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Frankfurt : Bundesbank erweitert Stammsitz

Ausweichquartier gesucht: Der Deutschen Bundesbank steht einer der größten Umzüge der vergangenen Jahre bevor. Bild: Röth, Frank

Die Deutsche Bundesbank ist auf der Suche nach einem Ausweichquartier für ihre anstehende Umbauzeit von sieben Jahren. In Frage kommen nicht nur neue Bürohochhäuser.

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          Die Bundesbank hat am Freitag eine ungewöhnliche Zeitungsannonce geschaltet: Sie sucht für mindestens sieben Jahre nach einem Ausweichquartier für 2000 bis 2300 Mitarbeiter. Deren Schreibtische stehen bisher im Hauptgebäude an der Wilhelm-Eppstein-Straße in Frankfurt-Ginnheim, das von 2020 an umfangreich saniert werden soll. Während der Bauzeit muss das Ende der sechziger Jahre errichtete Gebäude komplett geräumt werden, es wird bis auf die Stahlkonstruktion entkernt. Um das zu ermöglichen, müssen die Mitarbeiter Ende 2019 vorübergehend ausziehen.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zu ihrer Unterbringung werden im Frankfurter Stadtgebiet ein oder mehrere Bürogebäude benötigt, die mindestens 35 000 Quadratmeter groß sind. Am Standort in Ginnheim verfügt die Bundesbank sogar über 70 000 Quadratmeter. Mehr brauche man auf keinen Fall, sagte Vorstandsmitglied Johannes Beermann. Mit einer Markterkundung hält die Bundesbank nun nach geeigneten Objekten Ausschau. Beermann rechnet mit einer zweistelligen Zahl von Angeboten. Sie können bis zum 28. Februar abgegeben werden, bis Ende des Jahres will die Zentralbank eine Entscheidung treffen.

          Shuttle-Service zwischen den Gebäuden

          Es ist einer der größten Umzüge der vergangenen Jahre. In Frage kommen nicht nur neue Bürohochhäuser wie der Omniturm, das Hochhaus One und der Marienturm, die bis 2019 fertiggestellt werden können. Auch Bestandsgebäude wie der zu sanierende Global Tower, das alte Commerzbank-Hochhaus, Gebäude in der City West und im Mertonviertel stehen zur Auswahl. Selbst das Neckermann-Areal in Fechenheim, auf dem es auch Büroflächen gibt, könnte eine Variante sein. Es ist nämlich nicht gesagt, dass die Wahl auf eine der ersten Adressen im Bankenviertel fällt. Dem Vernehmen nach will die Bundesbank nicht, dass sich ihre Mitarbeiter im Ausweichquartier zu wohl fühlen: Sie sollen gerne nach Ginnheim zurückkehren.

          Dort ist allerdings nach Darstellung der Bank schon heute nicht genügend Platz für alle Beschäftigten. 1600 Mitarbeiter arbeiten an anderen Standorten in Frankfurt, vornehmlich in den Hochhäusern Skyper und Trianon im Bankenviertel. Die Bundesbank unterhält einen Shuttle-Service zwischen diesen Gebäuden und der Zentrale in Ginnheim. Eine Fahrt dauert rund 30 Minuten - kostbare Arbeitszeit, die sich effizienter verwenden lasse, meint Beermann. „Wir verfolgen eine Ein-Standort-Politik“, sagte er am Freitag.

          Keinen Wettlauf mit der EZB

          Allerdings müssen die Flächen in Ginnheim dafür erweitert werden. Bis 2030 sollen entsprechende Neubauten errichtet werden. In einem zweistufigen Städtebau- und Architekturwettbewerb sollen Architekten bis Mitte 2018 Vorschläge unterbreiten, wie das Gelände am besten genutzt werden kann. Der Wettbewerb soll Ende des Jahres ausgelobt werden. Noch sei völlig offen, ob sich die Baumasse auf ein oder mehrere neue Gebäude verteile, sagte Beermann. Derzeit liefen Gespräche mit der Stadt, was an dieser Stelle erlaubt und möglich sei. Berichten, die Bundesbank plane ein Hochhaus, trat er entgegen. Er schloss dies aber auch nicht aus. „Fest steht, dass der Hochhausrahmenplan kein Hochhaus vorsieht“, sagte er. „Die Bundesbank plant keinen Musentempel und keine Elbphilharmonie, sondern ein Bankgebäude mit der entsprechenden Nüchternheit.“

          Die Stadt lehnt ein Hochhaus an dieser Stelle aus städtebaulichen Gründen ab. Der Hochhausrahmenplan weist potentielle Standorte vornehmlich im Banken- und Messeviertel aus, um für eine verdichtete Skyline zu bürgen. Für die Europäische Zentralbank ist die Stadt von dieser Regel jedoch abgewichen. Beermann will die Bundesbank nicht mit diesem Projekt messen, es gebe keinen Wettlauf mit der EZB. „Für uns ist entscheidend, alle Mitarbeiter an einem Ort zu haben.“

          Erscheinungsbild soll erhalten bleiben

          Die Baupläne haben keine Auswirkungen auf die Goldreserve, die in Tresoren auf dem Gelände verwahrt und von der Bundespolizei bewacht wird. Auch die Verlagerung von Goldbeständen der Bundesbank, unter anderem aus Amerika, soll wie geplant fortgesetzt und bis 2020 abgeschlossen werden. Dann sollen 1700 Tonnen Gold auf dem Gelände lagern. Der Tresor sei einzigartig gut gesichert, sagte Beermann. Auch aus diesem Grund hält die Bundesbank an dem Standort Ginnheim fest. Der Ort steht laut Beermann nicht zur Debatte. „Im Gesetz steht: Der Sitz der Bundesbank ist Frankfurt. Wir werden das Gesetz nicht verletzen.“

          Das Hauptgebäude hat zwar eine gute Bausubstanz, ist aber mit Schadstoffen belastet und auch technisch nicht auf dem neuesten Stand. Bei der Modernisierung soll das Erscheinungsbild des nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes erhalten bleiben. Auch ein Teil der Einrichtung soll bewahrt werden.

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