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Burgfestspiele Bad Vilbel : Komm zum Disco-Funk in der Wasserburg

  • -Aktualisiert am

Spiel-Platz: Wasserburg in Bad Vilbel Bild: Wolfgang Eilmes

Ein bisschen zu viel Platz für die zarteren Gefühle: „Ziemlich beste Freunde“ bei den Burgfestspielen Bad Vilbel.

          Bei der ursprünglichen Planung der diesjährigen Burgfestspiele Bad Vilbel war die Bühnenversion des französischen Erfolgsfilms „Ziemlich beste Freunde“ noch für den Theaterkeller unter der Burg vorgesehen. KIugerweise hat man sich dann doch für die große Bühne entschieden. Zum einen sicher, weil der Keller für Zuschauer mit Rollstuhl nicht zugänglich ist. Vor allem aber ist die Geschichte des nach einem Unfall mit dem Paraglider vom Hals abwärts gelähmten Ex-Managers Philippe und seinem aus den Pariser Banlieues stammenden Pfleger Driss ein sicherer Publikumsmagnet, den im Keller zu wenige Zuschauer hätten sehen können.

          Doch bleibt angesichts der grundsoliden Inszenierung von Mascha Pitz ein leises Unbehagen zurück. Obwohl Thomas Unthan die Bühne mit einer zu Übergröße aufgepumpten blauen Sitzgruppe gefüllt hat, deren Elemente von den Schauspielern zudem multifunktional verschoben werden können, ist der große Burginnenhof nicht wirklich ideal für das eher intime Stück. Immer wieder baut die Regisseurin nicht wirklich zwingende Action-Szenen ein, die zwar viel Bewegung in das Auditorium bringen, gleichzeitig aber die Handlung auf der Stelle treten lassen.

          Klatschendes, wippendes Popspektakel

          Am auffälligsten ist das bei Philippes Geburtstagsfeier, auf der sein Freund Antoine – wie alle männlichen Nebenrollen gespielt von Martin Müller – ein Klassik-Quiz mit dem Publikum veranstaltet, was für einen Vorstadtlümmel wie Driss natürlich eine Qual ist. Er setzt tanzbaren Disco-Funk dagegen, wodurch sich Bühne und Zuschauerreihen für einige Minuten in ein klatschendes, wippendes Popspektakel verwandeln. Notwendig für die Geschichte ist das nicht, aber Spaß macht es doch.

          Das gilt auch für die fast schon akrobatischen Einlagen des ungemein agilen und körperlich sehr präsenten Stephen Appleton, der den Driss auch über seine Rennereien hinaus mit einer wunderbaren jugendlichen Unbekümmertheit ausstattet: ein großer Junge, der gar nicht recht mitbekommt, wie er selbst sich durch den Kontakt mit dem seinerseits immer lebensfroher werdenden Philippe in einen halbwegs reifen Erwachsenen verwandelt. Sein Staunen über die eigenen kreativen Fähigkeiten, die sich vor allem beim Malen zeigen, ist kaum augenzwinkernd dargeboten und wirkt durchweg echt.

          Kaffeebrauner Adonis

          Während Driss den übergroßen Bühnenraum weidlich nutzt, muss Wolfram Boelzles Darstellung des Philippe, der als unbeweglicher Klotz an den Rollstuhl gefesselt ist, die Kraft allein aus Stimme und Mimik beziehen. Dennoch gelingt ihm die Verwandlung vom lebensunfrohen Krüppel in einen Mann, der neuen Lebensmut gewinnt, überzeugend. Beim Schlussapplaus stutzt man fast, als der eben noch Bewegungsunfähige auf einmal aufrecht auf der Bühne steht. Susanne Buchenberger muss in sämtliche weiblichen Nebenrollen schlüpfen, immerhin gönnt die Bühnenfassung von Gunnar Dreßler der Hausdame Magalie schon fast etwas mehr als einen Flirt mit dem kaffeebraunen Adonis.

          Nach etwas mehr als zwei Stunden einschließlich Pause, nachdem sowohl die Familienkrise von Driss als auch die vergeblichen Versuche mit anderen Pflegern glücklich überwunden sind, sitzt Philippe schließlich nervös in einem Café, in dem Driss den Hilflosen abgesetzt hat, und wartet halb ängstlich, halb aufgekratzt auf das Rendezvous mit seiner langjährigen Brieffreundin. Ohne die Initiative von Driss, dem das nichtplatonische Liebesleben seines Pfleglings ein tiefes Anliegen ist, wäre es zu dieser Begegnung nicht gekommen. Das Licht geht aus, vielleicht beginnt in diesem Augenblick eine neue Geschichte.

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