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Beliebter Treffpunkt : Sehnsucht nach der Almhütte

Es war einmal: die inzwischen wieder abgerissene Almhütte im Röthelbachtal Bild: Cornelia Sick

Den Schwung der Landesgartenschau will Bad Schwalbach für die Stadtentwicklung nutzen. Doch die Bürger wollen vor allem einen liebgewordenen Treffpunkt bewahren.

          3 Min.

          Nach der Landesgartenschau stellt sich die Frage, wie Bad Schwalbach den Schwung der Großveranstaltung und die Begeisterung vieler Bürger und Gäste für eine nachhaltig-positive Stadtentwicklung nutzen kann. Auf Bürgergesprächen sollen Konzepte diskutiert und Ideen entwickelt werden. Auch vor kühnen Vorschlägen sollten die Bürger nicht zurückschrecken, forderte Bürgermeister Martin Hußmann (CDU) bei der jüngsten Zusammenkunft, egal ob das auf den ersten Blick realisierbar oder finanzierbar sei. Es gebe keine Denkverbote.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das klingt gut, stößt aber schnell an Grenzen, wie ausgerechnet das bei Gästen besonders beliebte „Landhaus“ zeigt. Die hölzerne Almhütte, in der eine von Arche-Bauern gegründete Arbeitsgemeinschaft eine gemütliche Vesperstube und einen Hofladen mit regionalen Produkten unterhielt, musste wieder abgerissen werden. Nicht nur weil sie gemietet und nicht beheizbar war, sondern weil es laut Hußmann starke Widerstände des Denkmal- und des Wasserschutzes gegen dauerhafte Gastronomie im Röthelbachtal gibt.

          2000 Unterschriften für den Erhalt der Hütte

          Gerhard Müller, Projektentwicklung und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Arche-Höfe, will das nicht hinnehmen. Er verweist auf den Willen von Bürgern, der sich in gut 2000 Unterschriften für den Erhalt der Hütte ausdrückt. Für Müller muss es nicht genau diese Hütte und auch nicht exakt dieser Standort sein. Doch eine wintertaugliche Hütte mit kleiner Küche und Toiletten in diesem Seitental des Kurparks, dafür hat Müller schon ein Konzept entwickelt. Es gebe sogar zwei mögliche Betreiber, die gern loslegen möchten, sagt Müller, der mit Kosten von 200.000 Euro rechnet. Allerdings könne die Stadt mit einem Zuschuss von 70 Prozent des Landes kalkulieren, und die Refinanzierung des Eigenanteils sei nach der Verpachtung zügig möglich: „Da liegt kein finanzielles Risiko für die Stadt“, sagt Müller, der die „gute Stube“ für die Bad Schwalbacher retten will. Die Stadt erhalte für eine überschaubare Investition einen langfristigen Gegenwert.

          Müller wehrt sich gegen Alternativvorschläge, das erfolgreiche Landhaus-Konzept aus dem Röthelbachtal ins marode „Golfhaus“ im Menzebachtal zu übertragen. Das steht leer, und die Stadt muss laut Hußmann wohl rund 400.000 Euro aufbringen, um das Gebäude stilgerecht zu sanieren. Doch der Standort ist fußläufig deutlich weiter vom Zentrum entfernt als die heutige Almhütte, und zudem bedürfte das Röthelbachtal dringend eines gastronomischen Angebots, das im Menzebachtal schon vorhanden sei. Dort solle sogar am Weinbrunnen noch ein Café etabliert werden.

          Müller verspürt für seine Idee politischen Rückenwind, weil auf Antrag der SPD im Stadtparlament beschlossen wurde, „eine Lösung für das Fortbestehen des Landhauses Taunus“ zu erarbeiten“. Bürgermeister Hußmann verspricht, bei den Behörden zumindest anzuklopfen, auch wenn er alles andere als Optimismus verbreitet.

          Landtourismus in der Region

          Für Müller ist die Hütte auch ein Zeichen, dass das Vorhaben, den Landtourismus in der Region voranzubringen, eine gute Zukunft hat. Die sechs Arche-Bauernhöfe, zu denen im nächsten Jahr noch zwei weitere hinzustoßen wollen, bilden das Rückgrat dieser Initiative. Sie wird wohl ein Element der „Zukunftsstrategie“ für Bad Schwalbach sein, die die Stadt selbst arbeiten will, ganz ohne externe Gutachter oder Agenturen, wie Hußmann hervorhebt. Der Auftakt dazu soll im November sein. Die Abschlussdokumentation soll im Lauf des nächsten Jahres dem Magistrat und den Stadtverordneten zur Beratung und Entscheidung vorgelegt werden.

          Schon sehr bald muss aber entschieden werden, wie es mit dem ehemaligen Gartenschau-Gelände weitergehen soll. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob zumindest Teile davon wieder eingezäunt werden, um den Kurpark vor Zerstörungswut zu schützen und vor Hundekot zu bewahren. Gartenschau-Geschäftsführer Michael Falk wirbt für die Idee eines regelmäßigen Kurpark-Tages als eine Art „Mini-Landesgartenschau an einem Tag, nur ohne Blümchen“. Viele Veranstaltungen seien im Kurpark auch ohne Gartenschau möglich. Beifall fand kürzlich auch eine Idee aus dem Förderverein Landesgartenschau, einen Waldbadepfad zur stillen Erholung im Forst anzulegen.

          „Brunnenfrauen“ wollen weitermachen

          Weitermachen in irgendeiner Form wollen auch die „Brunnenfrauen“, die am Eingang im Weinbrunnen alle Gäste mit einem Schluck aus der Heilquelle begrüßt haben. Müller und seine Mitstreiter von den Arche-Höfen plädieren neben der Etablierung einer Apfelweinwirtschaft mit Hofladen im Röthelbachtal dafür, die Seitentäler des Kurparks besser zu vernetzen und ihnen jeweils ein Profil zu geben: das Menzebachtal als Ort von Kunst und Kultur mit Moorbahn und Golfhaus, das Röthelbachtal als Ort der Regionalität, des Brauchtums und des Landlebens.

          Sie unterstützen zudem das im Zuge der Regionalentwicklung vom Kreis entwickelte Konzept „Lern Deinen Taunus kennen“, das allerlei Angebote zusammenfasst und Rhein-Main-Bürger ermutigen soll, die Kulturlandschaft zu erkunden. Das reicht von einer Draisinentour auf der Aartalstrecke bis zu Ausflügen mit Eseln und kulinarischen Touren von Bauernhof zu Bauernhof. In eine ähnliche Richtung zielt das Konzept „Dein Tag im Taunus“, mit dem die Landesgartenschaugesellschaft dazu beitragen will, dem Tourismus im Untertaunus – aufbauend auf den 300.000 Besuchern der Landesgartenschau – Impulse zu geben.

          Im Mittelpunkt stehen zunächst eine Internetseite und eine App, auf der vielfältige Angebote zusammengefasst werden, die Lust auf einen Tag im Taunus machen sollen. Sie reichen von den Bädern der Region über die Golf- und Minigolfplätze sowie die Segelflugplätze bis hin zu Museen, Kunsthäusern, Freizeitpark und Gastronomie. All das im Bestreben, die Landesgartenschau möge für die Region dauerhaft positive Effekte entfalten und mehr Besucher in den Untertaunus führen, von denen der eine oder andere als Neubürger dort Wurzeln schlagen soll.

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