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Bürgerumfrage in Frankfurt : Ganz schön einverstanden

Hoch hinaus: Die Einwohnerzahl Frankfurts wächst. Bild: dpa

Was beschäftigt die Frankfurter? Eine Befragung zeigt sie als zufriedene Bürger. Doch es gibt Hinweise, dass das Wachstum der Stadt Folgen hat.

          Über diesen letzten Platz wird sich der Kämmerer freuen. In der Rangliste der größten Stadtprobleme liegen die Finanzen für die Frankfurter in der neuen Bürgerbefragung mit lediglich einem Prozent auf Rang 16 der überhaupt erwähnten Schwierigkeiten. Das heißt nicht, dass sich CDU-Mann Uwe Becker nun zurücklehnen kann. Der Wert zeigt aber sehr gut, dass die Bürger andere Sorgen weitaus stärker drücken.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie in den vergangenen Jahren steht auch für 2014 der Wohnungsmarkt auf Platz eins der Problemskala (siehe Grafik unten links). Diesmal sogar mit einem Rekordwert von 40 Prozent, das sind fünf Prozentpunkte mehr als 2013. Das Thema ist damit in nur wenigen Jahren für die Bürger zum Sorgengrund Nummer eins geworden: Noch 2010 nannte nur jeder Zehnte den Wohnungsmarkt ein Problem. Dort und auch an anderen Stellen schlägt sich das Bevölkerungswachstum immer stärker auch in den Umfragen nieder.

          Platz zwei der Problemliste: Verkehrssituation

          Der für das Bürgeramt Statistik und Wahlen zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU) hält es dabei für bemerkenswert, dass die hohen Mieten im Vergleich zum Vorjahr von weniger Befragten als Problem genannt wurden. Stattdessen schnellte das Manko „geringes Wohnangebot“ gleich um fünf Punkte nach oben. Daraus lässt sich nach seiner Ansicht durchaus ableiten, dass es die Bürger wichtiger fänden, mehr Wohnraum zur Verfügung zu stellen, als die bestehenden Wohnungen stärker zu subventionieren.

          Im besten Fall liefern die jedes Jahr von den Statistikern per Fragebogen erhobenen Daten wichtige Anhaltspunkte. Interpretieren und Schlüsse daraus ziehen müssen dann ohnehin die Politiker. Um überhaupt an belastbare Zahlen zu kommen, ist die Hilfe von 3500 repräsentativ ausgewählten und angeschriebenen Bürgern zwischen 18 und 75 Jahren entscheidend. Nicht alle wissen das, und deshalb sandten auch nur 56 Prozent der Deutschen und bloß 33 Prozent der Ausländer ihre Antworten zurück. Der Datensatz bestand somit aus 1587 Bögen.

          Als schwierig empfunden wird weiterhin die Verkehrssituation: sie liegt abermals auf Platz zwei der Problemliste. 27 Prozent (plus zwei Punkte) der Befragten bezeichnen sie als misslich. Wie an nahezu keiner anderen Stelle lohnt sich ein getrennter Blick auf Deutsche und Ausländer. Während Deutsche die Verkehrslage zu 32 Prozent als störend empfinden, sind es bei Ausländern nur 16 Prozent. Von beiden Gruppen wird allerdings besonders oft über „zu viel Verkehr/Staus/Baustellen“ geklagt.

          Frankfurter fühlen sich sicher

          Zu den fünf größten Problemen zählen für die Bürger außerdem Kriminalität (elf Prozent), die öffentlichen Verkehrsmittel (neun) und das Verhältnis von Deutschen und Ausländern zueinander (neun). Gerade auf den letzten Wert lohnt es sich in Zukunft zu achten: Er könnte angesichts der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen und Migranten zu einem wichtigen Indikator werden.

          Alle zwei Jahre erfassen die Statistiker das Sicherheitsgefühl noch einmal detailliert. So lässt sich sagen, dass Sicherheit - 1994 noch von jedem zweiten Frankfurter als Schwachstelle bezeichnet - kein beherrschendes Thema mehr ist. Tagsüber fühlen sich 93 Prozent der Frankfurter in der Innenstadt und 94 Prozent in ihrer Wohngegend sicher. Für abends sinken die Zahlen auf 58 Prozent (Innenstadt) und 70 Prozent (Wohngegend), gleichwohl ist der letzte Wert ein Allzeithoch. Oft oder sehr oft Angst vor Verbrechen haben trotzdem 21 Prozent der Befragten. Das sind drei Punkte mehr als 2012, aber 13 Punkte weniger als 1995. Auffällig ist, dass sich speziell junge Frauen zwischen 18 und 34 Jahren in der Stadt viel unsicherer fühlen als in der vorigen Umfrage.

          Bürger zufrieden wie noch nie

          Als Unsicherheitsräume oder Angsträume (siehe Grafik) empfinden die Befragten die Bahnhofsgegend (17 Prozent) und den Hauptbahnhof (13 Prozent); im Langzeitvergleich sind die Werte allerdings nicht außergewöhnlich hoch. Andere unsichere Orte werden in Relation dazu selten genannt.

          Trotz mancher Schwierigkeit sind die Bürger so zufrieden wie noch nie mit Frankfurt: Mehr als zwei Drittel oder 68 Prozent (plus ein Punkt im Vergleich zu 2013) geben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein, lediglich konstante sechs Prozent sind ausdrücklich unzufrieden. Während darüber hinaus 84 Prozent (plus zwei) gerne in Frankfurt leben, würden nur 13 Prozent (minus zwei) lieber woanders wohnen. Die drei Spitzenwerte in der Zufriedenheit bekommen die Abfallbeseitigung (72 Prozent), die ärztliche Versorgung (68) und die kulturellen Einrichtungen (67).

          Fast jeder Dritte findet Frankfurt „schmutzig“

          Hat Frankfurt ein Imageproblem? Stadtrat Schneider sieht das durch die Zahlen nicht belegt. Tatsächlich wird das Eigenbild nach wie vor geprägt von Begriffen wie „international“ und „wirtschaftskräftig“, aber auch von „modern“, „weltoffen“ und „interessant“. Jedoch finden vier von fünf dieser Angaben weniger Zustimmung - allerdings waren die Werte 2013 auch außerordentlich hoch.

          Ferner wird die Stadt der neuen Umfrage zufolge seltener als „reizvoll“ und „gastlich“ empfunden. Gleichzeitig trifft für wesentlich mehr Bürger der Begriff „schmutzig“ auf Frankfurt zu: Statt eines Viertels der Befragten 2013 sieht das mittlerweile fast jeder Dritte so. Auch diese Veränderung dürfte zu einem erheblichen Teil eine Folge des Bevölkerungswachstums sein. Es wird zwar explizit nirgends als Problem genannt, erste Folgen sind aber auch an dieser Stelle aus der Umfrage zu erkennen.

          Ohne viel Tadel bleibt die Stadtverwaltung. Sie wird von den Bürgern als zuverlässig und bürgerorientiert wahrgenommen. Und, ja, auch als bürokratisch. Aber das ist für eine Verwaltung fast ein Kompliment.

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