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Bummel in Bad Homburg : Wo Kurgäste und Bankiersfamilien einkaufen

Tradition: Seit den Vierzigern ist dieser Hutsalon am Markt Bild: Rüchel, Dieter

Es muss nicht immer die Zeil sein. Wer einen freien Tag lang durch Geschäfte stöbern will, der findet im Rhein-Main-Gebiet viele hübsche Innenstädte. Zum Beispiel in Bad Homburg.

          Nach königlichen Hochzeiten ist bei Karen Diaz de Cozar immer besonders viel los. Denn in ihrem Lädchen in der Altstadt von Bad Homburg verkauft sie eines der wichtigsten Accessoires, die zu solch royalen Ereignissen den ganzen Tag lang im Fernsehen begutachtet werden, und dazu sind noch von Hand gemacht: Hüte nämlich. Seit 1947 besteht das kleine Geschäft am Eingang zur Rathausstraße schon. Seit Diaz es im Jahr 2000 von ihrer Meisterin Gisela Rosemann übernommen hat, heißt es Homburger Hutsalon.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den Klassiker, den Homburg, bietet die Hutmacherin in vielen Varianten, seit einigen Jahren sogar für Damen. Echte Hingucker sind aber die Kreationen mit Federn, Netzen und Schleiern, die sie ganz nach Kundinnenwunsch gemeinsam mit einer Auszubildenden in der kleinen Werkstatt hinter dem Laden anfertigt. Eine Kreation kann schon einmal einige hundert Euro kosten. Aber dafür lassen sich die Künstlerinnen in der kleinen Kammer bei ihrer Arbeit auch noch über die Schulter schauen.

          Arzneien seit 1684

          Ein Einkaufsbummel durch Bad Homburg macht Spaß, weil es immer wieder solche Kleinode wie den Hutsalon zu entdecken gibt. Gar nicht weit entfernt, am Schulberg, liegt die Engel-Apotheke, die hier schon seit 1684 Medikamente verkauft, damals noch auf Anordnung des Landgrafen Friedrich II. Die alte Holzfassade mit dem goldenen Engel über dem Eingang, das Glöckchen, das bimmelt, wenn ein Kunde hereinkommt, die dunklen Apothekerschränke mit den weißen Töpfen und Tiegelchen in den Regalen - hier wirkt vieles, als sei es in den vergangenen 330 Jahren nicht verändert worden.

          Auch die Buchhandlung Supp darf schon als historisch betrachtet werden. So rummelig und verwinkelt wie in dem kleinen Lädchen in der Nähe des Kurhauses werden wohl nur noch an wenigen Orten in Deutschland Bücher verkauft. Und es ist ein Wunder, dass der Laden sich neben der Einkaufswelt von Hugendubel etwas weiter oben an der Louisenstraße hält. Die Bad Homburger schätzen es offenbar, eine zweite Anlaufstelle in Sachen Literatur zu haben. Und wer genau weiß, was er will, kauft lieber beim Alteingesessenen als bei der großen Kette.

          Für eine Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern bietet die Louisenstraße eine ausgesprochen vielfältige Einkaufslandschaft. Dass Bad Homburg gleichzeitig Kreisstadt, Kurstadt und Wohnstadt für viele der gut verdienenden Banker, Anwälte und Unternehmensberater aus Frankfurt samt Familien ist, hat auch Unternehmen angelockt, die sonst eher in größeren Städten ihre Läden eröffnen. Peek & Cloppenburg und Intersport haben hier ebenso Filialen wie Saturn, C&A und Esprit. Das Kaufhaus von Karstadt bildet das Herzstück der Louisenstraße. Hinzu kommen viele kleine Markengeschäfte wie die von Benetton, Gerry Weber und Marc O’Polo. Und das Modegeschäft Halbach am Kurhaus, das viele exquisite Marken im Sortiment hat. Wer also gerne viel Geld für Klamotten ausgibt, findet hier reichlich Gelegenheit dazu.

          Auch etwas für Taschengeldempfänger

          Für die Nachwuchs-Shopper hatte Bad Homburg dagegen lange Zeit eher wenig zu bieten. Erst seit einigen Jahren siedeln sich an der Louisenstraße auch Geschäfte für die Taschengeldempfänger an, wie New Yorker und H&M im ehemaligen Woolworth-Kaufhaus.

          Wer zwischen den Shoppinggängen ein wenig Erholung und Stärkung braucht, findet an der Audenstraße mit zwei Italienern, einem Spanier, einem Café sowie den urigen Lokalen Kartoffelküche und Schreinerei etwas für jeden Geschmack und jede Hungerstufe. Nicht umsonst nennen die Einheimischen die Seitenstraße der Louisenstraße Freßgass’ von Bad Homburg. In einem Hinterhof bietet sich dort wieder so ein Blick in die Werkstube: Im Tortenatelier kann man nicht nur ausgefallene Backwaren kaufen, sondern der Konditormeisterin durch eine Glasscheibe auch noch dabei zuschauen, wie sie entsteht.

          Für Selbstversorger hat die Bad Homburger Innenstadt auch einiges zu bieten. Unbestrittene Nummer eins für Gourmets ist Feinkost Lautenschläger am Waisenhausplatz, der an der großen Frischfischtheke allerlei von Schwertfisch bis Thunfisch in Sushi-Qualität feilbietet, und für Karnivoren auch Lammcarrée und Maishähnchen im Sortiment hat. Etwas günstiger bekommt man frische Zutaten dienstags und freitags, wenn auf den Plätzen entlang der Louisenstraße Erzeuger aus der Region ihre Marktstände aufbauen.

          Welcher Obstbrand passt zu welchem Senf?

          Ausgefallene Öle, Liköre, Essige und Senfe gibt es bei Oilea in den Louisen-Arkaden. Aus großen gläsernen Behältern kann man sich hier Tiramisu-Likör und Marillen-Rosencréme-Essig in kleine Fläschchen abfüllen. Als Mitbringsel für Touristen eignet sich die Bad Homburger Grillsauce. Der Inhaber Oliver Riemann war früher einmal Animateur auf Mallorca und kann wunderbar erklären, woher welcher Obstbrand kommt und wozu welcher Senf am besten passt.

          All die guten Zutaten wollen aber natürlich auch stilvoll zubereitet werden. Wer im Grunde schon alles in der Küche hat, findet bei Cucinetta an der Vorderfront der Louisen-Arkaden sicher doch noch etwas, was er dringend benötigt: eine Crepes-Pfanne zum Beispiel, einen Fisch-Entschupper oder eine formschöne Parmesanreibe aus Kunststoff. Auch Weingläser und Karaffen von Riedel gibt es hier. Billig ist das alles nicht. Aber schon das Ratespiel, welches Geräte für was zu gebrauchen sein mag, lohnt einen Rundgang durchs Geschäft.

          Parkplätze findet man rund um die Louisenstraße genug, zum Beispiel an der Kaiser-Friedrich-Promenade oder im Parkhaus von Karstadt. Sie kosten aber alle Geld. Nur wer unter den Louisen-Arkaden parkt, kann sein Auto eine Stunde lang gratis abstellen - wenn er etwas von einem Euro an gekauft hat.

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