https://www.faz.net/-gzg-7ytjf

Bürgerentscheid : Ringen um die Frankfurter Rennbahn

Glaubt daran, dass die Rennbahn noch zu retten ist: Rebekka Unrath Bild: Wonge Bergmann

Am 21. Juni werden die Frankfurter Bürger entscheiden, ob die Pferderennbahn erhalten bleibt. Eine Initiative, die eine DFB-Akademie dort verhindern will, gibt sich gut vorbereitet. Stadt und DFB suchen noch nach einer Linie.

          Wie hoch das Budget im Kampf um die Rennbahn sein wird, weiß Rebekka Unrath noch nicht. Doch die Sprecherin der Bürgerinitiative, die für den Erhalt der Galopprennbahn kämpft, lässt durchblicken, dass die Sache nicht am Geld scheitern wird. Unrath, 29 Jahre alt und früher erfolgreiche Amateur-Jockette, hat mit wenigen Mitstreitern etwas geschafft, was es in Frankfurt noch nie gab: Sie reichte 13.715 gültige Unterschriften beim Wahlamt ein. Genug, um zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Am 21. Juni wird sich zeigen, wer sich durchsetzt, die Bürgerinitiative „ProRennbahn“ oder die Allianz aus Stadt und Deutschem Fußballbund (DFB), die dort ein Leistungs- und Trainingszentrum bauen will.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von dem Erfolg hat Unrath durch einen Journalisten erfahren. Denn der Brief des Wahlamts, der ihr die Gültigkeit des Begehrens bescheinigte, erreichte sie nach eigenen Worten erst später am selben Tag. Für sie ist das ein weiteres Zeichen dafür, dass die Stadt nicht bereit ist, mit ihrem Gegner vernünftig zu kommunizieren.

          Unterschriften seien „ehrlich gesammelt“

          Den Vorwurf schlechter Kommunikation hatten die Initiative, aber auch andere dem Magistrat, vor allen Sportdezernent Markus Frank (CDU) und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen), schon früher gemacht. Die Entscheidung, die auf dem städtischen Riesengrundstück in Sachsenhausen liegende Rennbahn nach mehr als 150 Jahren für die Ansiedlung eines Leistungs- und Trainingszentrums des Fußballbunds und eines städtischen Freizeitparks zu opfern, sei nicht vernünftig erklärt und ohne Rücksicht durchgesetzt worden, bemängeln Freunde des Galopprennsports und Gegner des mächtigen DFB gleichermaßen.

          Rebekka Unrath feierte vergangene Woche nicht lange. Dass das Bürgerbegehren geklappt habe, sei eine tolle Leistung, schließlich hätten sie und ihre Mitstreiter nur fünfeinhalb Wochen Zeit gehabt. „Wir haben die Unterschriften ehrlich gesammelt“, sagt Unrath und gibt zugleich zu, dass vor allem der Renn-Klub als Betreiber der Bahn viele Unterschriften beigetragen habe. Und um die möglichst schnell sammeln zu können, habe der Renn-Klub „Leute akquiriert“, aber nicht bezahlt.

          DFB-Zentrum für 90 Millionen Euro

          Für den Wahlkampf, der jetzt detailliert geplant wird, gibt es nach Unraths Worten ein Hauptziel: „Die Frankfurter müssen sich mit ihrer Rennbahn identifizieren.“ Zuvor hätten die Galoppfreunde jahrelang „etwas die Zügel schleifen lassen“. Der Kampf um den Erhalt der Anlage habe sehr spät begonnen. „Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen, aber es beugt sich gerade über den Rand.“ Unrath zufolge muss es den Initiatoren, die am 21. Juni knapp 114.000 Stimmen für den Erhalt der Bahn brauchen, gelingen, zu zeigen, wie es auf der Anlage nach einer erfolgreichen Abstimmung weitergehen soll. Sie findet: „Das Gelände bietet so viel.“

          Magistrat und Stadtverordnete hatten eigentlich schon entschieden, was dort entstehen soll: Auf einem 15 Hektar großen Teil des 38 Hektar großen Geländes soll der DFB von 2016 an für knapp 90 Millionen ein neues Leistungszentrum errichten, das er Akademie nennen will. Es soll allen Nationalmannschaften als Anlaufpunkt dienen und Trainingsplätze, eine Halle, medizinische Einrichtungen, ein Pressezentrum sowie die DFB-Verwaltung beherbergen. Wegen der wissenschaftlichen Trainingsanalyse dort soll die Akademie zudem als eine Art Hochschule anerkannt werden, wie der technische Leiter des Projekts, Winfried Naß erläutert.

          Viel Holz: Sieben dicke Ordner voller Unterschriften hatte die Initiative „Pro Rennbahn“ abgegeben.

          Auf weitere fünf Hektar des Areals hat sich der DFB ein Anrecht gesichert. Für einen 99-Jahre-Vertrag zahlt der Sportverband rund 6,8 Millionen Euro Erbpacht auf einen Schlag an die Stadt. Auf weiteren gut neun Hektar will die Kommune einen Freizeit- und Sportpark einrichten, außerdem bleiben knapp neun Hektar geschützter Wald, der aber betreten werden darf. Außer der Galopprennbahn soll dafür ein innerhalb des Parcours liegender Neun-Loch-Golfplatz weichen.

          Wie sich die Stadt in den nächsten Monaten verhält, ist noch nicht klar. Aus dem Magistrat heißt es, die Stadt wolle nicht jetzt schon zu viel werben, um nicht „das Geschäft der Bürgerinitiative um mehr Aufmerksamkeit“ zu betreiben. Andererseits sagt ein Sprecher des für die Organisation des Entscheids zuständigen Stadtrats Jan Schneider (CDU), dass die Stadt über die reine Ankündigung des Entscheids hinaus die Bürger durchaus umfassend informieren dürfe, etwa durch Broschüren. „Ein Gebot der Neutralität gibt es nicht.“ Die Kosten für die Organisation des Entscheids, die mit jenen für eine Oberbürgermeisterwahl vergleichbar seien, beziffert er auf rund eine Million Euro.

          Der technische Leiter Naß sagt, die Abstimmung behindere die Planung schon ein wenig. Der DFB diskutiere im Moment darüber, wie und in welchem Umfang er die Akademie bis zur Abstimmung bewerben werde. Es sei nun an der Zeit für ein Strategiegespräch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.