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Bunkerabriss in Frankfurt : Täglich drei Sprengungen – mit Hornsignal angekündigt

Der Bunker am Glauburgplatz im Frankfurter Nordend in seinem derzeitigen Zustand. Bild: Carlos Bafile

Der Glauburgbunker im Frankfurter Nordend soll abgerissen werden, um Platz zu machen für neue Wohnungen. Dafür sind Lockerungssprengungen nötig. Die Anwohner sind entsetzt über die Belästigungen.

          Die Ankündigungen von Abbruchunternehmer Robert Zeller haben schlimmste Befürchtungen von Anwohnern bestätigt. Um den Bunker am Glauburgplatz im Nordend abreißen zu können, kommen Bohrer und Hydraulikzangen zum Einsatz, sind Sprengungen erforderlich, und es müssen etwa 15.000 Tonnen Schutt mit gut 550 Lastwagenfahrten aus dem dicht bebauten Gründerzeitviertel abtransportiert werden. Dieses Szenario wurde am Mittwoch rund 200 Anwohnern bei einem Informationsabend präsentiert, bei dem das Unternehmen Delom Wohnbau die auf dem Bunkerareal geplante Neubebauung vorstellte.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Abbruch werde wohl ein Dreivierteljahr dauern, sagte Zeller. Dabei sei es über sechs Monate hinweg notwendig, am vierstöckigen Bunker die jeweils zwei Meter dicken Decken und zweieinhalb Meter starken Außenmauern mit Sprengungen zu lockern. Von drei Zündungen am Tag, die jeweils mit Hornsignalen angekündigt würden, sprach der Offenbacher Abbruchunternehmer, der nach eigenen Worten schon 24 innerstädtische Bunker niedergelegt hat.

          Die Sprengungen seien kaum wahrzunehmen, versprach Zeller. „Nach wenigen Tagen haben sie sich daran gewöhnt.“ Die Stärke der Erschütterungen werde mit Messungen überwacht. Zum Schutz vor Staub, Schmutz und Lärm werde die Baustelle zum benachbarten Glauburgplatz hin sowie entlang der Schwarzburg- und Lortzingstraße mit acht Meter hoch gestapelten Seecontainern abgeschirmt.

          „Ein Abbruch ist unumgänglich“

          Anwohner und Ortsvertreter zeigten sich entsetzt. Dies auch, weil unmittelbar westlich des Bunkers eine Kindertagesstätte und die Schwarzburgschule gelegen sind. Architekt Eckart von Schwanenflug, der den Bauherrn berät, versicherte den besorgten Eltern, dass die Abbrucharbeiten den Kita- und Schulbetrieb nicht beeinträchtigen würden. Etliche Bürger traten dafür ein, von dem Abbruch abzusehen und den Glauburgbunker, in dem zuvor das privat betriebene Wissenschafts- und Technik-Museum Explora untergebracht war, anderweitig zu nutzen. „Es gibt hier bundesweit interessante Umbau-Konzepte“, sagte ein Anwohner.

          Dominic Reinemer, Geschäftsführer der in Frankfurt ansässigen Delom Wohnbau GmbH, versicherte, dass in der zwei Jahre dauernden Vorplanung allein vier Nutzungskonzepte für einen Erhalt des Bunkers geprüft worden seien. Der Brandschutz, die Energieversorgung, die Belüftung, die Lichtverhältnisse sowie zahlreiche weitere baurechtliche Bestimmungen stünden dem jedoch entgegen. „Ein Abbruch ist unumgänglich“, sagte Reinemer. Dies sei bei mehreren Ortsterminen mit den städtischen Baubehörden festgestellt worden. Es sei verwunderlich, dass der Voreigentümer in dem mit Auf- und Anbauten versehenen Bunker überhaupt ein Museum habe betreiben können.

          Genehmigung für Abriss steht noch aus

          An der Stelle des Weltkriegs-Relikts werde darum ein Neubau mit 43 Wohnungen, davon 30 Prozent als geförderter Wohnraum, angestrebt. Der Entwurf des Büros Karl Dudler Architekten sehe einen Gebäudekomplex vor, der sich in U-Form zum Glauburgplatz hin öffne. Die Sockelzone, die Simse und die Dachform orientierten sich an den Gründerzeitbauten in der Umgebung. Nach Angaben des Bauherrn sind im Erdgeschoss 600 Quadratmeter große Veranstaltungsräume vorgesehen und es gibt eine Tiefgarage.

          So soll der Neubau mit 43 Wohnungen nach Plänen der Architekten aussehen.

          Über mögliche Nutzungen werde mit dem Kulturdezernat gesprochen, so Reinemer. Aber auch Bürger könnten Ideen vorbringen. Die Erdgeschosszone werde öffentlich zugänglich, Zäune oder Mauern seien nicht vorgesehen. Bürger kritisierten, dass der Glauburgplatz „als Vorplatz einer schlossähnlichen Bebauung“ missbraucht werde. „Das Areal ist der meist genutzte Spielplatz im Nordend, das muss so bleiben“, meinte Ortsvorsteherin Karin Guder (Die Grünen).

          Die Anträge für Abriss und Neubau seien gestellt, sagte Reinemer. Die Genehmigungen stünden aber noch aus. Auch würden mit der Stadt noch Gespräche zur Löschung einer bestehenden Grunddienstbarkeit geführt. Diese schränke neue Nutzungen ein. Die Löschung hätte für den Investor eine Wertsteigerung zur Folge. Über einen finanziellen Ausgleich werde mit der Stadt verhandelt. Der jetzige Zeitplan sehe den Beginn der Abbrucharbeiten im Frühjahr 2020 vor, so Reinemer. Bis Ende 2021 könnte der Neubau stehen. Über den Fortgang des Projektes wird im Internet unter der Adresse www.baustelle-lortzingstraße.de informiert.

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