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Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung : Grabenkämpfe in Bellnhausen

  • -Aktualisiert am

Fühlt sich von vielen Seiten angegriffen: Landwirt Günter Jung aus Bellnhausen. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Alle kennen sich, alle duzen sich im kleinen Bellnhausen. Dann plant ein Bauer eine Hähnchenmastanlage - und aus guten Bekannten werden erbitterte Gegner.

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          Was mag es nur sein, das diese Leute so aufgebracht hat? Diesen Herrn mit dem weißen Schnauzbart, der an dem massiven Eichentisch sitzt und der manchmal ein Stück Fleisch beim Landwirt aus dem Dorf gekauft hat. Und neben ihm die junge Frau mit den langen blonden Haaren, deren Tochter immer mit der Bauerstochter spielte und es jetzt nicht mehr darf. Nun treffen sich diese beiden und noch einige mehr einmal in der Woche im Schützenhaus, sitzen unter Messingtellern und Schrotflinten und diskutieren bei Wasser und Bier so angeregt, dass manch einer einen roten Kopf bekommt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          "Wir müssen das mit den Keimen ausschlachten." "Es darf nicht sein, dass wir uns verzetteln." "Es geht hier doch eigentlich um Massentierhaltung." "Es ist doch ganz normal, dass es auf dem Land auch mal riecht." "Wir dürfen uns nicht vergaloppieren." "So geht das nicht." Pause. Sonja Haese hebt leicht die Hand, und die Gruppe schweigt. "Wichtig ist doch, dass wir weiterhin darüber aufklären, was hier passiert." Und dann diskutieren sie weiter. Es fallen viele Fachbegriffe. Aber nur einmal fällt der Name, der sie in ihrem Zorn zusammenbrachte, der von Landwirt Günter Jung.

          Die Landwirte sind überzeugt, dass ihr Betrieb umgestellt werden muss

          Dessen Hof liegt nahe am Bellnhäuser Lahnufer. Ein junger Hund jagt eine Katze über das Pflaster, und die Kühe interessieren sich überhaupt nicht für die Besucher, sie schauen unbeeindruckt weiter zum Stall hinaus. Im Wohnhaus sitzt Günter Jung am Küchentisch. Beim Erzählen blickt er manchmal nach unten auf die Tischplatte und schüttelt leicht den Kopf. Er und seine Frau hätten nicht geahnt, dass es so viel Widerstand gegen ihre Pläne für einen Hähnchenmaststall und eine Biogasanlage geben werde. Dass sich sogar eine Bürgerinitiative gründen würde. "Wir sind sehr enttäuscht", sagt er.

          Die Jungs sind überzeugt, sie müssten ihren landwirtschaftlichen Betrieb umstellen, wenn er sie noch die nächsten 20 oder 30 Jahre ernähren soll. Sie sind die einzig verbliebenen Vollerwerbsbauern in Bellnhausen. Die Ställe rund um den Hof sind altmodisch. Der Wind weht vom Fluss über ihren Hof und hinauf ins übrige Dorf. Noch nie habe sich jemand über den Geruch beschwert. Die Hähnchenmast passe gut zu ihrem Betrieb, sagt Jung. Industriegebiete und Autobahn verschluckten immer mehr Land, so dass man auf die Tierhaltung angewiesen sei. Es sei eine rationale Entscheidung gewesen, Hähnchen zu mästen, auch wenn es nur ein "Centgeschäft" sei. Und er wisse auch, dass ein Hühnerleben schöner sein könnte, als sich 40 Tage lang mit Zehntausenden Artgenossen in einem Stall zu drängen, bevor es geschlachtet werde.

          Auf einen Schlag der größte Hähnchenmäster im Landkreis

          Geplant ist ein Stall für 39.900 Tiere. Dazu bedarf es nur eines sogenannten vereinfachten Verfahrens. Daran sind zwar immer noch 23 Behörden beteiligt, das Projekt muss aber nicht öffentlich erörtert werden, und die Gemeinde kann nicht intervenieren, sondern nur eine Stellungnahme abgeben. Die Grenze für ein aufwendigeres Verfahren liegt bei 40.000 Tieren.

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