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Großprojekt in Frankfurt : Ein Quartett für die Bundesbank

Unverstellt: Auch künftig soll der Blick der Besucher auf den markanten Betonriegel des Haupthauses fallen. Bild: Marcus Kaufhold

Die Bundesbank braucht mehr Platz zum arbeiten. Die Neubebauung soll nicht nur Platz für 5000 Mitarbeiter schaffen, sondern auch den Campus-Charakter des Areals stärken.

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          Das Ganze soll mehr als die Summe seiner Teile sein. Von einer „geometrischen Figur aus vier Hochhäusern“ spricht Ferdinand Heide. Der Frankfurter Architekt hat mit seinem Büro den Gestaltungswettbewerb für die Neubebauung des Bundesbank-Areals gewonnen. Der Entwurf lässt die architektonische Ausgestaltung zwar offen, aber er zeigt doch schon recht deutlich, was auf dem weitläufigen Gelände zwischen Miquelallee und Wilhelm-Epstein-Straße entstehen soll. Ziel der Bundesbank ist es, dort Mitarbeiter von unterschiedlichen Standorten zusammenzuführen. Deshalb muss auf dem Gelände, auf dem bisher 2300 Menschen arbeiten, Platz für mehr als doppelt so viele Mitarbeiter entstehen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Heide entspricht dieser Vorgabe, ohne die Dominanz des aus dem Jahr 1972 stammenden, in brutalistischem Stil errichteten Hauptgebäudes in Frage zu stellen. Auf einen den markanten Betonriegel überragenden Büroturm, wie ihn andere Wettbewerbsbeiträge vorgesehen hatten, verzichtet er. Allerdings wird der Solitär zum Teil eines Quartetts: Der Entwurf sieht drei scheibenförmige Gebäude vor, welche die Höhe und die Linien des Hauptgebäudes aufnehmen und somit ein Rechteck bilden, in dessen Mitte ein breiter Grünstreifen von Norden auf den Haupteingang zuläuft.

          Vorgeschichte und Herausforderung des Projekts

          Bei der Eröffnung einer kleinen Ausstellung, in der die Entwürfe des Wettbewerbs zu sehen sind, umriss Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann gestern die Vorgeschichte und die Herausforderungen des Bauprojekts. Vor drei Jahren habe der Vorstand beschlossen, das Hauptgebäude, „das für viele von uns ein Sinnbild für die Stabilitätskultur der Bundesbank und für das westliche Nachkriegsdeutschland ist“, zu sanieren. Daraus habe sich die Überlegung ergeben, die Bebauung zu erweitern. Denn langfristig könne die Bundesbank Geld sparen, indem Mitarbeiter, die derzeit noch in der Innenstadt arbeiteten, auf das eigene Gelände zögen und Büromieten somit entfielen.

          Der Siegerentwurf des Wettbewerbs sieht im Norden drei scheibenförmige Neubauten vor.

          Vorgabe des Gestaltungswettbewerbs war es deshalb, auf dem Areal im Schatten des Fernmeldeturms Raum für bis zu 5000 Beschäftigte und mehr als 1500 Fahrzeuge zu schaffen. Bisherige Einrichtungen wie das Geldmuseum und eine Kindertagesstätte sollten erhalten bleiben, außerdem sollte der Campus-Charakter gestärkt werden. Eine große Herausforderung waren die strengen Sicherheitsbestimmungen, die auf dem Gelände auch deshalb gelten, weil dort ein großer Teil der deutschen Goldreserven lagern.

          Bei der Entscheidung über den Wettbewerbssieger verließ sich der Vorstand auf die Empfehlung eines Gestaltungsbeirats. Dessen Vorsitzender Günther Hoffmann erläuterte gestern die Gründe, die ausschlaggebend für die Auswahl von Heides Beitrag waren. Dieser zeichne sich durch eine kompakte Bebauung, eine Betonung des Haupthauses, großzügige Freiräume und eine vergleichsweise geringe Flächenversiegelung aus. Dass der Campus autofrei bleiben und sich eine parkartige Grünfläche von Norden her bis zum Haupthaus spannen kann, erreicht Heide durch eine riesige Tiefgarage, die sich in zwei unterirdischen Geschossen entlang der Wilhelm-Epstein-Straße zieht.

          Architektenwettbewerb für die Gestaltung

          Die fünf weiteren Entwürfe verfolgen Ansätze, die sich von dem des Siegerbeitrags deutlich unterscheiden. Das Büro Schneider + Schumacher schlägt einen Turm vor, der mit 120 Metern doppelt so hoch wie das Hauptgebäude wäre, und auch ein von West 8 Urban geplanter 85-Meter-Turm hätte es deutlich überragt. Behnisch-Architekten verteilen die Baumasse auf mehrere Gebäude, die zwar niedrig sind, aber recht verschachtelt den ganzen Platz zwischen Epstein-Straße und Haupthaus einnehmen und somit die Blickachse von Norden versperren.

          Eine Art Gegenmodell dazu liefert das Büro Henn, das einen großen Block an der Westkante des Geländes vorsieht, der aber nach Meinung des Gestaltungsbeirats das Ensemble aus der Balance gebracht hätte. Eine ähnlich klare Idee wie der Siegerentwurf verfolgt der Beitrag von Albert Speer + Partner, doch nach Hoffmanns Worten bestand ein Problem darin, dass die Zufahrt zur Tiefgarage im Sicherheitsbereich gelegen habe.

          Auf Grundlage von Heides Planung soll jetzt ein Architektenwettbewerb für die Gestaltung der einzelnen Gebäude ausgeschrieben werden. Ende dieses, spätestens bis Mitte nächsten Jahres soll dann der Umzug der Mitarbeiter vom Bundesbank-Areal in das an der Mainzer Landstraße gelegene FBC-Hochhaus beginnen, so dass das Hauptgebäude entkernt und erneuert werden kann. Ein Datum für die Fertigstellung des neuen Campus könne er noch nicht nennen, sagte Beermann, im Blick liege das Jahr 2027.

          Anwohner und andere Interessierte können sich für eine unentgeltliche Führung durch die Ausstellung unter www.frankfurter-stadtevents.de anmelden.

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