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Bühnenbildner Klaus-Ulrich Jacob : Eine Welt aus Schleiernessel

Er schätzt Regisseure, die ihm nicht alles vorschreiben: Klaus-Ulrich Jacob bei der Arbeit. Bild: Wonge Bergmann

Der Bühnenbildner Klaus-Ulrich Jacob arbeitet seit Jahren für Claus Helmers Privattheater. Jetzt stattet er abermals die Bühne der „Komödie“ aus.

          Diesmal muss er ohne Schleiernessel auskommen, den Stoff, den er sonst für seine eleganten Salons bevorzugt. „Schleiernessel lässt sich leicht falten und mit Lasurfarben bemalen“, beschreibt Klaus-Ulrich Jacob sein Lieblingsmaterial für Bühnenprospekte. Diesmal muss er sich mit der nüchternen Einrichtung eines Behördenbaus begnügen. Das neue Stück in der Frankfurter „Komödie“ spielt im Finanzamt. Dort muss sich ein Beamter für seine Nachsicht rechtfertigen und steigt dabei vom kleinen Buchhalter zum Amtsrat auf. In Jacobs Sprache: vom Korridor über den Vorraum zu einem Festsaal bis ins repräsentative Büro. „Diesmal gibt es keine Schnörkel“, sagt der Bühnenbildner, der die Hintergrundprospekte auch mit seinen 84Lenzen noch stets selbst näht und bemalt. Immerhin lässt er die Bürowände für die Heinz-Erhardt-Komödie „Das hat man nun davon“ grün anstreichen.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Klaus-Ulrich Jacob ist ein Treuer“, sagt Theaterdirektor Claus Helmer – ohne zu ahnen, dass der Kollege über ihn das Gleiche gesagt hat. Die beiden kennen sich seit genau 50 Jahren. Damals trat Helmer in der Düsseldorfer „Komödie“ auf, und Jacob malte die Bühne aus. Ganze Landschaften hat er seit 1972 auf die Bühne der Frankfurter „Komödie“ gezaubert: etwa für die Musicals „Kiss me Kate“ und „My Fair Lady“. Für die „Marlene“ arbeitete er gelegentlich nach den Proben bis in die Nacht, wobei er die Nesselvorhänge auf dem Boden des Souterrain-Foyers ausbreitete. Diesmal musste er in die Theater-Werkstatt in der Kruppstraße fahren, wo ihm Schreiner Heinz Freimuth das Finanzbüro zimmerte. Nur vier Wochen bleiben dem Bühnenbildner üblicherweise für die Produktion: vom ersten Regie-Gespräch bis zur Bauprobe.

          Vom Vater das Malen gelernt

          Klaus-Ulrich Jacob blickt auf ein reiches Theaterleben und eine bewegte Vita zurück. Dass er 1995 als Unruheständler von München nach Görlitz zog, ist kein Zufall und hat auch nichts mit den günstigeren Mieten an der ostdeutschen Peripherie zu tun. „In Görlitz bin ich wieder in Schlesien und doch noch in Deutschland“, bekennt der heimatvertriebene Künstler. Das sächsische Görlitz als schlesisches Zuhause? Jacob schmunzelt. Er kennt sich aus in der Geschichte seiner Heimat: „Alle 200 Jahre hat die Herrschaft über Schlesien gewechselt. Görlitz wurde beim Wiener Kongress 1815 den Preußen zugeschlagen, also schlesisch.“ Noch immer sei in Görlitz neben dem sächsischen Dialekt die schlesische Mundart zu hören. Zum Schlesier-Stammtisch geht er aber nicht mehr.

          Geboren ist Jacob 1930 in Breslau. Von seinem Vater, einem Kunstmaler und Restaurator, hat er das Malen gelernt, von seiner Mutter, einer Schneiderin, das Nähen an der Maschine. Um beruflich voranzukommen, zog der Vater 1938 nach Liegnitz, 70 Kilometer westlich von Breslau. Dort wechselte der Filius von der Volks- zur Mittelschule, dort hatte er 1941 sein erstes Theatererlebnis: „Der kleine Muck“ im Stadttheater weckte bei ihm den Wunsch, Schauspieler zu werden. Er schwärmte für Zarah Leander. Sein Vater, der in ihm einen künftigen Architekten sah, wollte von diesem „Theater-Fimmel“ nichts wissen und machte ihn lieber mit den Kirchen und Schlössern des benachbarten Breslau bekannt. Am 31.Januar 1945, als der Donner der Geschütze von der Oder herüberhallte, floh die Mutter mit ihren beiden Söhnen nach Sachsen – „bei 25 Grad minus“, erinnert sich Jacob.

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