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Bürgermeisterin Jutta Ebeling : In der Waage

Lebenserfahren und wacker geht Jutta Ebeling durch das Leben - und scheidet bald aus dem Amt. Bild: Röth, Frank

Sie ist mächtig und hat Freude daran, im Amt und auch hinter den Kulissen. Sie kommt aus der Frauenbewegung und war Mitarchitektin von Schwarz-Grün. Jetzt geht die Frankfurter Bürgermeisterin Jutta Ebeling in den Ruhestand.

          5 Min.

          Es ist ein kalter, klarer Wintermorgen, an dem sich für Jutta Ebeling ein Kreis schließt, in einer Schulkantine. Die Räume, in denen 590 Kinder und Jugendliche in drei Schichten essen können, sind hell, obwohl sie in die Erde eingegraben wurden; für viel Geld ist das geschehen, nach den Plänen eines renommierten Architekturbüros. Aus der verglasten Front der Cafeteria blickt man nach oben, auf einen mächtigen Altbau. Gegenüber steht noch einer, wie eine Schlossanlage rahmen die Schulhäuser einen Platz in ihrer Mitte. Ein schönes Ensemble in einem Viertel in Frankfurt mit reichlich Beton und kaum Grün, mit ein paar Gründerzeit-Fronten und vielen Wohnbauten, die aussehen wie ramponierte Pappschachteln.

          Jacqueline Vogt
          (jv.), Rhein-Main-Zeitung

          Die Integrierte Gesamtschule Nordend, kurz: IGS Nord, eine Schule, die mit ihrer Organisationsform beispielhaft steht für den Streit um den richtigen Weg in der Bildungspolitik, hat nun eine Kantine, und Jutta Ebeling ist zufrieden. Seit 23 Jahren ist sie Schuldezernentin in Frankfurt. Mitte März tritt sie in den Ruhestand, die Eröffnung dieser Mensa ist eine ihrer letzten Amtshandlungen. Sie nimmt Blumen entgegen. Sie wirkt gerührt, als sie von der Schulleiterin umarmt wird. Ein Schnupfen und die Taschentücher, die sie braucht, verstärken den Eindruck.

          Manchmal fühlt sie sich wie eine Migrantin

          Die Politikerin Ebeling, Parteizugehörigkeit: Die Grünen, ist eine Linke großstädtischer bildungsbürgerlicher Prägung. Die Frau, die als Kind Löwenbändigerin werden wollte, die spätere Oberstudienrätin, die zur Einschulung keine Schultüte bekommen hatte und dafür zum 40. Geburtstag eine bekam, hat alle politischen Konstellationen in Frankfurt überlebt. In allen hat sie mitgestaltet, ganz vorne und im Hintergrund.

          Seit 2006 ist sie Bürgermeisterin, die erste Frau auf diesem Posten, das erste Mitglied der Grünen. Die Person, mit der sie qua Amt den engsten Kontakt hat, ist die CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth. Die Frauen, die sich gut verstehen, haben vieles gemeinsam, auch, dass sie in der Bankenstadt jede einen Flügel ihrer Partei repräsentieren, von dem sich kaum noch sagen lässt, ob es ihn ohne sie überhaupt gäbe. Wenn stimmt, was in der Stadt manchmal über Petra Roth gesagt wird - dass die Konservative, die liberaler ist als das Gros der Frankfurter CDU, heute größer sei als ihre Partei -, dann trifft für Ebeling zu, dass sie die Grünen mit zu denen gemacht hat, die sie sind.

          Mit Leib und Seele Realpolitikerin

          Jutta Ebeling wird 1946 in Oberfranken geboren. Als sie fünf Jahre alt ist, wandern die Eltern mit ihr aus, nach Australien, sechs Wochen Schiffsreise. Nach drei Jahren kehrt die Familie zurück, seitdem lebt Jutta Ebeling in Frankfurt, wo ihr Großvater einst Polizeipräsident war. Sie wisse aus der Zeit in Australien, hat sie am Rande eines ihrer Wahlkämpfe erzählt, wie es sich anfühle, „Migrant zu sein“, den Alltag in einer anderen als der Muttersprache zu bewältigen, andere Rituale als andere erlebt zu haben - Schultüten gab es in Australien nicht, in Anspielung darauf und auf ihren Beruf hat ihr Vater ihr so viele Jahre später eine geschenkt. Vielleicht rührt auch die Lust am Reisen und am Unterwegssein überhaupt vom frühen privaten Aufbruch her. In ihrer Freizeit ist Ebeling, die gerne liest und kocht, auch begeisterte Power-Spaziergängerin.

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