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Unterwegs auf den Sportplätzen : Abseits des Rathauses läuft der Bürgermeister und pfeift

  • -Aktualisiert am

Zwei Meter groß, zwei Zentner schwer: Als Schiedsrichter behält Albrecht Kündiger den Überblick. Bild: Marcus Kaufhold

Albrecht Kündiger ist ein Mann, der gern das Sagen hat. Jedenfalls ist der Kelkheimer Verwaltungschef seit 20 Jahren fast an jedem Wochenende als Schiedsrichter unterwegs.

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          Nicht alle Spieler treten mit kurzen Hosen an, dafür ist es viel zu kalt am Sonntagnachmittag auf dem Sportgelände von Tus Nieder-Eschbach im Norden von Frankfurt. Der Schiedsrichter aber, ein älterer Herr, kennt da nichts. Er trotz den niedrigen Temperaturen mit seiner kurzen schwarzen Hose und dem gelben Hemd. Nur das Unterhemd sei etwas dicker, sagt er. Im A-Klassen-Spiel zwischen Nieder-Eschbach und Schwarz-Weiß Griesheim hält er sich mit Laufen warm, doch allzu viel ist er nicht unterwegs. Der Schiedsrichter pfeift, wie alte Herren spielen: mit viel Routine, wenig Aufregung und konditionellem Haushalten.

          Auch im Zivilberuf tanzt alles nach der Pfeife von Albrecht Kündiger. Denn der Schiedsrichter ist der Bürgermeister von Kelkheim. Seit 20 Jahren steht er seinen Mann auf dem Fußballfeld, mindestens 30 Mal im Jahr, seit drei Jahren ist das andere Feld das Rathaus der Heimatstadt. In die Politik mischt sich der Sechzigjährige seit den siebziger Jahren ein, gehörte zu den Verhinderern einer Autobahntrasse im Taunus, zählte bald zu den Mitbegründern der Unabhängigen Kelkheimer Wählergemeinschaft (UKW), wie sich dort die Grünen nennen. Kündiger kam in die Stadtverordnetenversammlung, ist Mitglied im Kreistag, dort Fraktionsvorsitzender, kandidierte vergebens um den Landratsposten. 2015 aber wählten ihn die Kelkheimer in der Stichwahl zum Bürgermeister. Das will er auch bleiben. Hier hat ein Mann sein passendes Amt gefunden.

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