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Bundeswehr übt für Katastropheneinsätze : Kennenlernen für die Krise

„Flying Sandman“: Bei der Übung in Weilbach entschwebt der Super Puma der Bundespolizei mit seiner Last, einem Big-Bag-Sandsack. Bild: Marcus Kaufhold

Hochwasser, Chemieunfall, Flugzeugabsturz. Bei Katastrophen ist die Bundeswehr gefordert. Und muss deshalb das Zusammenspiel mit den zivilen Kräften üben.

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          Das Büfett ist Teil der Übung. Sanitäter, Polizisten, Soldaten und die Männer von der Feuerwehr und vom Technischen Hilfswerk greifen kräftig zu. Thomas Spengler steht dabei und ist zufrieden. „Beim Katastrophenschutz gibt es ein wichtiges Prinzip: In der Krise Köpfe kennen.“ Und darum ist dem Leiter der Katastrophenschutzbehörde des Main-Taunus-Kreises dieses Treffen der Hilfskräfte so wichtig. „Die Leute sollen sich kennenlernen und miteinander reden, denn das müssen sie im Ernstfall auch.“

          Peter Badenhop
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kaum eine Stunde vor der Schlacht am Büfett haben am vergangenen Mittwoch die gut 60 Teilnehmer der Übung „Flying Sandman“ trainiert, wie sie im Falle eines großen Hochwassers an Main und Rhein zusammenarbeiten sollen. Kurz nacheinander haben ein amerikanischer „Black-Hawk“-Hubschrauber und ein „Super Puma“ der Bundespolizei über einem Behelfslandeplatz an der A 66 bei Weilbach große Sandsäcke aufgenommen und ein paar hundert Meter weiter auf einem Feldweg punktgenau wieder abgesetzt. Was für die Piloten wie Routine wirkt, ist für alle Beteiligten eine wichtige Übung für den Katastrophenfall. „Kommunikation ist alles“, sagt Thomas Spengler.

          Berater des Landrats bei einer Katastrophe

          Etwa ein Dreivierteljahr lang haben er und seine Mitarbeiter „Flying Sandman“ geplant und vorbereitet. Besonders wichtig waren dabei Oberstleutnant Horatio von John und seine Männer vom Kreisverbindungskommando der Bundeswehr, zwölf Reservisten, die für die Koordinierung zwischen den zivilen und militärischen Kräften zuständig sind. Zusammen mit dem übergeordneten Landeskommando in Wiesbaden hat von John, der im zivilen Leben mittelständische Unternehmen in Sachen Finanzen berät, zum Beispiel dafür gesorgt, dass das 1-214th Aviation Regiment der amerikanischen Army an der Übung teilnimmt und einen „Black Hawk“ geschickt hat. Dass kein Bundeswehr-Hubschrauber für den Sandsack-Einsatz zu bekommen war, ärgert den Neunundfünfzigjährigen ein bisschen, „aber im Fall der Fälle sind die Amerikaner sowieso schneller zur Stelle, weil sie in Wiesbaden stationiert sind.“

          Amerikanischer Sandmann: Der „Black Hawk“-Helikopter nimmt für die Übung „Flying Sandman“ den Sack auf.
          Amerikanischer Sandmann: Der „Black Hawk“-Helikopter nimmt für die Übung „Flying Sandman“ den Sack auf. : Bild: Kaufhold, Marcus

          Seit gut acht Jahren leitet der Oberstleutnant das Kreisverbindungskommando, das aus einem Dutzend Reservisten besteht. „Wir sind in einer Katastrophensituation Berater des Landrats“, sagt von John. „Wir sitzen von Anfang an mit in seinem Stab, weil wir wissen, was die Bundeswehr leisten kann, welche Kräfte und Fähigkeiten sie hat - und vor allem wie man an die überhaupt rankommt.“

          „Flying Sandman“ von zentraler Bedeutung

          Zum Einsatz kommt das Militär allerdings erst dann, wenn die zivilen Kräfte an ihre Grenzen stoßen. Damit dann keine Zeit verloren geht, gibt es in jedem Landkreis Verbindungsoffiziere wie Horatio von John. Sie sind rund um die Uhr erreichbar und stellen den Kontakt zum jeweiligen Landeskommando der Bundeswehr her. Das wird in Hessen von Brigadegeneral Eckart Klink geführt, der mit seinem Stab wiederum dem Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin untersteht, das zentral über den Einsatz der Bundeswehr entscheidet. „Das sind im Fall der Fälle nur ein paar Anrufe - und das System Bundeswehr springt an“, sagt Kling. Übungen wie „Flying Sandman“ seien dabei von zentraler Bedeutung. „Nur was geübt wird, klappt auch im Einsatz.“

          Im Oktober steht für die Helfer des Main-Taunus-Kreises die nächste Übung bevor. In Speyer sollen etwa 10.000 Hilfskräfte das Verhalten bei einem Chemieunglück trainieren, die Bundeswehr soll Behelfsbrücken verlegen, die Rettungsdienste müssen Verletzte bergen, die Feuerwehr den Löscheinsatz üben. „Richtig großes Kino“, sagt Oberstleutnant von John.

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