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Neuer Büroturm geplant : Auf Augenhöhe mit dem EZB-Turm

Hochfinanz: Die EZB (im Hintergrund) übertrumpft die Bundesbank. Bild: dpa

Die Bundesbank will sich in Bockenheim ein Hochhaus bauen. Es könnte bis zu 180 Meter hoch werden. Nicht jedem gefällt das.

          Die Hochhausscheibe der Bundesbank wirkt wie ein gebautes Programm für die Finanzbehörde. Streng gerastert, betont nüchtern und mit stabilen Fertigbetonteilen verkleidet, so präsentiert sich die Architektur des 200 Meter langen Bürogebäudes an der Miquelallee. Möglicherweise bekommt es bald eine schlanke Schwester: Die Bundesbank will ihre Mitarbeiter an einem Ort zusammenfassen und prüft, ob auf dem Gelände ein zusätzliches Hochhaus entstehen könnte.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Sprecherin bestätigte entsprechende Informationen des „Handelsblatts“. Ein Erweiterungsbau des Standorts an der Miquelallee sei allerdings nur „eine Option unter mehreren“, sagte sie. Sollte die Entscheidung für ein zusätzliches Gebäude auf dem Gelände fallen, so würde es sich anbieten, dort in die Höhe zu bauen. Der Vermutung, die Bundesbank wolle ein Gegenstück zur Europäischen Zentralbank im Ostend schaffen, trat die Sprecherin aber entgegen. „Wir haben nicht die Absicht, ein neues Wahrzeichen zu bauen.“ Praktische Erwägungen stünden im Vordergrund. In den nächsten Monaten will die Bank eine Entscheidung treffen.

          Schweigen über Höhe des Büroturms

          Das Hauptgebäude in Bockenheim soll in einigen Jahren ohnehin saniert werden. Die 15 Stockwerke hohe Hochhausscheibe wurde von 1967 bis 1972 nach Plänen des Architekturbüros ABB Apel, Beckert und Becker errichtet, steht nicht unter Denkmalschutz und genügt nicht mehr heutigen Anforderungen an moderne Büroflächen. Bei dieser Gelegenheit prüft die Bundesbank offenbar nun, ob ein ergänzendes Gebäude sinnvoll ist, und hat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

          Der Zentrale der Bundesbank sind 4600 Mitarbeiter zugeordnet, rund 1600 von ihnen arbeiten in gemieteten Büroetagen in den Hochhäusern Trianon und Skyper im Bankenviertel. Diese Mitarbeiter könnten in das neue Hochhaus umziehen. Die Hauptverwaltung in der Innenstadt, ehemals die Landeszentralbank, bliebe davon aber unberührt. Die Sprecherin will zwar zur Höhe des Büroturms keine Angaben machen. Gegenüber der Stadtverwaltung hat die Bundesbank allerdings eine mögliche Höhe von 180 Metern genannt. Damit läge die Nationalbank auf Augenhöhe mit dem 185 Meter hohen EZB-Turm im Ostend.

          Bebauungsplaner dachten damals nicht an Hochhaus

          Das Areal an der Miquelallee ist nicht im Hochhausrahmenplan enthalten, mit dem die Stadt die Entwicklung ihrer Skyline steuert. In diesem Konzept werden die Türme vor allem auf zwei Gebiete konzentriert - das Banken- und das Messeviertel. Nur für die Europäische Zentralbank, die neben der Großmarkthalle im Ostend entstanden ist, hat die Stadt eine Ausnahme gemacht und dies mit der besonderen Rolle der Institution begründet. Neben der Bundesbank steht allerdings der 340 Meter hohe Fernsehturm, der eine besondere Wirkung entfaltet.

          Der Bebauungsplan für das Bundesbank-Areal stammt aus dem Jahr 1965 und lässt rechnerisch offenbar den Bau eines Hochhauses zu. Das Grundstück ist derart weitläufig und dünn bebaut, dass ein Hochhaus die zulässige Geschossflächenzahl in Summe nicht überschreiten würde. Allerdings hatten die Planer damals nicht an den Bau eines weiteren, ausgewachsenen Hochhauses gedacht und keine Vorgaben für die Gebäudehöhe gemacht.

          Bundesbank auf das Ja der Stadt angewiesen

          Die Stadtplaner müssen nun abwägen, ob ein Hochhaus an dieser Stelle städtebaulich sinnvoll wäre oder zu einem Zerfasern der Skyline führen könnte. Stadtplanungsamtsleiter Martin Hunscher hat noch keine abschließende Antwort auf diese Frage gefunden. „Wir müssen das aus allen Richtungen beleuchten“, sagt er. Allerdings hätte ein isoliertes und zeichenhaftes Gebäude an dieser Stelle eine besondere räumliche Bedeutung. „Es entwickelt eine unheimliche Präsenz“, sagt Hunscher, der persönlich eher abgeneigt ist. Auf dem Gelände sei auch genügend Platz für eine niedrigere Bebauung, die sich ins Stadtbild einfügen würde. Bei der Entscheidung ist die Bundesbank auf die Zustimmung der Stadt angewiesen. Nach Auskunft des Sprechers des Planungsdezernats setzt ein Hochhaus eine Änderung des Planungsrechts voraus.

          Er weist aber auch darauf hin, dass der Hochhausrahmenplan nur Vorschläge umfasst. Dessen Mitverfasser Jochem Jourdan hält einen weiteren „exterritorialen Standort außerhalb des Hochhausclusters“ für denkbar. „Wenn man es der EZB genehmigt, dann auch dort“, meint der Architekt. Alle Hochhäuser sollten Wahrzeichen sein: „Die Silhouette der Stadt lebt von der Unverwechselbarkeit der Türme.“

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