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Wegen Busfahrerstreiks : Nur Darmstadt entschädigt Fahrgäste

  • -Aktualisiert am

Ausweichmanöver: Wegen des Busfahrerstreiks stiegen in Darmstadt viele Kunden auf Straßenbahnen um - bis auch die nicht mehr fuhren Bild: dpa

Nach dem Busfahrerstreik gibt es in der Regel keinen Ausgleich für Fahrgäste im RMV-Gebiet. Nebeneffekt: Die Verkehrsbetriebe hatten geringere Kosten.

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          Der zweiwöchige Streik der Busfahrer dürfte für die örtlichen Nahverkehrsunternehmen und auch für den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) nicht das schlechteste Geschäft gewesen sein. Zwar hatten etwa die städtische Traffiq in Frankfurt und die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina) während dieser 14 Tage des Ausstandes keine Fahrgeldeinnahmen aus dem Busverkehr. Aber dafür sparten sie sich teilweise die Entgelte an ihre Subunternehmer, also die bestreikten Omnibusbetriebe.

          „Wir zahlen nur für gefahrene Kilometer“, berichtet denn auch Kirsten Anlauf von der Frankfurter Traffiq. Auch die Heag mobilo, die in Darmstadt weitgehend den Busverkehr betreibt, bekommt nach Angaben einer Sprecherin wegen der ausgefallenen Fahrten weniger Geld vom Aufgabenträger Dadina. Wie viel genau den Omnibusunternehmen für Streiktage und ausgefallene Fahrten an Entgelt abgezogen wird, ist in den jeweiligen Verträgen der örtlichen Nahverkehrsunternehmen oder des RMV mit Busgesellschaften gesondert geregelt.

          Großzügige Nordhessen

          Die Fahrgäste mit Zeitkarten des RMV erhalten dagegen außer in Darmstadt keine Entschädigung für die Zeit, in der sie nicht mit dem Bus fahren konnten. Anders regelt es der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV), der Kunden mit einer Zeitkarte anteilig Geld für entgangene Fahrten während des Streiks zurückzahlt. Außerdem gilt im Norden Hessens eine Fünf-Minuten-Garantie, in deren Rahmen eine Entschädigung gezahlt wird.

          Während man beim Nordhessischen Verkehrsverbund juristisch die Auffassung vertritt, Streik sei keine höhere Gewalt, und deshalb müsse man die Fahrgäste entschädigen, vertritt man beim RMV die gegenteilige Meinung. „Streik ist wie höhere Gewalt“, sagte gestern ein Sprecher des Verbundes, deshalb zahle man im RMV-Gebiet entsprechend den allgemeinen Beförderungsbedingungen den Fahrgästen keinen Ausgleich. Man denke aber im Verbund darüber nach, für die Zukunft eine Entschädigungsregelung zu schaffen. Eine Möglichkeit bestehe darin, im Rahmen der für dieses Jahr geplanten Zehn-Minuten-Garantie auch Streikausfälle abzudecken. Beschlüsse dazu seien allerdings noch nicht getroffen worden, hieß es.

          Heag mobilo in Darmstadt ist im RMV-Verbund die einzige Verkehrgesellschaft, die ihren Kunden aus Kulanz eine Entschädigung anbietet. Die entstehenden Kosten deckt sie dabei aus eigenen Mitteln. Sie beruft sich dabei auf die Beförderungsbedingungen des RMV, denen zufolge überall im Verbundgebiet die Inhaber von Wochen-, Monats- und Jahrestickets ihre Karte jederzeit zurückgeben können und dann den Anteil für nicht genutzte Tage zurückerhalten.

          In Darmstadt erfolgt eine solche Rückgabe im Kundenzentrum am Luisenplatz. Weil aber die Fahrgäste vom 11. Januar an das Kundenzentrum wegen des völligen Ausfalls des Nahverkehrs gar nicht erreichen und ihre Karte zurückgeben konnten, datiert Heag mobilo das Rückgabedatum generell auf den 11. Januar zurück. Auch auf die übliche Bearbeitungsgebühr von fünf Euro verzichtet das Unternehmen. Die Rückerstattung des Geldes, das für das Ticket entrichtet wurde, erfolgt anteilig nach den nicht genutzten Karten.

          Mehr als 500 Kunden hätten bisher das Angebot genutzt, teilte eine Sprecherin von Heag mobilo mit. Allerdings seien die zurückgezahlten Beträge nicht sehr hoch. Die Kunden müssten ausrechnen, ob sich eine Rückgabe überhaupt lohne. Bei der Jahreskarte etwa sei dies in der Regel nicht der Fall.

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