https://www.faz.net/-gzg-a2oir

Büro- und Wohntürme : Der kluge Mann baut vor

Bald fertig: Der Hochhaus-Hybrid „One“ in Frankfurt soll Büros und ein Hotel beherbergen. Bild: Lando Hass

Ob ein Wolkenkratzer bei den Bürgern gut ankommt, hängt nicht nur von dessen Aussehen ab. Die Öffentlichkeit muss auch ganz konkret etwas von dem Gebäude haben. Stadtplaner tun gut daran, soziale Nutzungen festzuschreiben.

          1 Min.

          Rund um das Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ im Frankfurter Europaviertel entsteht ein neues Hochhaus-Cluster. Drei Türme sind am Güterplatz und auf der gegenüberliegenden Seite am Messeturm schon im Bau, fünf bis sechs weitere sind geplant, unter anderem auf den Grundstücken des alten Polizeipräsidiums und der Matthäuskirche, aber auch am Hafentunnel. Und mit dem eleganten Wohnturm „Grand Tower“ ist ein besonders ansehnlicher Wolkenkratzer gerade erst fertig geworden.

          Entscheidend für die Akzeptanz der Türme in der Bevölkerung ist aber nicht nur ihr ästhetisches Erscheinungsbild, sondern auch, dass die Öffentlichkeit ganz konkret etwas von diesen Gebäuden hat. Das sind idealerweise interessante Angebote im Erdgeschoss oder ergänzende soziale Nutzungen wie günstiger Wohnraum, Schulen oder Kitas. Oder auch, wie beim neuen Büro- und Hotelturm „One“, eine Bar im obersten Stockwerk, die für jedermann zugänglich ist und atemberaubende Blicke auf die Stadt und ihre Skyline verspricht.

          Grundstücksbesitzer profitieren enorm

          Die Stadtplaner tun darum gut daran, in den Verhandlungen mit den Bauherren solche Nutzungen festzuschreiben. Das ist in der Vergangenheit nicht überall gelungen, klappt aber immer besser. Auch bei der geplanten Fortschreibung des Hochhausrahmenplans sollte sie bei dieser Strategie bleiben. Ein Eigentümer, auf dessen Grundstück der Bau eines Hochhauses ermöglicht wird, profitiert von enormen Planungsgewinnen. Und zwar ohne eigenes Zutun. Es ist gerecht, wenn diese Gewinne zu großen Teilen sozialisiert werden.

          Das neue Hochhaus-Cluster im Europaviertel, das den Pulk an der Messe ergänzt, liegt an der richtigen Stelle. Hier gibt es kaum Wohngebäude, deren Bewohner unter der Aufwertung und Verschattung leiden. An dieser Stelle befand sich einst der Güterbahnhof. Die Stadt konnte bei der Planung daher relativ frei schalten und walten. Das ist nicht immer der Fall. Bei der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans müssen die Planer daher mit dem Skalpell vorgehen.

          Ohnehin scheint der Bedarf an neuen Bürotürmen in Zeiten der zunehmenden Heimarbeit vorerst gedeckt. Aber die Stimmung auf dem Immobilienmarkt kann sich auch schnell wieder ändern. Der kluge Mann baut vor – das gilt auch für eine Reserve an Hochhaus-Standorten. Die kluge Frau übrigens auch.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          Pionierleistungen Video-Seite öffnen

          Upländer Molkerei : Pionierleistungen

          Die Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei. Katrin Artzt-Steinbrink, spricht über die eigenen Pionierleistungen und den Weg in die Zukunft.

          Topmeldungen

          Kein Präsidententreffen unter Freunden: Joe Biden und Wladimir Putin in der Bibliothek der Villa La Grange in Genf.

          Treffen in Genf : Bidens Angebot an Putin

          Das Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten hat wenige konkrete Ergebnisse gebracht. Aber der Dialog ist vernünftig.
          Ellen Thümler, Verdi-Mitarbeiterin im Fachbereich Handel, und Arne Brix, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Handel zum Start der Tarifrunde im Mai.

          Konflikt im Einzelhandel : Auf die Öffnung folgt der Streik

          Die Innenstädte sind längst nicht wieder so gefüllt, wie vor der Corona-Krise. Im Kampf um höheren Lohn fordert die Gewerkschaft ihre Mitglieder trotzdem dazu auf, die Arbeit nieder zu legen. Warum kommt dieser Schritt ausgerechnet jetzt?

          Hummels Grätsche : Retter der letzten Hoffnung

          Mats Hummels verursacht mit einem Eigentor das 0:1 gegen Frankreich. Doch seine spektakuläre Grätsche gegen Mbappé hält das Selbstbildnis der Nationalelf noch am Leben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.