich-Ring in Richtung Hauptbahnhof gefahren und hatte sechs Autos und einen Bus der Mainzer Verkehrsgesellschaft gerammt, bevor er in eine Haltestelle krachte.

          Der schwere Unfall und seine Ursache beschäftigt auch die Wiesbadener Kommunalpolitik. In der Sitzung des Beteiligungsausschusses am Dienstagabend musste die Geschäftsführung des Wiesbadener Nahverkehrsbetriebs Eswe-Verkehr zumindest auf einen Teil der Fragen antworten, die von der Linken&Piraten-Fraktion gestellt wurden. Stadtverordneter Jörg Sobek wollte unter anderem wissen, ob die Ruhezeiten für die Fahrer eingehalten werden, wie viele Fahrer bei Eswe beschäftigt sind und ob bei den Fahrerwechseln sichergestellt ist, dass technische Auffälligkeiten an den Bussen mitgeteilt werden.

          Ausreichende Personalsituation

          Jörg Gerhard, einer der beiden Eswe-Geschäftsführer, versicherte, dass die Fahrerwechsel nach definierten Abläufen vollzogen würden. Die Fahrer tauschten sich aus; werde ein technischer Defekt festgestellt, müsste der Bus stehen bleiben und sofort die Leitstelle informiert werden. Bis jetzt sei kein Defekt an dem Unfallbus festgestellt worden. Gerhard wies allerdings auch darauf hin, dass die polizeilichen Ermittlungen und Zeugenbefragungen noch nicht abgeschlossen seien. Insgesamt müssten 64 Zeugen gehört werden. Eswe verfüge zudem über keine weiteren Informationen von den Ermittlungsbehörden und der Staatsanwaltschaft. „Es wäre reine Spekulation, wenn ich mich jetzt zu den Unfallursachen äußern würde“, sagte Gerhard.

          Die Personalsituation bezeichnete Gerhard als ausreichend. Für 455 Fahrdienste würden 708 Mitarbeiter benötigt. Bei Eswe seien derzeit 714 Fahrer beschäftigt. Der Geschäftsführer teilte weiter mit, dass die Unfallschäden an der Haltestelle im Laufe des Frühjahrs behoben werden sollten. Die weiteren Fragen von Linken&Piraten, etwa ob ein technischer Defekt oder ein Fehlverhalten des Fahrers als Ursache ausgeschlossen werden könnten und in welchen Abständen Prüfungen auf Fahrtauglichkeit stattfänden, sollen erst dann von Eswe im Ausschuss beantwortet werden, wenn die Staatsanwaltschaft neue Informationen mitteilt.

          Auf die Frage des FDP-Stadtverordneten Sebastian Rutten, ob der bei dem Unfall verletzte 65 Jahre alte Fahrer inzwischen seinen Dienst aus dem Krankenstand heraus habe antreten müssen, gab es von Gerhard keine Antwort.

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