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Büroleerstand in Frankfurt : Fast 50.000 Quadratmeter gewonnen

Noch mehr Platz für Büros: Vor allem Neubauten sind gefragt. Bild: Wonge Bergmann

Der traditionell hohe Büroleerstand in Frankfurt sinkt langsam, aber sicher. Makler rechnen damit, dass der Trend zur Umwandlung von Bürogebäuden anhält.

          „Wahnsinn, wie viele Kräne sich zurzeit über Frankfurt drehen.“ Für einen Immobilienmakler, der sich seit Jahren intensiv mit dem Baugeschehen beschäftigt, ist Oliver Barth immer noch sehr begeisterungsfähig. Aber wachsen in den Baugruben nur Wohnhäuser oder auch neue Bürogebäude? Barth und seine Kollegen von BNP Paribas Real Estate haben genau hingeschaut. Ihr Ergebnis: Im ersten Halbjahr 2012 wurde mehr gebaut. Insgesamt 49.2000 Quadratmeter Bürofläche sind derzeit im Entstehen, das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Und die meisten neuen Büros sind schon vermietet, bevor sie fertig sind, denn moderne Flächen sind begehrt. Nur relativ wenig, nämlich 157.000 Quadratmeter, sind noch verfügbar. Der überwiegende Teil der Neubauten, fast 70 Prozent, wird zudem erst 2014 fertig.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Verknappung an modernen Büroflächen hat auch positive Effekte. Viele Bauherren und Eigentümer sind gezwungen, sich mit dem traditionell hohen Leerstand zu beschäftigen. Noch immer stehen rund zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche in Frankfurt leer, fast die Hälfte ist nicht mehr vermarktbar. Der Leerstand ist in den vergangenen zwölf Monaten um vier Prozent zurückgegangen. Die Leerstandsquote liegt im Frankfurter Marktgebiet, zu dem auch Eschborn und das Kaiserlei zählen, bei 13,5 Prozent.

          Die meisten Maklerhäuser reagieren gelassen

          Barth findet es sehr erfreulich, dass der Leerstand sinkt. Grund dafür sind auch Modernisierungen, aber vor allem die Umwandlung von leerstehenden Bürohäusern in Hotels, Wohngebäude oder Studentenwohnheime - fast 50.000 Quadratmeter wurden allein im ersten Halbjahr auf diese Weise gewonnen. „Die Umwandlung wird anhalten. Es ist noch viel Substanz da“, meint Barth.

          Obwohl der Flächenumsatz, also die Summe der neu vermieteten Bürofläche, im ersten Halbjahr mit 21.5000 Quadratmetern elf Prozent unter dem Vorjahreswert lag und die Vermietung nach einem guten Jahresbeginn im zweiten Quartal stark nachgelassen hat, reagieren die meisten Maklerhäuser gelassen. Als „erfreulich solide“ beschreibt Jones Lang LaSalle den Büromarkt, auch CBRE spricht von einer „soliden Vermietungsleistung“. Das Ergebnis entspricht dem langjährigen Mittelwert.

          Banken und Finanzdienstleister fragen nach

          Während die Vermietung kleinerer Flächen zurückging, hat es vor allem mehr große Abschlüsse von mehr als 10.000 Quadratmeter Fläche gegeben. Vier Mietverträge dieser Größenordnung wurden im Stadtgebiet unterzeichnet: für das House of Logistics and Mobility (Holm) im Flughafen-Stadtteil Gateway Gardens, für die KfW-Bankengruppe in der City West, für die Union Asset Management Holding AG auf dem Maintor-Gelände. Die größte Transaktion des zweiten Quartals war eine Anmietung der SEB Bank von rund 13.600 Quadratmeter Bürofläche im Büro- und Wohnhaus Skylight. Besonders begehrt ist unter den Unternehmen die Innenstadt. Dem Maklerhaus Colliers International zufolge wurden im gesamten „Central Business District“, zu dem das Bankenviertel, das Westend und die „City“ zählen, 44 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt.

          Nach Branchen differenziert, behaupten sich mit 27 Prozent der Nachfrage vor allem die Banken und Finanzdienstleister an der Spitze. „Das ist Wasser auf unsere Mühlen“, sagt Barth, denn es spreche für eine Erholung dieses Geschäftszweigs. Bezogen auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, sei Frankfurt ohnehin ein sehr stabiler Markt. „Das ist ein weitgehend abgeschlossener Raum, wo sich die Unternehmen von A nach B orientieren.“

          Makler sind optimistisch

          Weil mit dem neuen Taunusturm im Bankenviertel und den Hochhäusern auf dem Maintor-Areal im nächsten und übernächsten Jahr hochwertige Immobilien fertig werden, rechnet Barth mit steigenden Spitzenmieten. Insgesamt bleibe das Mietniveau aber voraussichtlich konstant. Die Spitzenmiete von 36 Euro je Quadratmeter wird im Westend erzielt, im Bankenviertel werden maximal 35, in der Innenstadt höchstens 33 Euro gezahlt.

          In ihrer Prognose für den Rest des Jahres sind die Makler optimistisch. Sie gehen von einem guten Ergebnis aus. BNP Paribas, das auch die nähere Umgebung zum Marktgebiet zählt, erwartet einen Gesamtflächenumsatz mehr als 50.0000 Quadratmetern. Und auch CBRE rechnet mindestens mit einem Volumen auf Vorjahresniveau.

          Auf dem Investmentmarkt hat sich das Klima nach einem außerordentlichen Jahresauftakt mit einem Investitionsvolumen von fast 700 Millionen Euro im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt. Im ersten Halbjahr wurden Büroimmobilien mit einem Gesamtwert von 885 Millionen Euro verkauft, darunter auch eine Teilfläche im Trianon an der Mainzer Landstraße und das Gebäude der BHF-Bank. Unter den großen Bürostandorten liegt Frankfurt damit ebenso wie bei den Vermietungen hinter München und Berlin an dritter Stelle.

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