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Burgfestspiele Bad Vilbel : Liebe auf Vorabendniveau

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Liebeswirren in Kinosesseln: Cora (Britta Hübel), Johanna (Ines Buchmann) und Daniel (Michael Klein) Bild: Eugen Sommer

Erst ein Roman, dann ein Film, dann ein Theaterstück – und immer erfolgreich, wie nun in Bad Vilbel: Die Burgfestspiele zeigen Ildikó von Kürthys „Mondscheintarif“.

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          Eine junge Frau steht im Regen, ein junger Mann kommt herbei und hält einen Schirm über sie. Dieselbe junge Frau steht hilflos mit ihrem Auto an der Tanksäule, bis besagter junger Mann den Tankstutzen in die dafür vorgesehene Öffnung schiebt. Diese und weitere unzweideutige Filmchen laufen auf einem Monitor im Theaterkeller der Burgfestspiele Bad Vilbel. Und während das Publikum Platz nimmt, flimmert mit ganz leiser Ironie die Botschaft über den Bildschirm: Hier geht es um Liebe, garantiert auf Vorabendserienniveau.

          Tatsächlich lässt Ildikó von Kürthys im Jahr 1999 erschienener Herz-Schmerz-Bestseller „Mondscheintarif“ so gut wie keines der immer wieder gerne getragenen Versatzstücke aus der Boy-meets-Girl-Klamottenkiste aus. Alles ist Klischee an der Liebestraumgeschichte der wunderbar durchschnittlichen Mittdreißigerin Cora Hübsch, die auf einer Filmpreisverleihung ganz wortwörtlich über den Mann ihrer Träume stolpert und ihm, ein willkommener Anlass für eine rustikale Slapstickeinlage, zunächst einmal versehentlich den Unterleib malträtiert. Und weil sie naturgemäß wie vom Blitz getroffen in Flammen steht, beschließt sie tags drauf, sich krankschreiben zu lassen. Doch ihr Arzt ist selbst unpässlich und sein Stellvertreter prompt Mr. Right vom Abend zuvor: Doktor Daniel Hoffmann.

          Ein ganz klein wenig Augenzwinkern

          Nun könnte alles so kommen, wie es kommen muss, doch ein paar Verwicklungen müssen natürlich sein, um achtzig Minuten unterhaltsam zu füllen. Zunächst gibt Cora daher ihrem Daniel in der Aufregung die falsche Telefonnummer, also ruft er bei ihrer Freundin Jo an, die Gott sei Dank alles unternimmt, um Cora zu ihrem verdienten Glück, nämlich Sex, Ehe und Kindern mit dem göttlichen Idealgatten, zu verhelfen. Nach der ersten traumhaften Nacht macht Cora allerdings den Fehler, sich zu früh zu verabschieden, woraufhin sie, Schokolade mampfend und Sekt schlürfend, tagelang auf den ersehnten Anruf des Geliebten warten muss.

          Friedrich Dudys Bühnenfassung des Romans reduziert den Plot auf das Wesentliche und gibt vor allem der weiblichen Hauptfigur Gelegenheit, sich mit vielen kleinen Schrulligkeiten in die Herzen der weiblichen Zuschauer zu spielen. Britta Hübel gelingt es, Cora mit all ihren vorhersehbaren Ängsten und Sehnsüchten so sympathisch und echt zu spielen, dass man ihr und dem Abend manche platte Albernheit gerne verzeiht. Ohnehin deutet das ununterbrochene Gekicher im Publikum darauf hin, dass ein nicht geringer Teil des Buch-, Film- und Bühnenerfolgs von „Mondscheintarif“ im fröhlichen Wiedererkennen eigener Liebesträume liegt.

          Mascha Pitz lässt in ihrer auf Tempo und schnelle Szenenwechsel setzenden Inszenierung keine Gelegenheit aus, mit Klamauk und Übertreibung für Lacher zu sorgen. Die roten Kinosessel auf der Bühne (Thomas Unthan) unterstreichen den Charakter des Stücks als Frauen-Wohlfühl-Kinoabend. Dazu passt, dass Michael Klein als Daniel nicht nur saschahehnesk blendend aussieht, sondern auch über das notwendige Quantum hughgrantiger Trotteligkeit verfügt, um unwiderstehlich süß und begehrenswert zu wirken. Am Ende des fröhlich-seichten Vergnügens erzählen abermals Filmbilder, dass nach dem Happy End auf der Bühne alles wie erträumt weiterging: Cora mit dickem Bauch, Daniel beim Vorlesen mit gewachsener Kinderschar. Ein ganz klein wenig Augenzwinkern ist immerhin dabei.

           

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