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Burg Eppstein : Mauerreste und ein Trinkbecher aus dem Mittelalter

Überraschende Funde: Archäolgische Untersuchungen am ehemaligen „Juchhe“-Haus auf Burg Eppstein Bild: Eilmes, Wolfgang

Bei Grabungen auf dem Gelände der Burg Eppstein fördern die Archäologen überraschende Funde zutage. Zwei Binnenmauern wurden freigelegt, zudem Fußböden. Sie sollen künftig durch Blickfenster zu sehen sein.

          Die schwerste körperliche Arbeit wurde schon 2006 vollbracht. Damals ließen die Burgschauspieler einen mehr als zwei Meter hohen Erdhügel samt Gebüsch abtragen, wo im 17. Jahrhundert noch das wegen seiner Höhe „Juchhe-Bau“ genannte Wohnhaus für die kurmainzischen Beamten stand. Seit Montag wird auf Burg Eppstein an genau jener Stelle wieder gebuddelt, abermals gaben die Burgschauspieler den Anstoß für die 9000 Euro teuren Grabungen, die von Joachim Zeune vom Büro für Burgenforschung geleitet werden. Der Verein will auf dem Areal einen Zweckbau errichten, weshalb das hessische Landesamt für Denkmalpflege archäologische Untersuchungen anordnete und finanzierte. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die Erde gab überraschende Funde frei.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Unter einer bis zu ein Meter hohen Erdschicht förderten die Forscher nicht nur älteste Mauerreste der Burg aus dem zwölften bis dreizehnten Jahrhundert zutage. Ebenso zählen ein zwar verformter, aber gut erhaltener tönerner Trinkbecher aus dem 14. Jahrhundert, eine Bodenfliese mit Lilienornament und ein handgeschmiedeter Nagel zu Überresten aus alter Zeit.

          Zwei breite Binnenmauern

          “Spannend“ nennt Zeune das Ergebnis nach nur zwei Tagen Grabungen: Zwei breite Binnenmauern seien freigelegt worden, dazu kämen ein Fußboden und eine noch ältere Mauer des Vorgängerbaus, berichtet er. Aus der Verfüllung stamme die Bodenfliese aus der Zeit um 1250. Der verbeulte Trinkbecher gebe Rätsel auf: Seine Verformung könne eine Art Scherzartikel bedeuten oder er sei vielleicht als Maß benutzt worden, vermutet der Burgenspezialist.

          Wie groß der Prunk in dem 1682 in drei Geschossen erbauten Juchhe-Bau einst war, lässt sich nach Angaben von Museumsleiterin Monika Rohde-Reith sehr gut aus historischen Quellen belegen. Die katholischen Kurmainzer, die sich die Burg mit den im Westflügel residierenden evangelischen Beamten aus Hessen/Nassau teilen mussten, verfügten über einigen Komfort. Es gab je ein Zimmer, ausgestattet in den Farben Blau, Gelb und Grün und Rot, den Königsteiner Raum, das Kirchenzimmer und ein hochgelegenes „Juchhe“-Zimmer.

          Als 1819 der Juchhe-Bau versteigert und abgerissen wurde, blieb nur noch der später mit Gestrüpp übersäte Erdhügel übrig. Der Bau hatte laut Zeune ohnehin ein weitaus älteres Gebäude ersetzt: Denn schon um 1350 ließen die Eppsteiner Herren dort einen dritten herrschaftlichen Palast mit drei Geschossen errichten. Mit einem modernen Zweckbau wollen sich die Burgschauspieler begnügen, die das Grabungsteam organisierten und in dieser Woche eifrig Kaffee an die komplette Mannschaft ausschenken.

          Einigung mit Denkmalpflegern nötig

          Nach Beendigung der archäologischen Untersuchungen gingen die Planungen für den auf 200.000 Euro geschätzten Neubau in die nächste Runde, erläutert Juliane Rödl, Vorsitzende der Eppsteiner Burgschauspieler. Dann sei in Absprache mit dem Denkmalamt zu entscheiden, wie der Neubau mit den Befunden in Verbindung gebracht werden könne. Auf jeden Fall werde das Fundament nicht komplett zugeschüttet, sondern ein Blickfenster in die Geschichte behalten, verspricht sie.

          Einer schnellen Einigung mit den hessischen Denkmalpflegern steht offenbar nichts im Wege. Denn mit dem Bezirksreferenten der Behörde, Falko Lehmann, köderten die Burgschauspieler schon den Richtigen: Er erhält in einem Stück der Spielschar im nächsten Sommer einen Gastauftritt.

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